WEGGIS: Wiener Sängerknaben üben drei Wochen lang in Weggis

Gerade erst eröffnet, hat das Hotel Hertenstein bereits hohen Besuch. Die Wiener Sängerknaben sind hier in ihrem Feriencamp.

Guy Studer
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Die Wiener Sängerknaben bei einer Probe am See vor dem Hotel Hertenstein. Am Klavier ist Gerald Wirth, der künstlerische Leiter. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Wiener Sängerknaben bei einer Probe am See vor dem Hotel Hertenstein. Am Klavier ist Gerald Wirth, der künstlerische Leiter. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Duaah, duaah, duaah», singt Maxim Maltsew. «Du musst die Bauchmuskeln benutzen, um dein Zwerchfell zu stützen», sagt Gerald Wirth, künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben. Er unterrichtet den Zwölfjährigen aus Moskau gerade in Stimmbildung. Bildreich erklärt der geduldige Lehrer, wie ein Ton erzeugt werden muss: «Wenn du die Kupplung beim Auto loslässt, aber zu wenig Gas gibst, stirbt der Motor ab.»

Vom Singunterricht aufs Pedalo

Der Einzelunterricht findet in einem der Seminarräume des neuen Hotels Hertenstein in Weggis statt. Durch die Fensterfront glitzert der See, auf dem sich Maxims Kollegen auf dem Bananenboot- und beim Pedalofahren vergnügen. Zwei der vier Chöre der weltberühmten Wiener Sängerknaben sind für zwei Wochen hier im Sommerlager. 50 Buben aus aller Welt, zwischen 10 und 14 Jahre alt. Vier Chöre? Richtig – die Wiener Sängerknaben gibt es gleich vierfach. Das generiert mehr Einnahmen. Schliesslich wollen Flüge, Hotelübernachtungen und der ganzjährige Betrieb von Schule und Internat finanziert sein. «Rund 60 Prozent unseres Budgets verdienen wir mit Konzerten», erklärt Wirth. Praktisch den ganzen Rest übernehmen Sponsoren und Mäzene. Der Elternbeitrag beträgt lediglich 90 Euro pro Monat.

Nebst Stimmbildung, Einzelunterricht und Chorproben – täglich bis zu sechs Stunden – steht den Buben in Hertenstein ein grosses Freizeit- und Sportprogramm offen. An den Wochenenden stehen zudem Ausflüge, etwa auf den Pilatus oder nach Luzern, auf dem Programm. «Die Angestellten im Hotel sind sehr hilfsbereit», freut sich Wirth. Keine Selbstverständlichkeit bei diesem Gewusel. Die Buben rennen die Gänge im Hotel auf und ab und machen die Bootsstege unsicher. «Kinder machen nun einmal Lärm», sagt Wirth. Auch die Sängerknaben müssten sich nicht immer perfekt benehmen. Ausserdem: «Kinder, die lebhaft und interessiert sind, sind auch gute Sänger.»

Hotelbesitzer ist Mäzen

Ein Zufall ist es nicht, dass die Sängerknaben in Hertenstein logieren. Der österreichische Hotelbesitzer Peter Pühringer ist einer ihrer Mäzene. Er hat bereits einen Saal in Wien bauen lassen, nun hat er die Sängerknaben auf eigene Kosten an den Vierwaldstättersee eingeladen. Den jungen Gästen gefällt es: «Man kann hier viel unternehmen», freut sich Christoph Stocker (12), der mit seinen Kollegen in Badehosen am Steg steht. «Die Zimmer sind schön», so das Urteil von Jeremias Weninger (11), «doch das Essen würde ich verbessern». Das sei Geschmackssache, meint wiederum Bastian Litschka (12), «Jeremias hat eben lieber Wiener Schnitzel als Risotto».

Nach den zwei Wochen in Hertenstein gehts für Konzerte nach Kanada, danach nach Japan. Bis Weihnachten werden die Buben unterwegs sein. «Manchmal vermisst man die Eltern schon ein wenig», gesteht Weninger, «doch das vergisst man auch schnell wieder, weil immer etwas los ist.»

Hoteldirektor Lars Güggi freut sich über die jungen Gäste. Die Sängerknaben seien sozusagen ein Testlauf für den Hotelbetrieb. «Wir haben ihnen Fragebögen verteilt, auf denen sie Anregungen anbringen können.» Kinder seien zwar nicht Seminargäste, aber nicht weniger hilfreich. «Die Feedbacks kommen sehr direkt.» Güggi hofft denn auch, dass das Sommerlager der Wiener Sängerknaben in Hertenstein zur Tradition wird.