WEINE: Voraussetzungen für Topjahr

Der Optimismus bei den Weinbauern ist gross. Grund: Diesen Sommer herrschen klimatische Bedingungen wie in den besten Weinanbaugebieten Europas.

Susanne Balli
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Ein guter Wein-Jahrgang liegt in Griffnähe. Im Bild ist Winzer Matthias Brunner am Auslauben in seinem Rebberg in Eich zu sehen. (Bild Manuela Jans)

Ein guter Wein-Jahrgang liegt in Griffnähe. Im Bild ist Winzer Matthias Brunner am Auslauben in seinem Rebberg in Eich zu sehen. (Bild Manuela Jans)

«Die trockenen und warmen Jahre sind für Weinbauern die besten», sagt Beat Felder, zuständiger Fachmann für Spezialkulturen beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung des Kantons Luzern. Nach dem bisher aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer ist der Optimismus unter den Weinbauern für das Weinjahr 2015 laut Felder dementsprechend gross, denn Trauben lieben das Klima, wie es im Juli und Anfang August vorherrschte. «Generell ist das Weinbaugebiet in unseren Breitengraden nach wie vor eine Grenzregion», erklärt Felder. Es würden im Durchschnitt hier zwar gute klimatische Bedingungen vorherrschen, aber eben keine Spitzenwerte. «In diesem Sommer aber haben wir dieselben klimatischen Voraussetzungen wie die besten Weinbaugebiete Europas», so Felder.

Früher Reifungsprozess bei Trauben

Nach einem bereits warmen Frühling stand der Juli 2015 im Zeichen einer aussergewöhnlichen Hitzeperiode. Dies hatte gemäss der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope zur Folge, dass in den meisten Schweizer Rebbergen bereits im Juli die Reifung der Trauben einsetzte. Diese Entwicklungsphase beginnt in unseren Breitengraden normalerweise im August. Beat Felder bestätigt diesen Umstand auch für den Kanton Luzern. «Der Reifebeginn der Trauben war heuer wegen der heissen und trockenen Witterung zwei Wochen früher. Bei den frühen Sorten wie der Sorte Solaris wird man dieses Jahr daher auch bereits Anfang September mit der Wümmet beginnen.» Die Weinlese der roten Trauben allerdings werde wohl nicht früher starten, denn die Rotweintrauben brauchen laut Felder genügend Zeit zum Reifen. «Beim Rotwein sind im Gegensatz zum Weisswein frühe Jahre nicht zwingend gute Jahre», erklärt er.

Dem pflichtet Winzer und Önologe Matthias Brunner bei. Der 39-Jährige baut auf dem Eichberg am Sempachersee rund 4,5 Hektaren und am Baldeggersee rund 1,5 Hektaren Wein an, Sorten wie Müller-Thurgau, Sauvignon Blanc, Riesling sowie bei den roten Sorten unter anderen Pinot Noir, Merlot und eine Cabernet-Kreuzung. «Es waren heuer einige Faktoren sehr gut, so der warme Frühling, der zeitig begonnen hat, danach grundsätzlich wüchsige Bedingungen im Frühling und anschliessend viel Licht und Wärme im Sommer», erklärt er.

Gute Chance für Rotweine

Bei den roten Trauben habe man dadurch im Herbst mehr Reserven und könne ein wenig pokern, wann der optimale Zeitpunkt sei, diese zu lesen. Während die weissen Trauben nicht zu süss werden sollten, damit es einen frischen, spritzigen Weisswein gibt, sollten die roten Trauben gut ausreifen, um mehr Charakter und Fülle zu erzielen. «Spielt der Herbst mit, kommen wir beim Rotwein heuer in eine andere Liga als in den Vorjahren», sagt Önologe Matthias Brunner.

Die Erwartungen ins Weinjahr 2015 sind also auch bei Brunner sehr hoch. Nichtsdestotrotz: «Abgerechnet wird erst im Herbst, wenn man geerntet hat. Es ist noch nichts im Keller.» Der Zucker in den Trauben werde erst jetzt eingelagert. Dies sei auch der Grund, dass letztes Jahr eine sehr gute Traubenernte und ein guter Jahrgang erzielt werden konnten. Und das, obwohl der Sommer gefühlsmässig ausblieb und es viel regnete. Die Regentage dieser Woche seien denn für die Trauben auch sehr gut gewesen. «Die Beeren müssen sich nicht nur mit Zucker, sondern mit Zuckerwasser füllen, um gut zu reifen.»

Heikel könnte es für die Trauben im Herbst gemäss Brunner höchstens noch werden, falls extrem viele Niederschläge fallen und es rasch abkühlt. Dann droht Graufäulnis und die Beeren reifen nicht optimal.

Druck durch Wespen hoch

Eine weitere Gefahr ist die Kirsch­essigfliege, für welche die Rebberge im Herbst attraktiv werden, wenn die Trauben süss werden. «Bisher ist es diesbezüglich noch ruhig, und es gibt in den Rebbergen praktisch keine Vorkommen und keine Eiablage», sagt Beat Felder vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung. Dieses Jahr sind aber noch andere Plagegeister bei den Winzern ein Thema. «Der Druck durch die Wespen, welche die Trauben fressen, ist momentan sehr gross», so Felder.

Mengenmässig läuft es im Kanton Luzern dieses Jahr wohl wieder auf eine Rekordernte aus. Das ist aber laut Felder nicht nur durch die klimatischen Bedingungen zu erklären, sondern durch den stetigen Anstieg der Weinanbaufläche im Kanton, der seit 15 Jahren jährlich um 5 bis 10 Prozent betrage. Heuer sind es laut Felder kantonsweit 55 Hektaren Weintrauben, die geerntet werden. Im Vorjahr waren es noch 50 Hektaren.

Susanne Balli