Interview

«Wenn das C gestrichen wird, trete ich aus der CVP aus»: Klare Worte des ehemaligen Luzerner Nationalrats Pius Segmüller

Der frühere Luzerner CVP-Nationalrat Pius Segmüller hält gar nichts davon, die CVP zur Mitte-Partei zu machen. Ein Namenswechsel würde seiner Partei nicht zu mehr Wählern verhelfen, glaubt der frühere Kommandant der Schweizergarde in Rom.

Lukas Nussbaumer
Drucken
Teilen
Der frühere Luzerner CVP-Nationalrat Pius Segmüller steht für die Beibehaltung des C im Namen der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) ein.

Der frühere Luzerner CVP-Nationalrat Pius Segmüller steht für die Beibehaltung des C im Namen der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) ein.

Bild: Pius Amrein

Die Parteileitung der CVP Schweiz stellt wieder einmal das C in ihrem Namen in Frage. Der für «christlich» stehende Buchstaben sorgt parteiintern denn auch für Kontroversen (wir berichteten). Die Grundsatzdiskussion bringt nun auch Pius Segmüller dazu, Stellung zu beziehen. Der in Luzern wohnhafte 67-Jährige sass für die CVP von 2007 bis 2011 im Nationalrat und macht aus seinem Glauben an Gott seit jeher keinen Hehl. Segmüller war schon vor seinem Einstieg in die Politik landesweit bekannt – etwa als Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde (siehe Kasten am Ende des Beitrags). Er äussert sich seit seinem Abschied aus der Politik nur selten zu aktuellen Themen.

Was halten Sie von der Diskussion, das C aus dem Namen der CVP zu streichen?

Pius Segmüller: Ich bin irritiert. Wir führen diese Diskussion in der Partei ja nicht zum ersten Mal, doch die Absicht, das C zu streichen, wurde bis jetzt stets verworfen.

Das C soll also bleiben. Warum?

Das für christlich stehende C ist für die CVP gleich wichtig wie das die freiheitlichen Werte symbolisierende F für die FDP. Wir in der CVP stehen für die christlichen Werte ein, das C steht auch für die Menschenrechte. Etwas, das einer Partei Tragfähigkeit gibt, streicht man doch nicht, oder?

Das sehen einige Ihrer Parteikollegen anders. Sie glauben, mit einer Mitte-Partei mehr potenzielle Wähler anzusprechen.

Das wird nicht funktionieren. Die Leute wollen wissen, für was eine Partei einsteht und wofür sie sich engagiert. «Mitte» heisst nichts, hat keine Wertigkeit. Und die CVP steht doch längst nicht immer in der Mitte. Bei sozialen Themen positionieren wir uns eher links, bei wirtschaftlichen Fragen orientieren wir uns eher nach rechts.

Es gibt aber Stimmen in Ihrer Partei, die glauben, das C werde vorab mit katholisch und nicht mit christlich assoziiert.

Das ist längst Geschichte. In der CVP politisieren heute auch viele Reformierte. Aber ich will betonen: Die Parteimitglieder müssen sich mit dem C identifizieren können. Wer ein Problem mit dem Christentum hat, der soll aus der CVP austreten. Das C ist das Fundament unserer Partei.

Ist das Festhalten am C auch langfristig richtig? Schliesslich sinkt der Anteil der Kirchenmitglieder stetig.

Ganz klar ja. Denn wer sich mit christlichen Werten identifiziert, muss nicht zwangsläufig mit allem einverstanden sein, das in den Kirchen passiert.

Angenommen, das C verschwindet tatsächlich aus dem Namen der CVP: Was tun Sie?

Dann trete ich aus der Partei aus.

Und wechseln zur FDP, bei der Sie vor Ihrem Zuzug von Bern nach Luzern Mitglied waren?

Das wäre eine Option. Sicher ist, dass ich aus der CVP austreten würde, denn das C war damals der Grund, mich der CVP anzuschliessen.

Der SVP beizutreten, käme für Sie nicht in Frage?

Nein. Einer populistischen Partei will ich nicht angehören.

Bis jetzt äussern sich in der Öffentlichkeit nur wenige CVP-Mitglieder, die wie Sie unbedingt am C festhalten wollen. Warum?

Ich weiss es nicht, bedaure das aber sehr. Die CVP-Spitze im Kanton Luzern müsste Farbe bekennen. Vielleicht bringt mein Votum den einen oder die andere dazu, sich auch zu äussern.

Sie könnten Parteipräsident Gerhard Pfister anrufen und ihm Ihre Meinung sagen.

Ich bin nur eine einzelne Stimme. Wichtig ist, wie die Basis der Partei denkt.

Was glauben Sie? Wie denkt die Basis?

Ich bin überzeugt, dass das C im Namen der Partei für ganz viele Mitglieder im Kanton Luzern, ja in der ganzen Innerschweiz, sehr wichtig ist. Sie haben sich bis jetzt nur nicht gemeldet.

Wenn eine Partei ihren Namen wechselt, ist das ein grosser Schritt. Kann ein derart bedeutender Entscheid von einer Delegiertenversammlung gefällt werden?

Nein, das würde nicht reichen. Es müsste zwingend die Basis befragt werden.

Vom Militär über die Schweizergarde zur Stadtpolizei Luzern und schliesslich zum VBS

Bewegte Laufbahn


Pius Segmüller wuchs in Emmen auf und liess sich nach der Matura in Zürich zum Sekundarlehrer ausbilden. Später wurde der heute 67-Jährige Berufsmilitär. Zwischen 1998 und 2002 war er Kommandant der Schweizergarde in Rom, dann übernahm er für vier Jahre das Kommando der Stadtpolizei Luzern.

2007 wurde Segmüller als Quereinsteiger überraschend Nationalrat, dem er bis 2011, seiner ebenfalls überraschenden Abwahl, angehörte. Von 2007 bis 2009 war der verheiratete Vater von zwei Kindern Sicherheitschef des Weltfussballverbands Fifa, ab 2012 Chef Schiesswesen und ausserdienstliche Tätigkeiten beim Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). (nus)

Mehr zum Thema