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Weil's dem Nachbarn stinkt, muss eine Megger Bauernfamilie um ihre Zukunft bangen

Ein zugezogener Nachbar beschwert sich über den Gestank aus einem Schweinestall. Deshalb muss der alteingesessene Landwirt Kaspar Hofer den Stall neu bauen. Nur: Ihm fehlt das nötige Geld – darum bittet er nun online um Spenden.
Simon Mathis

Seit sieben Generationen und über 300 Jahren betreibt die Familie Hofer eine Schweinezucht in Meggen. Nun aber muss ihr Schweinestall geschlossen werden. Dies hat die Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi) im März dieses Jahres beschlossen. Der Grund: Der Stall befinde sich zu nahe an der Wohnzone. Ein neu zugezogener Nachbar hatte sich über den Gestank der Schweine beschwert und mit einer Klage die Behörden auf die Sache aufmerksam gemacht. Dies, obwohl der Nachbar bereits vor dem Einzug von der Nähe zum Bauernhof wusste.

Eine Luftaufnahme des Schweinestall von Kaspar Hofer mit dem vorgelagerten Freilauf für die Schweine mit den im Hintergrund angrenzenden Privat-Grundstücken. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 17. Juni 2019)

Eine Luftaufnahme des Schweinestall von Kaspar Hofer mit dem vorgelagerten Freilauf für die Schweine mit den im Hintergrund angrenzenden Privat-Grundstücken. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 17. Juni 2019)

Die Situation bringt Landwirt Kaspar Hofer in Geldnöte. Schliessen kann er den Stall nicht, denn die Hälfte seines Einkommens hängt von ihm ab. Also muss er einen neuen Stall bauen – mindestens 58 Meter von der Wohnzone entfernt, wie es das Gesetz vorschreibt. Das dafür geeignete Land hat er, aber das nötige Geld fehlt. Für den Neubau sammelt die Familie Hofer deshalb online Spenden. Über 1 Million Franken sollen so zusammenkommen.

Die Zeit wird knapp

Die Zeit drängt: Bis im Mai 2020 muss Hofer seinen Schweinestall schliessen. Wenn die Arbeiten für den Neubau bis dahin nicht begonnen haben, bedeutet dies das Ende des Hofes, sagt Kaspar Hofer auf Anfrage unserer Zeitung. Zurzeit betreibt er vier Ställe. Im Neubau soll die Nutzung all dieser Ställe vereint werden; er soll also Unterschlupf für 20 Schweine, 24 Kühe und Jungvieh bieten.

«Wir planen schon lange, eine grosse Schüür zu bauen», sagt Kaspar Hofer. «Wir wollten sie aber aus eigenen Ersparnissen finanzieren. Aber jetzt muss alles ganz schnell gehen, was diesen Plan über den Haufen wirft.» Deshalb die Spendenaktion, bei der den Hofers eine gute Freundin und Nachbarin hilft.

Ärger über das Gesetz

«Als die Geschichte vor drei Jahren mit der Beschwerde des Nachbarn begann, hatte ich grosse Wut und schlaflose Nächte», erzählt Hofer. Mittlerweile sei das nicht mehr der Fall. Nun ärgert sich Hofer vor allem über das Gesetz, das ihn zum Neubau zwingt. «Ich verstehe das Gesetz nicht», so Hofer.

«Das Gesetz ist ungerecht und unlogisch. Angeblich befindet sich der Stall zu nahe an der Wohnzone. Dabei ist die Wohnzone in unsere Nähe gekommen, nicht umgekehrt. Wir waren schon immer Bauern.»

Kaspar Hofer ist sichtlich berührt, wenn er von seinem Hof erzählt. «Schon mein Vater hatte finanzielle Probleme. Wir mussten immer kämpfen. Manchmal wurde es eng, bis jetzt haben wir uns aber immer irgendwie durchgeschlagen», erinnert sich Hofer. «Wir sind Bauern mit Leib und Seele. In unserem Hof tanken wir viel Kraft. Er ist unser ein und alles. Das zu verlieren, tut weh. Aber scheinbar sind die Gesetze stärker als wir.»

Die Familie Hofer habe ein Betriebskonzept erstellen lassen; dieses zeichne eine gute Zukunft für den Hof. Auch hat Hofer zwei Söhne, die den Betrieb gerne weiterführen würden: Balz (25) und Jakob (21). Für den Bau ein Darlehen aufzunehmen, sei aber äusserst schwierig, da es gut 50 Jahre dauere, bis Hofer es zurückzahlen könne. Trotzdem suche er weiterhin nach längerfristigen, privaten Darlehen.

Der Schweinestall von Kaspar Hofer (rechts) mit dem vorgelagerten Freilauf für die Schweine. Neben Hofer steht sein Sohn Balthasar, der in Zukunft den Hof führen will. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 17. Juni 2019)

Der Schweinestall von Kaspar Hofer (rechts) mit dem vorgelagerten Freilauf für die Schweine. Neben Hofer steht sein Sohn Balthasar, der in Zukunft den Hof führen will. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 17. Juni 2019)

Die Spendenaktion läuft seit Samstag. Elf Spender wurden bereits gefunden; sie steuern insgesamt 1700 Franken bei. «Es gibt also noch viel zu tun», sagt Hofer mit einem wackeren Lachen. Doch freue sich die ganze Familie über die Unterstützung, die sie bekomme: «Allen Leuten, die uns helfen, danken wir von ganzem Herzen!» Vor Gericht kann und will Hofer nicht gehen. «Wenn ich genug Geld für einen Prozess hätte, könnte ich gleich die Schüür bauen», meint er. Einzig, wenn er das Geld nicht rechtzeitig beisammen hat, will er rechtlich eine Verzögerung der Stallschliessung erwirken.

Kanton Luzern gibt sich bedeckt

Der Kanton Luzern bleibt auf Anfrage unserer Zeitung vage. Der Kanton beschäftige sich zurzeit mit mehreren laufenden Verfahren, die den Bauernhof in Meggen betreffen, schreibt Judith Setz, Kommunikationsbeauftragte des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartementes. In allen diesen Verfahren gehe es um Geruchsemissionen und einer möglichen Aussiedlung.

«Die Berechnung und Beurteilung von Mindestabständen bei Tierhaltungsanlagen ist komplex», schreibt Setz. Der Kanton stellt den Landwirten online eine Excel-Datei zur Errechnung des Mindestabstandes zur Verfügung. Über die konkreten Gründe für den Entscheid des Rawi im Fall Meggen gibt der Kanton keine Auskunft. Weshalb in der Nähe des Stalles überhaupt eine Wohnzone entstand, bleibt ebenfalls offen.

Die Fälle mehren sich

Das Problem der Geruchsemissionen ist im Kanton Luzern nicht neu. Ein Entlebucher Bauer etwa zog wegen des Gestanks seines Schweinestalls drei Mal vor Bundesgericht – bis dieses die Stilllegung des Stalls beschloss. «Das Siedlungsgebiet wird immer dichter, daher nimmt auch das Konfliktpotenzial zu», sagt Jakob Lütolf, Präsident des Bäuerinnen- und Bauernverbandes Luzern.

Lütolf verstehe beide Seiten: «Für die Anwohner ist übermässiger Gestank sicher nicht angenehm.» Aber für die Bauern sei die Situation eine grosse Herausforderung. Denn viele seien von der Tierhaltung abhängig. «Wenn man diesem Einkommenszweig einen Riegel vorschiebt, entstehen für den Landwirt wirtschaftliche Probleme.» Um Ammoniak- und Geruchsemissionen zu reduzieren, startet der Verband ein Ressourcenprojekt. Acht Jahre lang will man auf Betrieben unterschiedliche Vorgehensweisen erproben.

Hinweis: Online-Spendenaktion unter www.rette-hofers-hof.ch.

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