Der Abstimmungskampf um die Krienser Weinhalde dreht sich um Ökologie

Sind die Umweltverbände für oder gegen die Überbauung Weinhalde am Sonnenberg? Zu dieser Frage ist im Abstimmungskampf einige Verwirrung entstanden.

Robert Knobel
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Am 29. November stimmt Kriens über die Einzonung des Areals Weinhalde am Sonnenberg ab. Geplant ist dort eine Überbauung mit drei Neubauten und 45 Eigentumswohnungen. Das Vorhaben wird von fast allen Parteien unterstützt – mit Ausnahme der GLP und der Grünen. Letztere bekämpfen das Projekt vehement. Um die Ökologie dreht sich denn auch in erster Linie der Abstimmungskampf. Plakate, auf denen ein Betonmischer seine Ladung über den Sonnenberg ergiesst, warnen markig – und krass übertrieben – vor der Überbauung der früheren Gärtnerei:

Die Befürworter der Einzonung betonten derweil, dass das Projekt Weinhalde den Segen aller wichtigen Umweltverbände habe. Letztere sahen sich in der Folge aber genötigt, mit einer Medienmitteilung für Klarstellung zu sorgen: Man habe sich «nie positiv zum aktuellen Projekt» geäussert, schreiben WWF, Pro Natura und Birdlife in der Mitteilung.

Verbände gaben positive Beurteilung ab

Diese Aussage wiederum erstaunt – denn 2019 hatten die drei Umweltverbände im Rahmen der Vernehmlassung eine durchaus positive Beurteilung abgegeben. Damals schrieben sie:

«Grundsätzlich begrüssen wir im Sinne einer verdichteten Siedlungsentwicklung die Schliessung dieser Baulücke.»

Gleichzeitig stellten die Umweltverbände einige Forderungen auf, um eine möglichst umweltverträgliche Umsetzung des Bauprojekts sicherzustellen. So solle etwa auf eine vogelfreundliche Gestaltung der Fassaden und eine Förderung der Biodiversität geachtet werden. Die für die Zufahrt zur Überbauung nötige Rodung von rund 130 Quadratmetern Wald nehmen die Umweltverbände zwar in Kauf. Doch die von der Stadt Kriens vorgeschlagene Ersatzaufforstung im Obernau lehnen sie ab, weil dort ein Naturschutzgebiet tangiert wäre, das möglichst so belassen werden sollte, wie es ist.

Das noch unbebaute Areal Weinhalde (Mitte) mit dem Hobacherwald (ganz links).

Das noch unbebaute Areal Weinhalde (Mitte) mit dem Hobacherwald (ganz links).

Bild: Pius Amrein (Kriens, 28. September 2020)

Wald am Sonnenberg wird aufgeforstet

Diese Hauptforderung der Umweltverbände konnte inzwischen erfüllt werden: Eine Aufforstung im Obernau hat sich als ohnehin nicht machbar erwiesen – die gerodete Waldfläche wird nun auf dem Weinhalde-Gelände selber kompensiert. Konkret soll der benachbarte Hobacherwald entsprechend vergrössert werden. Die übrigen Wünsche bezüglich Biodiversität und Vogelschutz könne man im konkreten Bauprojekt ebenfalls berücksichtigen, sagt Werner Baumgartner. Dessen Firma entwickelt das Weinhalde-Projekt im Auftrag der Grundeigentümerin, der Gärtnerfamilie Geisseler-Bieri.

Maria Jakober von Birdlife Luzern erklärt auf Anfrage, man sei grundsätzlich nicht dagegen, dass die Weinhalde überbaut werde, sofern die erwähnten Auflagen erfüllt werden. Jakober betont aber gleichzeitig, dass sich die Umweltverbände aus dem Abstimmungskampf heraushalten. Es sei nicht die Absicht der Verbände, sich aktiv für dieses Bauprojekt einzusetzen. Ähnlich argumentiert Marc Germann vom WWF Luzern. Es handle sich bei der Weinhalde nicht unbedingt um ein ökologisches Vorzeigeprojekt. Dennoch habe es für die Umweltverbände keinen Grund für Einsprachen gegeben.

Weinhalde Kriens