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WELLNESS: Sauna-Kulturkonflikt: «Nicht ohne meine Badehose!»

Als wärs in einer Sauna nicht schon heiss genug! Geht es um die Frage: «Nackt oder mit Badehose?», kann die Stimmung schnell recht hitzig werden.
Mit Handtuch umwickelt: Angi und Andreas Christen aus Buochs wählen in der neuen Saunaanlage im Titlis Resort Engelberg den Zwischenweg. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Mit Handtuch umwickelt: Angi und Andreas Christen aus Buochs wählen in der neuen Saunaanlage im Titlis Resort Engelberg den Zwischenweg. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Winterzeit ist Saunazeit. Doch die Benimmregeln können die Saunabesucher ganz schön ins Schwitzen bringen. Deshalb haben wir in den Saunas in der Zentralschweiz nachgefragt. «Für die Schweizer ist klar: In der Sauna ist man nackt», erklärt Markus Fuchs, Betriebsleiter des Fitnessparks National in Luzern. Doch das sehen nicht alle so: Es komme immer öfter vor, dass es Besucher von ihrer Kultur oder Religion her nicht vereinbaren könnten, nackt in die Sauna zu gehen. Kurzum: Andere Länder, andere Sitten.

Kein Wunder, müssen Markus Fuchs und seine Mitarbeiter täglich einen Gast darauf aufmerksam machen, dass die Badehose weg muss. Die Sauna ist eine Nacktzone. Oft weisen die Stammkunden die Fehlbaren gleich selber zurecht. Für Fuchs ist klar: «Es ist unhygienisch, in der Sauna eine Badehose zu tragen.» Eine Alternative zur völligen Blösse gibts mancherorts, auch im Fitnesspark: Wer nicht ganz nackt sein will, kann sich in ein Tuch wickeln.

Italiener mit, Deutsche ohne Hose

Besonders betroffen von der heiklen Frage sind die Hotels. Gäste aus dem katholischen Süden halten das Motto: «Nicht ohne meine Badehose!». Sie treffen auf Gäste aus nördlichen Ländern. In Deutschland etwa ist Nacktheit in der Sauna die einzige Wahrheit. Je internationaler die Gästeschar, je verzwickter die Situation. Wie kann es da ein Hotelier allen recht machen?

Eine elegante Lösung hat der «Swiss Holiday Park» in Morschach gefunden. In der ganzen Saunalandschaft gilt Nacktheit. Zusätzlich gibt es eine spezielle Damensauna, wo Männer keinen Zutritt haben. Die Frauen hätten diesen Rückzugsort gewünscht, heisst es in Morschach. Und wer nicht ohne Textil sein kann, wird in die Therme geschickt, dort sind Badekleider erlaubt. Aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme: donnerstags; dann zählt auch die Therme zum Nacktbereich.

Auf Rigi Kaltbad werden die Gäste bereits beim Eintritt über die Nacktzone in der Sauna informiert. «Vor allem die asiatischen Gäste entscheiden sich dann, erst gar nicht in die Sauna zu gehen», sagt Brigitte Graf, Betriebsleiterin Mineralbad und Spa. Ähnlich wird das Thema im neuen Titlis Resort in Engelberg gehandhabt, welches seit Anfang Dezember einen Wellnessbereich anbietet. Dennoch würden immer wieder Saunagänger in Badehosen festgestellt, sagt Monika Schleiss, Leiterin Wellness. «Das tolerieren wir.»

Im «The Chedi» ist Badehose-Pflicht

Anders ist es im «The Chedi» in Andermatt. Im Luxushotel will man wohl keine Gäste aus den neuen Destinationen, etwa aus Asien oder dem Mittleren Osten, verärgern und geht deshalb auf Nummer sicher: Die Badehose ist im «The Chedi» Pflicht. Diskussionen gebe es diesbezüglich keine, sagt Sprecher Christian Henker. «Wenn Gäste fragen, warum wir ausschliesslich eine Textilzone haben, klärt unser Fachpersonal, dass dies aus Rücksicht auf die verschiedenen Kulturen geschieht.»

Interessant: «Die Schweizer Gäste fühlen sich gestört, wenn jemand im Badekleid in die Sauna kommt», sagt Melanie Herzog vom Hotel Palace in Luzern. Die Beobachtung würde bei der Spa-Rezeption gemeldet. Die Sauna gilt als Nacktbereich. Streng kontrolliert werde diese Regel nicht, ein Badetuch oder ein Bikini würden ebenfalls akzeptiert.

Achtung vor Hitzestau

Keine Diskussionen gibt es derweil im 5-Sterne-Superior-Hotel Park Weggis. Hier gibt es gar keinen öffentlichen Saunabereich, sondern sogenannte Spa-Cottages, die man zum Beispiel als Paar oder kleine Gruppe buchen kann. Dort kann man es mit der Badehose halten, wie es einem selber gefällt. Trotzdem betont Fabienne Hager, Leiterin des Spa-Bereichs: «Wir empfehlen ganz klar, ohne Badekleid in die Sauna zu gehen.» Dies aus gesundheitlichen Gründen: Trage man zu viel Tuch, könne es zu einem Hitzestau kommen.

Kleinere Einrichtungen wie im Hotel Park Weggis finden sich laut dem Verband Schweiz Tourismus vorab in der Luxushotellerie. Investition, Unterhalt und Betrieb sind teuer. Oftmals ist auch der nötige Platz dazu nicht vorhanden.

Noch ein Aspekt: Selbst für manche Männer kommt Nacktheit nicht in Frage, auch nicht vor ihresgleichen. Bleibt dem Hotelier also noch eine Alternative aus dem Orient: Er richtet einen Hamam ein, hier tragen alle ein Baumwolltuch ein sogenanntes Pestemal.

Viele Unsitten sorgen für Ärger

Nacktsein allein ist aber nicht die einzige Regel. So schickt es sich nicht, seinen blanken Hintern auf die Holzbretter zu setzen. Das gilt auch für Hände und Füsse. In allen Nacktzonen müssten Tücher als Unterlage benutzt werden, heisst es etwa beim Fitnesspark National in Luzern. Auch das «Schweissschaben» also das Abwischen von Schweiss von Armen und Beinen – gehört in den Augen von erfahrenen Saunagängern zu den schlimmsten Unsitten der Anfänger.

Flurina Valsecchi

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