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WEINMARKT: Knatsch schon vor der Fasnacht

Etablierte Kulturfasnächtler drohen einer freien Wagengruppe mit juristischen Schritten – wegen Alkohol und Vandalismus. Die Gruppe nimmts vorerst gelassen.
Kulturfasnächtler beleben auch die Umzüge, wie hier drei Fasnächtler der Gruppen Hosianna, Obscuratio und Utopia am letztjährigen Emmer Umzug. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Kulturfasnächtler beleben auch die Umzüge, wie hier drei Fasnächtler der Gruppen Hosianna, Obscuratio und Utopia am letztjährigen Emmer Umzug. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Im diesjährigen Fasnachtsführer ist auf Seite 75 eine kleine Spassbremse eingebaut. Und zwar ist im Text mit der Überschrift «Mehr Kultur und weniger Chaoten auf dem Weinmarkt» nachzulesen, dass die Kult-Ur-Fasnächtler den Konsens mit den anderen Weinmarkt-Fasnächtlern suchen und an deren Vernunft appellieren. Ansonsten, so ist weiter zu vernehmen, werde man in Extremfällen auch vor Anzeigen nicht zurückschrecken.

Was ist schiefgelaufen? Die Kulturfasnächtler, die Autoren des Artikels, sind eine Dachvereinigung von 19 verschiedenen Maskengruppen mit zum Teil jahrzehntelanger Verbindung zur Luzerner Fasnacht. Sie feiern seit zig Jahren auf dem Stadtluzerner Weinmarkt und versuchen, der ihrer Ansicht nach fortschreitenden Entfremdung und Banalisierung des dreitägigen Anlasses mit Witz, Originalität und Kreativität Einhalt zu gebieten.

Teebeutel an Fassaden
Nun feiern die Kulturfasnächtler längst nicht mehr alleine auf dem Weinmarkt. Seit 1996 hat auch unter anderem die freie Wagengruppe der «Zwätschgehernis Lozärn» (ZL) ihr Territorium auf dem historischen Platz abgesteckt. Aber das Verhältnis zwischen den Kulturfasnächtlern und den in den Neunzigerjahren zum Teil von Teenagern ins Leben gerufenen ZL ist seit je her ein getrübtes.

Bruno Gapp ist Ehrenpräsident der Kulturfasnächtler. Er nennt den Grund der Missstimmung und stellt dabei das angebliche Trinkgebaren der jungen Festgemeinde in den Fokus. Er spricht von Saufgelagen und den damit einhergehenden Vandalenakten. Gapp: «Kommt es zu Anzeigen, werden nicht wir die einreichen, sondern die geschädigten Hausbesitzer am Platz.» Die Rede ist von Teebeuteln, die angeblich an die Fassaden der altehrwürdigen Gebäude geschmissen werden. Die Kosten der jeweils aufwendigen Reinigungsarbeiten haben die Immobilienbesitzer zu tragen.

«Noch nie eine Anzeige»
Zu den Geschädigten zählt Fritz Rogger, Präsident des Quartiervereins Altstadt. Er besitzt am Weinmarkt ein denkmalgeschütztes Haus und muss Jahr für Jahr dafür sorgen, dass die Teebeutel von seiner Hausfassade heruntergekratzt werden. Er relativiert aber: «Die Sache mit den erwähnten Anzeigen sehe ich weniger als Drohung, sondern vielmehr als Mahnung.»
ZL-Gründungsmitglied René Stalder erklärt, die Teebeutelgeschichte liege zehn Jahre zurück. Er versichert: «Die ?Zwätschgehernis? sind strikte gegen Vandalismus. Wir ermahnen die Anwesenden auch, keine Teebeutel zu werfen.» Er sagt weiter: «Wir veranstalten kein sinnloses Besäufnis, sondern feiern die Lozärner Fasnacht. Wir hatten auch noch nie eine Anzeige provoziert.» Dass ihm und seinen Kollegen nun via Fasnachtsführer im Voraus rechtliche Schritte angedroht werden, darüber kann Stalder nur schmunzeln. Er sagt: «Der Weinmarkt ist öffentlicher Grund und für alle Fasnächtler da. Die Kulturfasnächtler suchen den Dialog mit uns. In diesem Zusammenhang sind jedoch Texte, wie im offiziellen Führer abgedruckt, eher kontraproduktiv.»

Thomas Heer

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