WEGNETZ: Unterwegs mit Wanderweg-Markierern

2750 Kilometer Wanderwege gibt es im Kanton Luzern. Für deren Unterhalt sorgen zahlreiche ehrenamtliche Helfer.

Ernesto Piazza
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Alois Hübscher aus Hitzkirch (Bild) hat derzeit besonders viel zu tun: Schongau erhält neue Wanderwegtafeln. Der 70-Jährige ist zusammen mit 32 Bezirksleitern für die Markierung der 2750 Kilometer umfassenden Luzerner Wanderwege zuständig. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Alois Hübscher aus Hitzkirch (Bild) hat derzeit besonders viel zu tun: Schongau erhält neue Wanderwegtafeln. Der 70-Jährige ist zusammen mit 32 Bezirksleitern für die Markierung der 2750 Kilometer umfassenden Luzerner Wanderwege zuständig. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Jeder Handgriff sitzt. Noch ein wenig morsche Rinde wegkratzen und bereits ist ein weiterer Baum mit dem unverwechselbaren gelben Wanderweg-Rhombus markiert. «Wenn wir an einer Weggabelung wie hier in Rüedike am Rande des Dorfes Schongau stehen», sagt Alois Hübscher, «braucht es nach der Abzweigung möglichst früh diese Bestätigung.» Der 70-jährige Hitzkircher ist einer von 33 Bezirksleitern und in dieser Funktion für das Gebiet Lindenberg zuständig. Während den Wegweisern eine 30-jährige Lebensdauer bescheinigt wird, unterliegen die Markierungen der jährlichen Kontrolle.

Neue Markierungen für Schongau

2750 Kilometer an Wanderwegen gibt es im ganzen Kanton. «Das ergibt eine Strecke von Luzern nach Moskau», sagt Elias Vogler, Technischer Sachbearbeiter beim Verein Luzerner Wanderwege. Der 27-jährige Umweltingenieur und Landschaftsgärtner lässt es sich bei Postkartenwetter nicht nehmen, an diesem Morgen von Schongau nach Altwis auch mitzuwandern. Aufgeteilt auf die 33 Bezirke des Kantons kontrollieren die Leiter rund 80 Kilometer, was wiederum rund 60 Stunden Arbeitszeit entspricht. «Diesmal aber», sagt Hübscher, «dürfte es das Doppelte sein.» Der Grund: Schongau erhält neue Markierungen.

Dann, nach einigen hundert Metern auf einer Höhe von rund 660 Metern über Meer, geht es plötzlich steil bergab. Immer wieder gehen die aufmerksamen Blicke des ehemaligen Realschullehrers hin zu den Wegweisern und zu den Rhomben. Hammer, Zange, Nägel, Schlüssel oder Farbe: Das gesamte für seine Arbeit notwendige Material hat Alois Hübscher in seinem Rucksack mit dabei. Bereits zwei Jahre vor seiner Pensionierung habe er als Bezirksleiter angefangen. Er habe sich vorsorglich gemeldet für den Fall der Fälle, dass einer dieser Posten frei werde, sagt er. «Die Rekrutierung passiert sehr oft auf diesem Weg», so Elias Vogler. Alois Hübscher jedenfalls liebt seine Arbeit. Eine ehrenamtliche Arbeit, für die er Spesen und ein kleines Entgelt bekommt.

Finanziell muss sich der Verein Luzerner Wanderwege immer wieder nach der Decke strecken. Einen grossen Anteil des jährlichen Etats steuern die 2500 Mitglieder bei. Daneben bezahlen die Gemeinden 45 Rappen pro Einwohner, und der Kanton lässt sich den Leistungsauftrag 100 000 Franken jährlich kosten. «Das sind 30 000 Franken weniger als noch vor den Sparübungen», so Vogler.

Mittlerweile sind wir am Rande einer riesigen Wiese angelangt. Vor einigen Wochen habe dort noch hohes Gras gewuchert, erinnert sich Alois Hübscher. Bereits hört man einen kleinen Bach dahinplätschern. Wenig später sind wir unten: beim Gitzitobel und beim Gewässer. Rund 1,7 Millionen Wandertage pro Jahr absolvieren alle Wanderer zusammengerechnet im Kanton Luzern. Schweizweit sind es ungefähr 41,5 Millionen Tage.

Wanderrouten auf GPS

In einfachem Gelände geht es auf einem ganz normalen Wanderweg Richtung Altwis. Das Schweizer Wanderwegnetz unterscheidet noch drei weitere Kategorien, und zwar Bergwanderwege, Alpinwanderwege und Winterwanderwege. Die Normkosten für den betrieblichen Unterhalt pro Kilometer Wanderweg betragen etwa 500 Franken pro Jahr. Neben der herkömmlichen zeitresistenten Wanderkarte erfreut sich die App für Wanderer mittlerweile einer grossen Beliebtheit. «Und Wanderrouten auf GPS sind ebenfalls keine Seltenheit mehr», bemerkt Elias Vogler. Trotz gemütlichem Schwatz: Die Blicke von Alois Hübscher schweifen immer wieder zu den Markierungen am Wegrand. «Diese sind im Gegensatz zu denjenigen unter Lindenbäumen einfacher zu reinigen», sagt er. Dort bildet sich durch das Herunterfallen von Blütenpollen und Blättern nämlich oft eine klebrige Schicht.

Normalerweise dauert die Saison für den Bezirksleiter von April bis Oktober. In diesem Jahr konnte er aufgrund des schlechten Wetters allerdings erst Anfang Mai beginnen. Trotzdem befindet sich der Bezirksleiter des Gebietes Lindenberg auf Kurs. «Das ist wichtig», sagt Elias Vogler. Weil Wandern die meistverbreitete Sportart sei und von jedermann betrieben werden könne.

Diesmal waren es allerdings «nur» 75 Minuten wandern. Denn mittlerweile ist die Talsohle und somit Altwis als Ziel dieses kurzen morgendlichen Trips erreicht.

Zahlen und Fakten auf einen Blick

Hier finden Sie Wissenswertes über die Luzerner Wanderwege:

  • Der Kanton verfügt über ein Wanderwegnetz von 2750 Kilometern.
  • 33 Bezirksleiter sorgen für Unterhalt und Erneuerung.
  • Der jährliche Beitrag des Kantons beträgt 100 000 Franken.
  • Die Gemeinden bezahlen pro Jahr 45 Rappen pro Einwohner.
  • Für den betrieblichen Unterhalt pro Jahr/Kilometer Wanderweg sind die Normkosten etwa 500 Franken.
  • Auf rund 1,7 Millionen Wandertage pro Jahr kommen die Luzerner Wanderer.
  • Der Verein Luzerner Wanderwege zählt rund 2500 Mitglieder.