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Wehendes Klopapier auf der Luzerner Reussbrücke – Anna von Siebenthals Bachelorarbeit fasziniert

Anna von Siebenthal installierte 21 verschiedene WC-Papierrollen auf der Luzerner Reussbrücke. Sie erklärt, wie es zu ihrer Bachelorarbeit kam und was es mit dem Toilettenpapier auf sich hat.

Salome Erni
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Auf der Reussbrücke herrscht am Donnerstagnachmittag ein emsiges Treiben. Anstatt die Brücke nur zu passieren, halten die Spazierenden aber an und blicken etwas verwundert, oft aber amüsiert, wehendes WC-Papier an. Hier im Video zu sehen:

Wer für diese Kunstaktion verantwortlich ist, stellte sich nach kurzem Suchen heraus. Die Bachelorstudentin Anna von Siebenthal installierte hier bereits am Morgen in der Frühe 21 verschiedene Klopapierrollen an glänzenden Haltern. Das Wetter sei perfekt für ihre Abschlussarbeit des Bachelorstudiums Kunst und Vermittlung, meint sie. «Wehend wirken die Papiere einfach besser.»

Anna von Siebenthal steht vor ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Kunst und Vermittlung der HSLU.

Anna von Siebenthal steht vor ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Kunst und Vermittlung der HSLU.

Bild: Salome Erni (Luzern, 18. Juni 2020)

Das Interesse für scheinbar banales Toilettenpapier habe sie schon länger verfolgt, meint die Studentin. Seit eineinhalb Jahren sammelt sie verschiedene WC-Papiere und legt je drei Blätter in einem Ordner ab. Laut Siebenthal bringt das WC-Papier die Überflussgesellschaft auf den Punkt. In Print, Farbe, Duft und Stärke würden sich die Papiere unterscheiden, doch niemand schenkte den aufwendigen Überlegungen bis anhin Aufmerksamkeit.

Dass sie mit diesem Material auch ihre Bachelorarbeit anfertigen wird, war lange nicht geplant. Nachdem die Coronazeit mit ihren Hamsterkäufen dem Toilettenpapier eine unerwartete Bedeutung verlieh, nahm sich Siebenthal dem Material an. Ihre humoristisch-ironische Installation soll leicht zugänglich sein und Menschen bewegen.

Lachendes «Wo ist die Toilette dazu?», neugieriges «Wer hat hier das WC-Papier angebracht?», aber auch ärgerliches «Das ist jetzt aber gar nicht schön mit diesem Papier» ist von Passanten zu hören. Siebenthal ist erfreut, dass durch ihre Ausstellung im öffentlichen Raum spannende Gespräche und interessante Begegnungen ausgelöst wurden.

Die gesponserten Toilettenpapiere sind alle unterschiedlich.

Die gesponserten Toilettenpapiere sind alle unterschiedlich.

Bild: Salome Erni (Luzern, 18. Juni 2020)

Für das bereitgestellte WC-Papier wie auch die Papier-Halter hat Siebenthal Herstellerfirmen angefragt und wurde so gesponsert. Der eine oder andere habe das Kunstprojekt bereits genutzt und ein Blatt mitgenommen, um sich im Vorbeigehen die Nase zu putzen, meint sie verschmitzt.

Wer die Chance zur Besichtigung noch nutzen möchte, hat am nächsten Mittwoch, dem 24. Juni, von 8 Uhr bis 19 Uhr nochmals Gelegenheit dazu. Dann wird Siebenthal wieder mit ihrer Installation vor Ort sein.

HINWEIS:
Mehr Informationen zur diesjährigen Ausstellung der Abschlussarbeiten finden Sie hier.

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