WEIHNACHTEN: Dicht und einheimisch soll der Christbaum sein

Ob Nordmann- oder Rottanne: Kunden bevorzugen einen Christbaum aus der Region. Damit wollen nicht nur lokale Verkäufer punkten, sondern auch Grossverteiler.

Niels Jost
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Seit 30 Jahren verkauft Franco Bäriswil Weihnachtsbäume. Bild: Corinne Glanzmann (Adligenswil, 9. Dezember 2016)

Seit 30 Jahren verkauft Franco Bäriswil Weihnachtsbäume. Bild: Corinne Glanzmann (Adligenswil, 9. Dezember 2016)

Weihnachten ist die Zeit der Düfte. Zimtsterne, Glühwein und Mandarinli lassen unsere Sinne tanzen. Einen frischen Duft verströmen auch die saftig grünen Tannen auf dem Areal von Franco Bäriswil. Neu gefällt stehen rund 70 Weihnachtsbäume zwischen Adligenswil und Udligenswil zum Verkauf. Jede Tanne ist schön säuberlich aufgestellt und nicht etwa in eine Ecke gestellt oder auf einen Stapel geworfen. «Die Präsentation der Bäume ist sehr wichtig. Die Leute sollen jede Tanne in ihrer vollen Pracht sehen können», sagt der 64-jährige Bäriswil, der neben seinem Gartenbau-Betrieb seit 30 Jahren Weihnachtsbäume verkauft.

Nordmanntannen sind wegen ihrer Robustheit und des dichten Erscheinungsbilds mit Abstand die beliebtesten Weihnachtsbäume: Rund 90 Prozent aller verkauften Bäume machen sie aus, gefolgt von Rottannen, Weisstannen und Blautannen. Rund 1000 Bäume verkauft Bäriswil jährlich. «Den Leuten ist die Qualität der Tanne am wichtigsten: dichte und kräftige Äste mit dicken Nadeln.» Kriterien, die seine Tannen erfüllen, wie der Besuch vor Ort zeigt. Stolz erklärt er: «Das Wetter war für die Tannen dieses Jahr gut. Im Mai und Juni hat es viel geregnet, die Bäume konnten viel Wasser aufnehmen.» Bäriswil ergänzt: «Die meisten Kunden wollen einen kleinen Baum, zirka 1,5 bis 1,8 Meter hoch. Dieser passt dann auch in die Stube.»

13000 Bäume in einer Kultur

Die Bäume von Franco Bäriswil stammen allesamt aus den hauseigenen Christbaumkulturen aus Udligenswil, Adligenswil und Meggen. Rund 13000 Bäume stehen dort; jährlich pflanzt Bäriswil je nach Verkaufszahlen und Schäden durch Witterung und Schädlinge im März zwischen 800 und 1500 neue Setzlinge. Eine Investition für die Zukunft: «Eine 1,5 Meter hohe Tanne ist beim Verkauf etwa sechs bis sieben Jahre alt», erklärt Bäriswil.

Seine Christbaumkulturen zählen in der Schweiz zu den kleineren. Es gebe auch mehr als zehnmal so grosse. Wie viele Weihnachtsbäume in der Zentralschweiz wachsen, ist unbekannt. Klar ist hingegen, dass in unserer Region 42 Baumkultur-Betriebe bei der IG Suisse Christbaum registriert sind, rund 30 weitere dürfte es gemäss der IG zusätzlich geben. Schweizweit sind es rund 500 Betriebe.

Obwohl das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen für die Verkäufer nur ein Nebenerwerb ist, ist ihr regionales Produkt durchaus gefragt. Denn Herr und Frau Schweizer achten immer häufiger auf die Herkunft ihres Baumes, auch wenn sie dafür bis zu doppelt so viel zahlen müssen. Gemäss IG Suisse Christbaum stammen 40 bis 45 Prozent der rund 1,2 Millionen verkauften Christbäume aus der Schweiz. Das haben auch die Grossverteiler erkannt. Bei Coop kommen 77 Prozent der landesweit rund 80000 Weihnachtsbäume aus der Schweiz. Davon stammen gut 7600 aus der Zentralschweiz, unter anderem von Franco Bäriswil. Er kann jedes Jahr 500 bis 600 Tannen an Coop verkaufen – gut die Hälfte seiner total verkauften Bäume.

Lokale Bäume halten länger

Bei den Supermärkten der Migros Luzern stammen alle Tannen aus der Zentralschweiz, bei den Do-it-Garden-Filialen sind es 90 Prozent. Total werden in den Zentralschweizer Migros-Läden rund 9000 Christbäume verkauft. «Viele Kunden legen grossen Wert auf Regionalität. Aufgrund der kurzen Transportwege werden die Bäume erst kurz vor dem Verkauf gefällt und bleiben so länger schön und frisch», sagt Antonia Reinhard, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Luzern. Das bestätigt Franco Bäriswil: Die hier gepflanzten Tannen hielten länger als jene, die aus Deutschland oder Dänemark importiert werden. Denn dort würden sie bereits Anfang oder Mitte November gefällt, wodurch sie schneller austrockneten.

Bäriswil fällt seine Tannen seit Anfang Dezember wöchentlich. Auch noch in der Woche vor Weihnachten, wenn die meisten Kunden kommen. Dafür hat er drei Mitarbeiter temporär eingestellt. Sie unterstützen ihn auch beim Verkauf. Die persönliche Beratung werde von den Kunden sehr geschätzt, trotz der stressigen Weihnachtszeit. Als gelernter Gartenbauer und Baumschulist weiss Bäriswil genau, wie der Weihnachtsbaum gepflegt werden muss (siehe Kasten unten links).

Künftig muss wohl auch Franco Bäriswil für die Tanne bezahlen. Denn bald ist er pensioniert – einen Nachfolger für sein Geschäft hat er nicht. Weil er die Weihnachtsbäume in all den Jahren aber mit viel Herzblut und nicht wegen des Gewinns verkauft hat, wird er vielleicht auch weiterhin noch im Weihnachtsbaum-Geschäft bleiben. Dann könnte auf dem Areal zwischen Adligenswil und Udligenswil auch weiterhin der Duft von Tannennadeln zu riechen sein.

So halten Sie den Baum frisch

TippsUmgeknickte Äste am Christbaum oder trockene Tannennadeln: Mit einfachen Tricks können Sie das verhindern:

  • Lagern Sie Ihren Baum bis zum Gebrauch an einem kühlen, feuchten Ort und stellen Sie ihn in einen Kübel Wasser.
  • Spitzen Sie den Baumstrunk nicht an, und entfernen Sie die Rinde nicht. Somit kann der Baum mehr Wasser aufnehmen.
  • Lassen Sie den Christbaum bis zum Aufstellen im Netz. Öffnen Sie das Netz von unten nach oben, die Äste gehen dann wieder in ihre ursprüngliche Stellung zurück.
  • Stellen Sie den Baum nicht vor eine Heizung.
  • Sparen Sie nicht bei der Halterung für den Weihnachtsbaum, die Tanne könnte kippen. Es empfehlt sich eine Halterung, die mit Wasser gefüllt werden kann.
  • Lassen Sie die Kerzen auf dem Baum nie aus den Augen, und halten Sie einen Kübel Wasser oder Feuerlöscher bereit.
  • Bei guter Pflege mit genug Wasser sollte eine Schweizer Tanne bis zum Dreikönigstag halten.
  • Die Christbäume werden mit der normalen Grünabfuhr eingesammelt. (jon)

Gefährliche Weihnachtszeit

UnfälleWer kennt es nicht: Für besinnliche Weihnachten sollen doch echte Kerzen den Christbaum schmücken – mit echten Flammen. Brennt der Docht ganz herunter, dann knistern die trockenen Tannennadeln. Eigentlich ganz schön, solange nicht der ganze Baum Feuer fängt.

Wie die Suva nun mitteilt, sind brennende Kerzen aber nicht die einzige Gefahr in den kommenden Wochen: «In der Weihnachtszeit nehmen die Schnittverletzungen durch Messer um 40 Prozent zu», schreibt die Unfallversicherungsgesellschaft mit Sitz in Luzern. «Die Unfallursachen sind vielfältig. Nicht selten spielen ein Tannenbaum oder ein Festbraten dabei eine Rolle.»

So schneiden sich gemäss Suva allein im Dezember rund 1000 Personen etwa beim Zuschneiden des Tannenbaums oder beim Anschneiden einer Kerze in den Finger. Unter dem Jahr registriert die Suva nur 700 solcher Fälle pro Monat. In der Weihnachtszeit steigen diese Unfallzahlen also um über 40 Prozent.

Kuriose Unfälle an Heiligabend

Weiter sei in den Protokollen beispielsweise zu lesen, dass der Verunfallte sich beim Einpacken von Geschenken mit dem Jagdmesser in die Hand geschnitten oder beim Ausprobieren des neuen Messers einen Teil der Fingerkuppe abgeschnitten hat. Am häufigsten ereignen sich diese kuriosen Unfälle an Heiligabend und am Weihnachtstag.

Weniger erstaunlich ist, dass sich rund die Hälfte der Unfälle mit einem Messer in der Küche ereignen. Vor allem Männer verletzen sich laut der Suva an den Weihnachtstagen überdurchschnittlich oft. Während des Jahres sei die Unfallhäufigkeit bei Frauen und Männern ähnlich. Frauen verunfallen mehrheitlich bei Küchenarbeiten, Männer bei anderen Tätigkeiten in Haus und Garten.(jon)


Niels Jost
niels.jost@luzernerzeitung.ch