Interview

Weltraum-Habitat kommt erst nächstes Jahr auf den Pilatus – Teams präsentieren ihre aktuellen Konstruktionen online

Der für diesen Sommer geplante Test für ein Weltraum-Habitat auf dem Pilatus findet wegen des Coronavirus nicht statt. Die Teams präsentieren ihre Arbeiten nun online. Was bedeutet dies für die Entwicklung?

Sandra Peter
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«Igluna»-Projektleiterin Tatiana Benavides beim Rekognoszieren auf dem Pilatus.

«Igluna»-Projektleiterin Tatiana Benavides beim Rekognoszieren auf dem Pilatus.

Bild: PD

Auf dem Pilatus hätte diesen Juli eine Weltraum-Basis gebaut werden sollen. Ziel war es, Roboter, Maschinen und Infrastrukturen zu testen, die etwa auf dem Mond oder dem Mars eingesetzt werden könnten und dort das Leben für Menschen ermöglichten (wir berichteten). Mehrere Teams mit rund 130 Studenten aus 15 internationalen Forschungsinstitutionen sollten das Experiment vom Verkehrshaus aus steuern. Nun wird das aktuelle «Igluna»-Programm wegen des Coronavirus mit interaktiven Livepräsentationen statt des Praxistests abgeschlossen. Was dies genau bedeutet, erklärt Projektleiterin Tatiana Benavides vom Swiss Space Center.

Wieso wurde der Test auf dem Pilatus komplett abgesagt, wäre eine Durchführung in angepasster Form nicht möglich gewesen?

Tatiana Benavides: Das Projekt hätte nicht nur den Test umfasst, sondern auch Experten-Treffen und eine Ausstellung im Verkehrshaus. Noch gelten das Versammlungs- sowie das Veranstaltungsverbot und diverse weitere Massnahmen. Welche Bestimmungen exakt im Juli gelten werden, ist ungewiss. Die Hochschulen ETH und EPFL haben entschieden, dass bis Ende August keine Veranstaltungen durchgeführt werden. Zudem stammen die Teams aus verschiedenen europäischen Ländern und den USA, einzelne Studenten aus weiteren Ländern. Wie die Einreisebestimmungen für sie im Juli aussehen, wissen wir nicht. Und von der gesundheitlichen Seite aus betrachtet, wollen wir auf keinen Fall ein Risiko eingehen.

Hat das Coronavirus auch die Entwicklung der einzelnen Projekte beeinflusst?

Ja, es gibt Teams, die mit ihren Konstruktionen nicht ganz fertig geworden sind. Beispielsweise, weil die jeweilige Universität geschlossen wurde oder einzelne Teile aus der Industrie nicht lieferbar waren. Andere haben bereits selber Tests gemacht und zeigen Videos davon in ihren Präsentationen.

Wird der Praxistest nachgeholt?

Wir planen, im nächsten Jahr im Juli einen Test auf dem Pilatus durchzuführen, wieder in Zusammenarbeit mit dem Verkehrshaus. Das Weltraum-Habitat soll auf der Terrasse bei der Bergstation gebaut werden, damit es für die Besucher sichtbar ist. Die Teams von diesem Jahr können sich erneut bewerben, müssen ihr Projekt aber noch weiter entwickeln. Neue Teams können sich ebenfalls bewerben.

Was passiert mit den Entwicklungen aus diesem Jahr, die sich nicht für nächstes Jahr qualifizieren?

Das hängt von den Studenten und den jeweiligen Forschungsinstitutionen ab. Es gibt Teams, die nächstes Jahr nicht teilnehmen und stattdessen ein Start-up planen. Andere Studenten schliessen ihre Ausbildung in diesem Jahr ab. Experten und Professoren der Uni können ein Projekt aber mit einem neuen Team weiter vorantreiben und abschliessen.

Die Forschungskampagne «Igluna» findet online vom 10. bis 19. Juli 2020 statt. Während der Livepräsentationen können Zuschauer den Teams und Experten Fragen stellen. Hier geht es zum Programm. Das «Igluna»-Projekt wird vom Swiss Space Center koordiniert.

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