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WEIHNACHTSGESCHÄFT: Der letzte Ansturm vor der Stille

Im Monat Dezember entscheidet sich für den Detailhandel, ob ein Jahr gut oder schlecht abgeschlossen wird. Es ist die Zeit der Höchstleistungen und Rekordmengen.
Rekordansturm: Das Verkaufspersonal im Detailhandel hat heute nochmals alle Hände voll zu tun. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Rekordansturm: Das Verkaufspersonal im Detailhandel hat heute nochmals alle Hände voll zu tun. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Roman Schenkel

Am heutigen 24. Dezember herrscht in den Einkaufsstrassen noch einmal Ausnahmezustand. Noch einmal machen sich die Geschäfte auf einen Ansturm bereit. Noch einmal warten vor den Kassen und an den Einpack­tischen ungeduldige Konsumenten. Die Weihnachtszeit ist für die Detailhändler eine riesige Herausforderung. In der für sie wichtigsten Jahreszeit (vor dem Ostergeschäft) müssen sie Höchstleistungen erbringen. Denn in den Dezemberwochen entscheidet sich, ob das Jahr gut oder schlecht abgeschlossen wird. Jetzt muss alles sitzen: Die Weihnachtskugeln, die ferngesteuerten Autos, die Mailänderli – alles muss in der ­exakten Menge bestellt, am richtigen Ort platziert und schön präsentiert sein.

Verdoppelung des Umsatzes

Am grössten ist der Stress in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten. Dann stürzen sich sehr viele Leute in die Stadt auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. «Die letzten 10 Tage sind die wichtigsten», bestätigt Roman Horn, Mitglied der Geschäftsleitung vom Buchhaus Lüthy Balmer Stocker. Bücher gehen offenbar ganz vor Schluss besonders oft über den Ladentisch. Gesucht seien Kinder- und Jugendbücher, Romane, Kochbücher, Kunstbücher, Kalender und Geschenkgutscheine, so Horn. «Der umsatzstärkste Tag ist bei uns normalerweise der 23. Dezember», sagt er. Doch auch sonst ist der Dezember für den Buchhändler ein wichtiger Monat. «Der Umsatz im Dezember entspricht etwa dem doppelten Umsatz eines normalen Monats», sagt Horn.

Die Konstellation der Feiertage mit einem zusätzlichen Verkaufstag vor Weihnachten sei dieses Jahr sehr speziell und nicht mit den Vorjahren zu vergleichen, sagt Felix Thöny, Direktor bei Manor Luzern. Den letzten beiden Dezemberwochen komme daher eine besondere Bedeutung für das Jahresendgeschäft zu. «Das Weihnachtsgeschäft ist für Manor eine sehr wichtige Periode und macht bis zu 30 Prozent des Jahresumsatzes aus», sagt Thöny.

Im letzten Moment

Auch wenn sich viele Schweizer wie stets zu Weihnachten vornehmen, den Einkauf nicht auf die lange Bank zu schieben, setzten dieses Vorhaben auch heuer nicht alle in die Tat um. Auch 2015 zeigt sich, dass sich sehr viele Menschen kurz vor Weihnachten auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk in die Stadt stürzen. Die Hergiswiler Marktforscher von GfK haben mittels Umfrage ermittelt, dass 14 Tage vor Weihnachten über ein Drittel aller Haushalte noch keine Spielwarenkäufe getätigt haben (siehe Grafik). Das Gedränge in den Spielwarenabteilungen dürfte somit auch heute noch einmal garantiert sein. Bezü-glich Einkaufszeitpunkt spielt das Wetter eine nicht unwesentliche Rolle. Wenn es schneit und kalt ist, kaufen Leute ihre Geschenke oft schon einige Wochen vor Weihnachten. Ist es allerdings wie heuer warm, wird später gekauft, nämlich dann, wenn die Leute merken, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt.

Fleisch, Süsses, Spielwaren

In den Lagern und der Spedition der Grosshändler herrscht deshalb die letzten Tage vor Weihnachten Hochbetrieb. «Die Ware muss ja in grösseren Mengen in der Filiale sein», erklärt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Kurz vor Weihnachten gewinnt bei der Migros vor allem der Lebensmittelbereich stark an Bedeutung. «Aus Erfahrung läuft alles gut, was es für eine festliche Tafel benötigt», sagt Weibel. Dazu zählt vor allem Fleisch vom Rollschinkli über Braten und Fleischedelstücke bis hin zum Fondue chinoise. Aber auch Lachs sei sehr gefragt, ebenso Raclette und Fondue. «Süsses wie Weihnachtsguetzli, bunte Schokoladenkugeln, Panetone, Torten sind ebenfalls sehr gefragt», zählt Weibel auf. Das ganze Dekorationssortiment steht natürlich ebenso im Mittelpunkt wie das Spielzeugsortiment. Bei den Spielwaren machen die Händler in der Zeit von Oktober bis Ende Dezember besonders viel Umsatz. 40 Prozent des Jahresumsatzes erzielen sie in dieser Zeitspanne.

Zusätzliches Personal nötig

Über alle Formate hinweg liege der Umsatz bei Coop im Monat Dezember im Schnitt 20 Prozent höher als in anderen Monaten, sagt Coop-Mediensprecher Ramón Gander. «Insgesamt macht das Weihnachtsgeschäft im Retail über 10 Prozent des Jahresumsatzes aus», sagt er. Zentral in dieser Zeit sind die Mitarbeitenden. Sie sind es, welche die Kunden beraten, sie an der Kasse bedienen, ihnen die Geschenke einpacken. Da ist jeweils die ganze Belegschaft gefordert. «Ferienstopps gehören bei Coop zum Weihnachtsgeschäft dazu», sagt Gander. Zudem gebe es Personal, das speziell fürs Weihnachtsgeschäft eingestellt werde. «Die Import Parfumerie beispielsweise stellt allein 80 Weihnachtsaushilfen ein, welche die Geschenke schön einpacken», erzählt ­Gander.

Gute Zeit für Studentenjobs

Auch beim Gros der Genossenschaften der Migros hat das Filialpersonal ab der letzten Novemberwoche Ferienstopp bis Ende Dezember. «Das gilt natürlich auch für die Mitarbeitenden in der Logistik», betont Weibel. Dadurch sei in der Vorweihnachtszeit der gesamte Personalstock verfügbar. «Wer im Detailhandel arbeitet, weiss, dass der Dezember wichtigster Monat ist», sagt die Migros-Sprecherin. Sie betont, dass die Angestellten aber auch in der Weihnachtszeit ihre Freitage hätten.

Bei Manor Luzern helfen aktuell rund 20 Studentinnen und Studenten, die Spitzen des Weihnachtsgeschäftes abzudecken. «Die Präsenz der Verkaufsmitarbeitenden für die Kunden ist im Weihnachtsgeschäft sehr wichtig», sagt Manor-Direktor Thöny. Höchstleistungen müssen auch die Mitarbeitenden der Schweizerischen Post erbringen. «Zwischen dem 1. und 24. Dezember verdoppelt sich jeweils die Paketmenge», sagt Postsprecherin Jacqueline Bühlmann. Unter dem Jahr bewältigt die Post durchschnittlich 500 000 Pakete, in der Weihnachtszeit steigt die Zahl auf 1 Million an. Im vergangenen Jahr hat der gelbe Riese im Dezember bis Weihnachten 18 Millionen Pakete zugestellt. «Die Maschinerie läuft derzeit auf Hochtouren», so Bühlmann. Deshalb sei jetzt die ganze Belegschaft gefordert. «Vor Weihnachten herrscht Ferienstopp, wir brauchen im Moment alle.» Wenn es nicht reiche, setze die Post zudem auf Temporärangestellte.

Weihnachten 2016 schon in Planung

Und wie bei vielem anderen gilt auch fürs Weihnachtsgeschäft: Planung ist alles. «Gerade im Non-Food-Bereich ist eine langfristige Planung notwendig», sagt Coop-Mediensprecher Ramón Gander. Für Weihnachten 2016 seien die ersten Planungsschritte bereits wieder in Angriff genommen worden. Neben Marktforschungen sei bei den Mengen vor allem die Erfahrung entscheidend. «Bei Weihnachten, wie bei vielen traditionellen Festtagen, helfen einem vor allem Erfahrungswerte, um gut gerüstet zu sein», sagt Gander, und er verspricht, dass Coop bis heute Abend die Schokolade und all die anderen feinen Leckereien ganz sicher nicht ausgehen werden.

Eine Grafik dazu, wann Schweizer ihre Geschenke für Weihnachten kaufen. (Bild: GfK/ Janina Noser)

Eine Grafik dazu, wann Schweizer ihre Geschenke für Weihnachten kaufen. (Bild: GfK/ Janina Noser)

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