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Weggis übt den Spagat zwischen Bauboom und Feriendorf

In der Luzerner Seegemeinde wird inmitten von Touristen viel gebaut. Damit das funktioniert, greift der Gemeinderat zu speziellen Mitteln.
Ernesto Piazza
Der Weggiser Gemeindepräsident Roger Dähler beim Kreisel: Im Moment dreht sich vieles um Bauen und Tourismus. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. August 2018)

Der Weggiser Gemeindepräsident Roger Dähler beim Kreisel: Im Moment dreht sich vieles um Bauen und Tourismus. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. August 2018)

Wer momentan an der Weggiser Seepromenade flaniert, dem fallen speziell zwei Dinge auf: Einerseits tummeln sich an der «Riviera» viele Touristen, auch aus Asien. Andererseits ist in der Gemeinde eine grosse Bautätigkeit festzustellen.

Zu den Investoren gehört auch Weggis selber. So hat das Volk einem Kredit von 4,5 Millionen Franken für den Aufbau des Chinderhus mit der gleichzeitiger Sanierung der Mehrzweckhalle Sigrishofstatt zugestimmt. Weiter ist der Gemeinderat zum Schluss gekommen, dass ein Investitionsvolumen von 12 bis 14 Millionen Franken für das neue Hallenbad tragbar sei. Und hierfür werden auch zusätzliche Parkplätze geschaffen. Gemeindepräsident Roger Dähler (parteilos):

«Wir bewegen uns momentan in einer Entwicklungsphase, die verschiedene Herausforderungen beinhaltet.»

Oder anders gesagt: Weggis will sich nicht nur als Feriendestination positionieren.

Bauschutt darf nicht transportiert werden

Die Gemeinde ist bestrebt, sich seinen Gästen im positiven Licht zu präsentieren. Daher existiert im Dorf vom 1. Juni bis Mitte September auch ein Aushub-Abfuhrverbot. In der Zeitspanne darf zwar gebaut werden, der Wegtransport des daraus resultierenden Schutts ist aber nicht gestattet. Das sei insofern wichtig, sagt Dähler, «da sich in den Sommermonaten – zusammen mit den Tagestouristen – schon gegen 10'000 Menschen in der Seegemeinde aufhalten».

Dass überhaupt so viele Reisende Weggis als Destination wählen, liegt auch an der Zusammenarbeit des örtlichen Tourismusbüros mit Luzern Tourismus. Die Kooperation beinhaltet auch Arrangements. Zudem dürften die Seegemeinden Weggis und Vitznau von einem Ausbau des Tourismus bei der «Königin der Berge» profitieren. Und hier gehört auch die Verbindung Weggis–Rigi Kaltbad dazu. Dort bestehen Pläne, die Luftseilbahn durch eine Gondelbahn zu ersetzen. Die Region Weggis–Vitznau–Rigi sei aus Sicht der Logiernächte bereits heute mit Arosa gleichzusetzen, so Dähler.

In der 4500 Einwohner zählenden Gemeinde gibt es rund 25 Betriebe mit total 1270 Gästebetten. In dieser Zahl sind die sich im Bau befindenden Häuser Campus Hotel Hertenstein und Park Chenot nicht eingeschlossen. Dadurch kommen über 200 Betten dazu. Auch nicht berücksichtigt sind die Betten der Ferienwohnungen. In Weggis liegt der Zweitwohnungsbestand bei rund 20 Prozent. Zudem befinden sich aktuell etwa 80 Wohneinheiten im Bau. Zwei Drittel davon sind dem Segment «Eigentum» zuzuordnen.

Weitere Hotelzimmer sind geplant

Wie bereits erwähnt, baut die Chenot-Gruppe – sie ist eine Tochtergesellschaft des türkischen Mischkonzerns Dogus – in Weggis. Auf dem Areal des Park- Hotels erstellt sie eine Gesundheits- und Wellnessanlage. Geplant sind über 90 zusätzliche Hotelzimmer sowie rund 100 Behandlungsräume. Dafür will der neue Besitzer einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren. Das Bauvorhaben realisiert die Generalunternehmung Anliker AG.

Doch trotz der regen Bautätigkeit spricht der Gemeindepräsident von einem «sehr moderaten Wachstum». Das wiederum bedeute auch, man bewege sich mit der Infrastruktur nicht an der Leistungsgrenze. Zudem gehört Weggis zu den Rückzonungsgemeinden. In der Bauzone befänden sich keine grossen Flächen mehr. Das Augenmerk werde auf verdichtetes Bauen gelegt, so Dähler. Bestehende Gebäude – speziell im hinteren Dorfteil – würden erneuert. Der Gemeindepräsident verhehlt aber nicht, dass viele, teilweise ältere und gut betuchte Menschen Weggis als Wohnsitz wählten. Und diese Klientel sei bereit, entsprechend hohe Preise zu bezahlen. Was bedeutet: Für viele Einheimische ist es schwierig geworden, Wohneigentum zu realisieren. Doch man verfolge die Entwicklung aufmerksam, sagt Dähler. «Aktuell erstellt die Wohnbaugenossenschaft Pro Familia diverse preisgünstige Wohnungen.»

Dorfcharakter soll bestehen bleiben

In Weggis sind mittlerweile 65 Nationalitäten präsent. Der Gemeindepräsident betont aber: «Trotz Veränderungen wollen wir den Dorfcharakter beibehalten.» So habe die Seegemeinde über 90 eingetragene Vereine und das Kleingewerbe soll weiter gepflegt werden. Im Dorf gebe es noch drei Bäckereien. Die Einkaufsmöglichkeiten seien generell gut.

Auch in Weggis steht die Zonenplanrevision an. In dem Zusammenhang sei diejenige aus dem Jahr 1995 für die Gemeinde wegweisend, so Dähler. Damals sei eine Kur- und Hotelzone mit einer 25-Prozent-Klausel initiiert worden. Das heisst: Bei einer Fläche von 10000 Quadratmetern sind 7500 Quadratmeter für Hotels, der Rest für Wohnungen erlaubt. Die Gemeinde Weggis hat 2018 mit einem Gewinn von knapp 6,6 Millionen Franken abgeschlossen. Mit der vorhandenen Liquidität wurden Netto-Investitionen von knapp drei Millionen – dazu gehörte auch das nun abgeschlossene Schutzprojekt Laugneri II – beglichen. Zudem vermochte Weggis langfristige Darlehen von zwei Millionen zurückzuzahlen. «Das ist unsere finanzpolitische Strategie», betont Dähler.

Weggis muss über 70 Kilometer Gemeindestrassen – das heisst auch bis auf Rigi-Kaltbad – unterhalten. Und als Zentrumskommune ist man eng mit den Nachbarn Vitznau und Greppen verbunden. So besteht im Finanz-, Steuer-, Sozialwesen, mit dem Oberstufenzentrum bei der Bildung und bei der Feuerwehr der Seegemeinden eine Zusammenarbeit. Wir wollen unser Niveau halten», betont Geschäftsführer und Gemeindeschreiber Godi Marbach. «Wir werfen das Geld aber nicht aus dem Fenster.» Und so darf man künftig gespannt sein, wie Weggis den Spagat zwischen Tourismus, Investitionen und intaktem Dorfleben meistert.

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