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Tagesschulen: Welches Modell passt für Luzern?

Betreuungsangebote wie Mittagstisch und Hausaufgabenhilfe werden immer stärker genutzt. Die Entwicklung hin zur Tagesschule als Regelfall scheint nur eine Frage der Zeit. Vielleicht ist die ganztägige Betreuung aber auch bereits wieder ein Auslaufmodell.
Ismail Osman
Schulische Betreuungsangebote wie Mittagstische erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. (Bild: Nana do Carmo)

Schulische Betreuungsangebote wie Mittagstische erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. (Bild: Nana do Carmo)

Hinter dem arg hölzernen Begriff «Schul- und familienergänzende Tagesstrukturen» steckt eine echte Erfolgsgeschichte – eine, die 1987 in Luzern ihren Anfang nahm. Im Luzerner Rathaus wurde damals der «Verein Tagesschulen für die Schweiz» gegründet. Dahinter stand eine Arbeitsgruppe um die Zürcher Publizistin Ursula Rellstab, die schon seit Mitte der 1970er-Jahre für die Idee der Tagesschule kämpfte.

Den Verein gibt es mittler­weile nicht mehr, das Thema der ganztägigen Betreuung auf dem Schulhausareal ist längst in Politik und Realität angekommen. Im Kanton Luzern müssen seit 2012 alle Schulen Tagesstrukturen mit Betreuungselementen anbieten. Vier Elemente stehen zur Auswahl. Konkret können Kinder neben dem Unterricht die Zeiten ab 7 Uhr, über den Mittag und nachmittags bis 18 Uhr betreut in der Schule verbringen, sofern die Eltern dies wünschen und bereit sind, einen entsprechenden Beitrag zu zahlen.

Gerade nach Angeboten wie dem Mittagstisch oder die Hausaufgabenhilfe am Nachmittag besteht eine seit Jahren stetig wachsende Nachfrage, wie Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, bestätigt: «Insbesondere in der Stadt Luzern und der Agglomeration ist eine klare Zunahme feststellbar.» Diese schlägt sich auch in den Pro-Kopf-Beiträgen nieder, welche der Kanton für Betreuungsplätze spricht: 2017 waren dies 4,6 Millionen Franken, für das laufenden Jahr wurden 5 Millionen gesprochen, und für 2019 sind 5,3 Millionen budgetiert.

Zürich macht Tagesschule zum Regelfall

Das Bedürfnis ist unbestritten, die Ausgestaltung der Tages­schule wird hingegen immer noch kontrovers diskutiert. In der Stadt Zürich etwa hat sich die Bevölkerung vergangenen Juni deutlich dafür entschieden, das Projekt «Tagesschule 2025» weiterzuverfolgen. Ziel des Projektes ist es, dass alle Schulen der Stadt als Tagesschulen geführt werden. Der Besuch der Betreuungsangebote wird dann zum Regelfall – Eltern können ihre Kinder auf Wunsch hin jedoch abmelden. In der ersten Pilotphase, mit rund 1400 Schülern, taten dies jedoch nur gerade 10 Prozent.

Die «gebundene» Tagesschule, wie sie die Stadt Zürich nun definitiv anstrebt, verkörpert denn auch mehr die ursprüngliche Vision der Initianten der Tagesschule. Ob dieses Modell je auch in anderen Städten und Kantonen «Schule» machen wird, muss sich noch weisen – Interesse ist jedenfalls durchaus vorhanden. So ist im Luzerner Stadtparlament bereits seit November 2017 eine GLP-Motion hängig, die vom Stadtrat einen Planungsbericht «mit konkreten Schritten zur Einführung von Tagesschulen» fordert. Die Motionäre verweisen explizit auf das Zürcher Modell, welches für eine allfällige Tagesschulplanung «als Anregung» dienen soll. Die Frist zur Beantwortung der Motion läuft Ende des aktuellen Monats ab.

«In den vergangenen Jahren hat die Zahl jener, die ganz bewusst in einem Teilzeitpensum oder mittels Home-Office arbeiten, stark zugenommen.»

Charles Vincent äussert gewisse Skepsis gegenüber einer Einführung des «Zürcher Modells»: «Zum einen muss man sehen, dass ein solches sich eher für grosse Gemeinden eignet. In vielen der Klein- und Kleinstgemeinden, wie sie im Kanton Luzern existieren, würden solche Tagesschulen nur wenig Sinn machen , da viele Eltern ihre Kinder wohl abmelden würden und die Zahl der Lernenden dann für ein Ganztagesangebot zu klein wäre.»

Noch ein weiterer Faktor gibt Vincent zu bedenken: «Die Veränderung der Familienstrukturen ist keineswegs abgeschlossen. Die Idee der Tagesschule geht von Elternteilen aus, die zu 100-Prozent arbeiten müssen oder wollen», sagt Vincent. «In den vergangenen Jahren hat die Zahl jener, die ganz bewusst in einem Teilzeitpensum oder mittels Home-Office arbeiten, stark zugenommen.» Im Stadtzürcher Modell der Tagesschule sieht Vincent aus pädagogischer Sicht zwar durchaus gewisse Vorteile, das «Luzerner Modell», mit den frei kombinierbaren Tagesstrukturen, sei aber letztlich das «bedarfsorientiertere», so Charles Vincent.

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