«Weiss noch nicht, wie ich den Winter überlebe»: Für Kinos nimmt der Horrorfilm kein Ende

Corona zieht die gesamte Kinoindustrie arg in Mitleidenschaft – und trifft Kinos im Kanton Luzern doch unterschiedlich hart.

Philipp Wolf
Drucken
Teilen
Das Pathé Kino in Ebikon passt seine Öffnungszeiten an.

Das Pathé Kino in Ebikon passt seine Öffnungszeiten an.



Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 13. November 2020)

In Kinos sind derzeit nicht nur die Besucherinnen und Besucher rar, sondern auch die Filme. Während kantonal geregelt ist, dass höchstens 50 Personen eine Veranstaltung besuchen dürfen, regelt die globale Filmindustrie, dass erst dann wieder neue Streifen in die Kinos kommen, wenn sie denn endlich wieder Gewinn erwirtschaften können. Grössere schweizweit tätige Ketten und kleine, unabhängige Kinos gehen unterschiedlich mit der misslichen Lage um.

Pathé und Blue Cinema

Pathé Schweiz – mit Sälen in Ebikon – informierte am Freitag in einer Medienmitteilung darüber, dass seine Kinos vom 19. November bis zum 16. Dezember nur noch von Freitag bis Sonntag geöffnet sein werden. Um das Contact-Tracing sicherzustellen, können Tickets zudem bis auf weiteres nur noch online erworben werden.

Zur Änderung der Öffnungszeiten sei man gezwungen worden, «weil es an neuen Filmen fehlt und Montag bis Donnerstag überhaupt nichts läuft», hiess es auf Nachfrage. Mitarbeitern habe man bisher nicht kündigen müssen, man nutze das Angebot der Kurzarbeit.

Blue Cinema (vormals Kitag) – mit Kinos in Luzern und Emmen – tat das, was Pathé nun angekündigt hat, bereits Anfang August. Mittlerweile laufen zumindest in den Luzerner Kitag-Kinos wieder täglich Filme, wenn auch in stark reduziertem Umfang. Zudem werden die Öffnungszeiten wöchentlich aktualisiert. Auf Nachfrage, ob die momentanen Öffnungszeiten einen kostendeckenden Betrieb erlauben, heisst es seitens des Unternehmens:

«Sämtliche Blue-Cinema-Standorte arbeiten während der Pandemie nicht kostendeckend.»

Stattkino Luzern

Anders als bei Pathé oder Blue Cinema sieht es im Stattkino Luzern aus. Dort gelten nicht bloss die üblichen Öffnungszeiten, es läuft dieser Tage gar das Filmfestival «Pink Panorama», das Filme aus der LGBTIQ+-Community zeigt. Peter Leimgruber, Leiter des Stattkinos, sagt:

«Während des Festivals sind wir teilweise ausverkauft, weil wir ja nicht mehr als 50 Personen Einlass gewähren dürfen.»

Bevor der Kanton die Anzahl Teilnehmer öffentlicher Veranstaltungen auf 50 begrenzt hatte, habe es teilweise noch Veranstaltungen mit 60 bis 70 Gästen gegeben, so Leimgruber. Der Saal des Stattkinos bietet in normalen Zeiten 105 Personen Platz.

Peter Leimgruber führt seit Jahren das Stattkino in Luzern.

Peter Leimgruber führt seit Jahren das Stattkino in Luzern.

Archivbild: Pius Amrein (2017)

Für die Zeit während des ersten Lockdowns hat das Stattkino eine Ausfallentschädigung beantragt, bisher aber noch kein Geld bekommen. Unter den aktuellen Umständen sei die wirtschaftliche Situation natürlich nicht gerade toll, sagt Leimgruber, fügt aber an:

«Wir sind im Vergleich zu allen anderen Luzerner Kinos ein subventionierter Betrieb. Wäre dem nicht so, könnten wir den Betrieb nicht aufrechterhalten.»

Das hänge auch mit dem speziellen Programm des Stattkinos zusammen. Dieses führt zudem dazu, dass Leimgruber – anders als beispielsweise Pathé oder Blue Cinema – die Filme nicht ausgehen.

Und so will das Stattkino Filme zeigen, solange noch 50 Personen eine Veranstaltung besuchen dürfen. Leimgruber sagt: «Das Kino soll auch in diesen schweren Zeiten etwas sein, das den Menschen etwas bietet.»

Kino Willisau

Wie lange Beat Bossert, Inhaber und Betreiber des Kino Willisau, seinen Besucherinnen und Besuchern noch etwas bieten kann, ist fraglich. Er sagt:

«Ich weiss es wirklich noch nicht, wie ich den Winter überlebe.»

Schon jetzt ist er am Anschlag. Bisher habe er immer vom Kino gelebt, nun müsse er sich wohl noch eine andere Arbeit suchen, so Bossert. Falls sich die Situation nicht ändert, reiche sein Erspartes noch für zwei, drei Monate.

Beat Bossert weiss nicht, wie lange er das Kino Willisau in der jetzigen Lage noch betreiben kann.

Beat Bossert weiss nicht, wie lange er das Kino Willisau in der jetzigen Lage noch betreiben kann.

Archivbild: Roger Grütter (2017)

Dabei hatte sich die Lage auf die Herbstferien hin zu verbessern begonnen. So sehr, dass Bossert darauf verzichtete, die Kurzarbeit zu verlängern. Er wollte dem Bund nicht ans «Portemonnaie», wenn es ihm ja gutgehe.

«In den Herbstferien lief das Geschäft wirklich gut.»

Kaum waren diese vorbei, brach die zweite Welle über die Schweiz und sein kleines Kino herein. Und nun sei es zu spät, um die Kurzarbeit zu verlängern. Er schaue jetzt mal, ob es noch Ausnahmen gebe, dann müsse er wohl ein Gesuch schreiben.

Seinen Saal öffnet Bossert nur noch von Freitag bis Montag – wenn überhaupt. Vor Corona gab es im Kino Willisau ausser donnerstags täglich Vorstellungen. Nun sind, wie in den grossen Kinos, die Gäste und die Filme Mangelware. «Filme spielen auch eine Rolle und auch da wird die Situation immer schlechter», sagt Bossert, der praktisch nur noch Familienfilme zeigt. Nur diese füllen heuer an guten Tagen die 35 Plätze, die Bossert in seinem 61-Sitze-Kino noch belegen darf.