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Grossbaustelle Bahnhof Luzern: Millimeterarbeit für sichere Züge

Zwei Tage lang war der Zugsverkehr im Luzerner Bahnhof praktisch lahmgelegt. Ab Montagmorgen werden die Züge über nagelneue Weichen fahren. Beim Einbau hat man auch Lehren aus der Entgleisung von 2017 gezogen
Larissa Haas
Ein Kran platziert eine Weiche im Bahnhof Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
SBB-Mitarbeiter beim Ersetzen von Weichen. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Millimeterarbeit ist gefragt. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Baustellenbegehung im Bahnhof Luzern am 18. November 2018 . SBB Mitarbeiter beim ersetzen von Weichen.
(Freie Fotografin/Eveline Beerkircher)




Auch tonnenweise Schotter wird im Bahnhof Luzern eingesetzt. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Mit schweren Maschinen werden die neuen Weichen bei der Bahnhofseinfahrt angepasst. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Gleichzeitig nutzen die Reinigungsleute die leere Bahnhofshalle für einen Grossputz (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Alles in allem dauert die Bauzeit am Bahnhof Luzern rund 6 Monate und kosten etwa 5 Millionen Franken. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Die Weichen haben eine Lebenszeit von 20 bis 30 Jahren. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 18. November 2018))
Die Bahnersatz-Busse fahren vom Inseli weg. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. November 2018))
Diese Maschine lädt Schotter auf und ab. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. November 2018))
Der Bahnhof Luzern ist gesperrt. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. November 2018))
Die SBB verteilen Gratis-Marroni an die Pendler. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. November 2018))
Touristen fragen eine Mitarbeiterin der SBB im Bahnhof Luzern nach dem Weg. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. November 2018))
Die Vorbereitungsarbeiten laufen, um diese Weiche zu ersetzen. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. November 2018))
15 Bilder

Bauarbeiten an sieben Weichen im Bahnhof Luzern

Sonntagmorgen, kurz vor halb neun. Für einmal gibt es am Bahnhof Luzern deutlich mehr SBB-Personal als Passanten und Passagiere. «Streckenunterbruch» heisst es auf den Abfahrtsdisplays vor den Gleisen. Die Perrons sind mit rotem Absperrband gekennzeichnet. Daniel Fuhrer, Projektleiter der SBB-Grossbaustelle, führt die Journalisten zur Weiche Nummer 34, eine «Doppelweiche», wie sie im Fachjargon heisst. Sie hängt gerade an einem tonnenschweren Kran und lässt sich langsam hinunter gleiten. Rund einen Meter ab Boden bleibt sie abrupt stehen. Etwa ein Dutzend Männer in oranger Vollmontur und Helm scharen sich vor uns um diesen mehrfach verzweigten Stahlabschnitt.

Der Koloss braucht viel Feingefühl

Während sie versuchen, das wuchtige «Stück Gleis» in die richtige Position zu richten, erklärt Fuhrer, was sich vor unseren Augen gerade abspielt: In der Einfahrt zum Bahnhof Luzern wurden an diesem Wochenende insgesamt sieben Weichen ausgewechselt. Die Nummer 34 wenige Meter vor uns ist eine davon. Bei ihr handelt es sich allerdings um eine Weiche einer ganz besonderen Art: Sie ist Teil eines sogenannten «Weichennests», das die einfahrenden Gleise in sechs verschiedene Strecken auffächert. Wir beobachten die Bauarbeiter bei der Ausführung einer millimetergenauen Arbeit, bei der die wuchtige «Nummer 34» an der richtigen Stelle passgenau eingesetzt wird. «Diese Weiche einzufädeln erfordert extrem viel Feingefühl», kommentiert Daniel Fuhrer.

«Die Weichen dürfen auf keinen Fall länger als 20 bis 25 Meter sein, sonst würden sie sich verbiegen.»

Daniel Fuhrer, SBB-Projektleiter

«Das, was wir hier sehen, ist die Krönung dieses Grossprojekts», sagt David von Orelli, Projektleiter Engineering von der Infrastruktur SBB. Die Bauarbeiten, die in den vergangenen 60 Stunden getätigt wurden, seien zwar die «Hauptarbeiten» des Grossprojekts «Weichenersatz am Bahnhof Luzern», ihnen gehe aber eine lange Planungsphase voraus. Und auch wenn am Montagmorgen wieder die ersten Züge fahren, so ist das Projekt noch längst nicht abgeschlossen. Einige Abschlussarbeiten ziehen sich noch bis im Januar 2019 hin. Alles in allem dürfte die Bauzeit am Bahnhof Luzern rund 6 Monate dauern und etwa 5 Millionen Franken kosten.

Jetzt ist wieder für 20 bis 30 Jahre Ruhe

Dass praktisch der ganze Bahnhof Luzern für zwei Tage stillgelegt werden musste, war auch für die SBB-Mitarbeiter aussergewöhnlich. Eine solche Totalsperre sei höchstens alle 20 oder 30 Jahre nötig, sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Denn ungefähr so lange beträgt die Lebensdauer einer Weiche in der Bahnhofseinfahrt – eine erstaunlich lange Zeit, wenn man bedenkt, dass die Weichen täglich von hunderten Zügen befahren werden.

Allerdings lassen sich die jetzt notwendigen Arbeiten nicht allein auf die abgelaufene «Lebenszeit» der Weichen zurückführen: Auf einer der ausgewechselten Weichen entgleiste im März 2017 ein Eurocity-Zug von Trenitalia. Acht Monate nach dem Vorfall in Luzern entgleiste in Basel ein ICE der Deutschen Bahn.

Geometrie der Bahnhofs­einfahrt wird geändert

Obwohl die Frage nach der Ursache in beiden Fällen noch nicht geklärt ist, konnte die SBB bereits Hypothesen ausarbeiten und Massnahmen definieren. Eine davon liegt im Weichentyp, der für das Schweizer Bahnnetz sehr selten ist, der aber sowohl in Basel wie in Luzern involviert war. Diese Weichen wurden nun ersetzt und geometrisch angepasst. Dies wiederum habe Auswirkungen auf die daneben liegenden Fahrspuren: «Bei der Anpassung der Geometrie wird der Radius der Weichen verändert. Dies erfordert eine Neuausrichtung der umliegenden Fahrleitungen», sagt von Orelli. Es handle sich hierbei um eine «Millimeterarbeit». Sie dürfte sich in den nächsten Jahren allerdings auszahlen: Laut Angaben der SBB sollen die neuen Spezialweichen die Sicherheit zusätzlich erhöhen.

Rund fünfzehn Minuten, nachdem wir uns auf die Gleise begeben haben, schwebt das Weichenstück Nummer 34 immer noch in der Luft. Fuhrer erklärt: «Die eingebauten Weichenabschnitte sind rund 20 bis 25 Meter lang. Sie dürften auf keinen Fall länger sein, sonst würden sie sich verbiegen.» Vor unseren Augen schweben also wenige Meter von insgesamt 1,2 Kilometer langen Gleisabschnitten, die in diesem Grossprojekt verlegt werden. Damit am Montagmorgen um 04:22 Uhr der erste Zug fahrplanmässig den Bahnhof Richtung Olten verlassen kann, wird bei den SBB noch eine Nachtschicht eingelegt. So müssen die ersetzten Weichen kontrolliert und protokolliert, die Züge wieder an ihre gewohnte Position manövriert und Testfahrten durchgeführt werden. «Wir haben über zwei Tage ein komplexes Uhrwerk stillgelegt», sagt Fuhrer, «dieses bringen wir bis am Montag wieder zum Laufen.»

Bahnersatz: SBB ziehen ein positives Fazit

Zwei Tage lang war Luzern verkehrstechnisch im Ausnahmezustand. Einzig die Züge der Zentralbahn fuhren weiterhin direkt in die Stadt. Alle anderen Verbindungen endeten an den Bahnhöfen Ebikon, Emmenbrücke, Littau und Verkehrshaus. Von dort aus pendelten Ersatzbusse ins Stadtzentrum und zurück. Der Bahnersatz habe reibungslos funktioniert, erklärt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Die grösste logistische Herausforderung stand dabei am Sonntagabend an. Tausende Fussballfans reisten nach Luzern zum Spiel Schweiz-Belgien in der Swissporarena. Auch sie mussten an den Endbahnhöfen aussteigen, um per Bus in die Stadt zu gelangen. Pallecchi bestätigte ein «erhöhtes Fahrgastaufkommen», das aber mit den bereit gestellten Kapazitäten bewältigt werden konnte. Da die Zentralbahn von der Bahnhofsperrung nicht betroffen war, nutzten viele Matchbesucher die S-Bahn, um vom Stadtzentrum zur Allmend zu gelangen.

Auch die Bauarbeiten selber seien gut voran gekommen, so Pallechi. Er zeigte sich am Sonntag spätabends zuversichtlich, dass der Bahnverkehr am Montagmorgen wieder uneingeschränkt aufgenommen werden kann. Er empfiehlt aber sicherheitshalber, auch am Montag den aktuellen Fahrplan zu konsultieren. (rk)

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