Welchen Tourismus wollen wir? Stadt Luzern startet eine repräsentative Bevölkerungsumfrage

In wenigen Tagen startet die Stadt mit einer repräsentativen Umfrage. Damit will sie eine Vision für den Tourismus und eine mehrheitsfähige Lösung für das Carregime erarbeiten.

 Julian Spörri
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Ist die Kapazitätsgrenze für Touristen in der Stadt schon erreicht? Welche Auswirkungen hat der Cartourismus auf Luzern? In welchen Bereichen soll die Stadt regulierend eingreifen? Rund 2000 ausgewählte Stadtluzernerinnen und Stadtluzerner erhalten in den nächsten Tagen Post. Mit einem Link werden sie zur Teilnahme an einer Bevölkerungsbefragung eingeladen, welche die Hochschule Luzern im Auftrag der Stadt durchführt.

Hintergrund sind die beiden Strategieprozesse «Vision Tourismus Luzern 2030» und «Carregime», mit derer Erarbeitung der Stadtrat Ende Oktober 2019 begonnen hat. Die beiden Prozesse laufen parallel und stehen thematisch in einem engen Zusammenhang – darum sind in der Bevölkerungsbefragung grundsätzliche Fragen zum Tourismus mit konkreten Fragen zum Carregime kombiniert. Die Kosten für die beiden Strategieprozesse betragen je rund 300'000 Franken.

Touristen in der Luzerner Altstadt.

Touristen in der Luzerner Altstadt.

Alexandra Wey/Keystone (14. August 2017)

Das Vorgehen mittels Umfrage begründete Stadträtin Franziska Bitzi Staub (CVP) an einer Medienkonferenz am Montagmorgen wie folgt: «Bis jetzt gibt es keine repräsentativen Datenerhebungen zum Tourismusbewusstsein und -empfinden in Luzern.» Und weiter:

«Vonseiten der Stadt wollen wir ein breiteres Bild bekommen und sehen, wie gross der Leidensdruck ist und worin das Problem besteht.»

Die Ergebnisse sollen repräsentativ sein und einen Vergleich zwischen den unterschiedlichen Stadtteilen ermöglichen.

Anregungen online deponieren

Aktiv mitwirken können aber nicht nur die zufällig ausgewählten Personen: Ein sogenanntes Impuls-Portal steht der ganzen Bevölkerung offen. Bis am 14. Februar können über ein Online-Formular Anregungen zum Tourismus platziert werden. Auch die bereits abgeschlossene Umfrage der IG Weltoffenes Luzern fliesse in die Analyse mit ein, so Bitzi Staub. Mittels einer Box auf dem Schwanenplatz und einer Online-Befragung hatte die Interessensgemeinschaft bei der Bevölkerung den Puls gefühlt und unter anderem herausgefunden, dass sich viele Luzerner über Gäste aus Asien ärgern (wir berichteten).

Touristen steigen beim Schwanenplatz aus dem Car.

Touristen steigen beim Schwanenplatz aus dem Car.

Nadia Schärli (15. März 2019)

Weiter geht es in der ersten Phase bis April 2020 im Strategieprozess «Vision Tourismus Luzern 2030» um eine vertiefte Analyse zu den Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren für den Tourismus in der Stadt Luzern. Dazu finden nebst der Bevölkerungsbefragung Workshops mit Vertretern von Quartiervereinen, Umweltverbänden und der Wirtschaft statt. In der zweiten Phase von Mai bis September 2020 soll aus den gewonnenen Erkenntnissen mit den Interessensgruppen eine Vision zum zukünftigen Tourismus entwickelt werden. Basierend auf der Vision wird in der dritten Phase ein Umsetzungskonzept mit Massnahmen erarbeitet. Die Stadt Luzern informiert in Dialogveranstaltungen über den jeweiligen Stand der Arbeit .

Stadtrat Borgula: «Wir haben einen Schritt zurück gemacht»

Mit dem Strategieprozess «Carregime» sucht die Stadt nach einer mehrheitsfähigen Lösung für den Cartourismus. Adrian Borgula, Umwelt- und Mobilitätsdirektor (Grüne), sagte dazu:

«Bis anhin wurden immer einzelne Projekte diskutiert, wobei sich keine dieser Ideen als mehrheitsfähig erwiesen hat.»

Deshalb habe man einen Schritt zurück gemacht und den langfristig ausgerichteten Strategieprozess angestossen, so Borgula.

Hochbetrieb beim Car-Parkplatz auf dem Inseli.

Hochbetrieb beim Car-Parkplatz auf dem Inseli.

Urs Flüeler/Keystone (21. Juni 2018)

Auch bei diesem Strategieprozess soll zunächst unabhängig von konkreten Projekten ein gemeinsames Verständnis über die Zielsetzungen des künftigen Carregimes entwickelt werden. Dazu finden drei Workshops mit den involvierten Stakeholdern statt. Erst in einem zweiten Schritt werden bestehende und allenfalls neue Projektideen an diesen Zielsetzungen gemessen. Die Zieldiskussion findet im ersten Halbjahr 2020 statt.

Die Planung der kurz- und mittelfristigen Massnahmen werde unabhängig vom Strategieprozess weitergeführt, so Borgula. Beispiel ist die Suche nach einer Lösung für die Carparkierung. Aktuell hat die Stadt Luzern ihr Areal Hinterschlund als Zwischenlösung im Visier. Der Krienser Einwohnerrat lehnte ein Carparking auf dem Gebiet Ende 2019 jedoch ab. Gemäss Borgula gibt es in dieser Angelegenheit seither keine neuen Erkenntnisse zu vermelden.

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