Weil es den Pflanzen zu heiss wurde – der Luzerner Apothekergarten ist umgezogen

Seit Sonntag befindet sich der Heilpflanzengarten des Apothekervereins Luzern nicht mehr bei der Ufschötti, sondern im Klostergarten Wesemlin. Das hat ein Hundeverbot in der Anlage zur Folge.

Natalie Ehrenzweig
Drucken
Teilen

40 Jahre ist es her, seit der Apothekerverein Luzern der Stadt zu ihrem 800-Jahr-Jubiläum den Heilpflanzengarten auf dem Dach des Bootshauses der Ufschötti geschenkt hat. In all diesen Jahren hat der Apothekerverein – mit Unterstützung der Stadtgärtnerei – die Pflanzen gepflegt und Führungen angeboten. Nun wurde der Garten in den Kapuzinergarten beim Kloster Wesemlin gezügelt und am vergangenen Sonntag eingeweiht.

Besucher während der Einweihung des neuen Apothekergartens. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Juni 2019)

Besucher während der Einweihung des neuen Apothekergartens. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 16. Juni 2019)

«Apotheker lernen schon in der Ausbildung die verschiedenen Heilpflanzen kennen. Einige spezialisieren sich später darauf, selbst die Heilpflanzen zu verarbeiten», sagt Xaver Schorno, Vizepräsident des Vereins. Zweck des Gartens sei, der Bevölkerung zu ermöglichen, diese Pflanzen kennenzulernen. «Es sind zuwenig Pflanzen der einzelnen Arten, als dass wir sie in den Apotheken nutzen könnten.»

Kloster und Heilkräuter – «stimmige» Kombination

Auf dem Dach des Ufschötti-Bootshauses sei es oft zu heiss geworden und es hätte zu wenig Humus gehabt. «Deshalb war es toll, als eines unserer Mitglieder die Idee hatte, den Garten hier in den Klostergarten zu zügeln. Klöster haben ja eine sehr lange Tradition bezüglich Heilpflanzen», sagt Xaver Schorno. Konzeptionell sei es absolut stimmig, einen Heilpflanzengarten in einem Klostergarten anzusiedeln.

Klostergärtner Bruder Paul Mathis ist erfreut: «Der Klostergarten wurde ja geöffnet, um eine Oase für alle zu werden, um hier einen Bezug zur Schöpfung zu finden. Es freut mich, dass hier neben Familien und Flüchtlingen, die im Garten arbeiten, jetzt auch der Heilpflanzengarten hier ist. Es freut mich, dass sich so viele Menschen dafür interessieren.»

Standort ist erst provisorisch

Noch sind die rund 200 Pflanzen nicht an ihrem definitiven Standort. Dies wird der Fall sein, wenn der Wohnneubau im Klostergarten realisiert ist. Das Projekt ist aber derzeit vor Bundesgericht hängig (wir berichteten). Deshalb seien die Pflanzen zurzeit noch ohne grosse planerische Konzepte im Sinne von Pflanzeninhaltsstoffen oder therapeutischen Gesichtspunkten gepflanzt worden. Die grosse Herausforderung beim Umzug sei der Zeitpunkt gewesen: «Wenn die Pflanzen nicht genau angeschrieben sind und noch nicht blühen, wird die Identifikation schwierig», so Schorno.

Seit dem Anlegen des Gartens habe sich dessen Zusammensetzung nicht grundlegend geändert. «Wir haben vor allem Pflanzen, die in unserer Region wachsen und benützt werden», sagt Schorno. Diese dienten nicht nur als Heilmittel:

«Rosmarin benützt man zum Kochen und hilft zum Beispiel bei Verdauungsproblemen oder niederem Blutdruck.»

Es werde aber nicht immer der gleiche Teil der Pflanze benützt. «Beim Liebstöckel braucht man die Wurzel als diuretisches oder krampflösendes Heilmittel, in der Küche kommen seine Blätter zum Einsatz», so Schorno. Bis der Arzneipflanzengarten an seinen endgültigen Platz ziehen kann, lässt sich der Garten mit dazugehörigem Flyer, den beschrifteten Pflanzenschildern und einem Smartphone – mittels QR-Code gibt es Infos zu den Pflanzen – erkunden. Weiter bietet der Apothekerverein Führungen an.

Seit Sonntag gilt übrigens auch ein generelles Hundeverbot auf im Kapuzinergarten, wie der Quartierverein Wesemlin-Dreilinden auf seiner Homepage schreibt. Dies zum Schutz der Pflanzen. Viele würden entlang des Mauerweges wachsen, wo immer wieder Hunde ihr «Geschäft» verrichtet hätten.

Mehr Infos: www.apoluzern.ch

Im Wesemlin ist es vorbei mit der klösterlichen Ruhe

Jahrhundertelang lebten die Kapuziner im Wesemlin relativ zurückgezogen. Doch jetzt haben sie plötzlich weltliche Mitbewohner sowie Arztbesucher, die im Klostergebäude ein und aus gehen. Die Umstellung fällt den 15 Brüdern nicht leicht.
Hannes Bucher