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Welches sind die kältesten und die heissesten Orte in der Stadt Luzern?

In der Stadt Luzern ist es nicht überall gleich warm. Je nach Quartier beträgt der Temperatur-Unterschied ein bis zwei Grade. Eine Firma will jetzt der Stadt mit Sensoren den Puls fühlen und den Luzernern zeigen, wo die «coolsten» und die heissesten Fleckchen ihres Wohnorts liegen.
Marc Benedetti
Pedalos in der Luzerner Seebucht auf dem Vierwaldstättesee (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 1. Juli 2018))

Pedalos in der Luzerner Seebucht auf dem Vierwaldstättesee (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 1. Juli 2018))

«Wegen des Klimawandels wird es an den heissen Orten der Stadt noch wärmer werden», sagt Mario Betschart. Er hat deshalb mit Kollegen diese Tage das (private) Projekt «cool-bliibe.lu» lanciert und leitet es. Die Webseite des Projekts ist am Donnerstag aufgeschaltet worden.

«Es geht darum, dass wir an verschiedenen Orten in und um die Stadt Luzern die aktuellen Temperaturen messen und diese Daten der Luzerner Bevölkerung gratis zur Verfügung stellen», erklärt Betschart.

Wozu das Ganze? Einen Auftrag – etwa von der Stadt– hat die auf Umweltmessungen spezialisierte Firma inNET, wo Betschart und sein Team arbeiten, nämlich keinen. Wegen des veränderten Klimas träten in Städten weltweit vermehrt Hitzeperioden auf.

Negative Effekte der Erwärmung

Mario Betschart leitet das Projekt «cool-bliibe.lu». (Bild: PD)

Mario Betschart leitet das Projekt «cool-bliibe.lu». (Bild: PD)

«Man spricht auf Englisch vom Urban Heat Island Effekt», erklärt der Projektleiter, «proaktive Städte versuchen diesen Effekt einzudämmen.» Asphalt, Beton, Stahl und Glas speicherten die Wärme tagsüber und geben sie in der Nacht wieder ab, was zu höheren Temperaturen in gewissen Gebieten führt. Gerade für Kleinkinder und ältere Menschen kann die Hitze gefährlich werden, letztere können Kreislaufprobleme bekommen. Die Hitze kann auch negative Auswirkungen auf die Luft- und Wasserqualität haben. Gegenmassnahmen können zum Beispiel hellere Baumaterialien sein oder begrünte Dächer.

«Ziel unseres Pilotprojekts ist, dass die Bevölkerung auf die Thematik des sogenannten Hitze-Insel-Effekts in der Stadt und den Klimawandel sensibilisiert wird.»

Zeigen, dass es möglich ist

Das Projekt «cool-bliibe.lu» habe man aus «Spass und Neugier» gestartet. «Wir wollen einfach zeigen, dass es möglich ist», sagt Mario Betschart. Und wohl ist das Ganze auch etwas Werbung. Laut Betschart wird das Projekt aus eigenen Mitteln finanziert.

So sehen die Sensoren für die Temperaturmessung aus.

So sehen die Sensoren für die Temperaturmessung aus.

Die nötigen Sensoren hat die Firma bereits im Haus. Denn die Firma nimmt für Zentralschweizer Kantone beispielsweise Luftmessungen vor, zu denen manchmal auch die Feststellung der Temperatur gehört. Momentan sind übers Stadtgebiet verteilt bereits fünf Sensoren für die Temperaturmessung aufgestellt, nächste Woche werden es weitere sein (siehe Infobox). Sie stehen alle auf privatem Grund. Einen Standort hatten die Initianten bereits: Die Firma mit Sitz in Altdorf hat ein Büro an der Schlossstrasse in Luzern. Und einen Garten. «Dort haben wir einen der Sensoren aufgestellt.»

Bis zu zwei Grad Temperaturunterschiede

Schaut man sich auf der interaktiven Karte die momentanen Messpunkte an, kann man die aktuelle Temperatur anklicken und stellt grosse Unterschiede fest. Am 11. Juli um 17.37 Uhr war es auf dem Sonnenberg mit 23,6 Grad am Kühlsten. Auch bei der Jugendherberge am Schlossberg mass man mit 24,4 Grad eine tiefere Temperatur als im Zentrum Luzerns. Am «Hotspot» Bundesplatz war es mit 25,33 Grad am wärmsten, und in der Badi Lido betrug die Temperatur 25 Grad. Nächste Woche sollen weitere Sensoren dazu kommen. Einer wird im Bourbaki die Wärme messen, zwei weitere beim Mühleplatz und in der Umgebung des Vögeligärtli. Das Wachstum der Sensoren kann man online mitverfolgen.

Die Messungen liessen sich nur bedingt mit wissenschaftlichen Erhebungen vergleichen, da ganz bewusst darauf verzichtet werde, gewisse Normen der World Meteorological Organization (WMO) einzuhalten, erklärt Betschart. «Die MeteoSchweiz und andere Wetterdienstleister messen auf genormten Flächen, im Grünen, weit ab von den Strassenschluchten der Stadt.» Er und sein Team messen hingegen, wo sie es sinnvoll finden. «Wenn es um Hitzemonitoring geht, messen wir dort, wo auch das Leben stattfindet.» Man messe ausserdem nicht überall exakt zwei Meter über dem Boden.

Ein Nebeneffekt der Temperatur-Messungen in Luzern ist, dass sich so natürlich auch die kühlen Orte der Stadt Luzern schneller ausfindig machen lassen. Betschart: «Jeder einzelne kann dann selber entscheiden ob es eben cooler ist, ein kühles Bier in der Badi oder eben doch am heissesten Platz im Zentrum zu trinken.»

Hagelmessung war 2017 ein Thema

Die Firma machte schon 2017 von sich reden, als sie mit einem «Hagelmobil» in der Zentralschweiz tourte, um den Eiskugeln genauer auf die Spur zu kommen und Prognosen zu ermöglichen (wir berichteten). Langfristig könne man mit den Messungen erklären, welche Auswirkungen die Klimaerwärmung auf den Hagel habe.

Mehr Infos zum Urban Heat Island Effekt

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