Reportage

Beizentour in der Stadt Luzern: Wenn die 51. Person nicht mehr rein darf

Seit Freitagabend bestehen im Nachtleben Einschränkungen. Ein Streifzug am Samstagabend durch die Stadt Luzern.

René Barmettler
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Wegen des Corona-Virus ist der Besuch in Bars und Pubs eine komplizierte Angelegenheit geworden. Am Samstagabend ist jeweils viel Laufkundschaft in der Stadt anzutreffen, doch seit dem Freitag dürfen sich nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig in einem Lokal aufhalten, das hat der Bundesrat so entschieden. Diese Massnahme trifft nicht alle gleich hart, doch der Mehraufwand wegen der dauernden Kontrolle, dass ja keine 51. Person das Lokal betritt, ist für alle beträchtlich. Die kleineren Lokale sind an diesem Samstag meist gut besetzt, während die grösseren damit beschäftigt sind, Gäste abzuweisen, obwohl eigentlich noch viel Platz vorhanden wäre. 

 19.30, Bar Capitol beim Bundesplatz: Die Eingangstüre ist geschlossen, ein Schild weist auf englisch darauf hin: «Warten Sie, bis Ihnen ein Sitz zugeteilt wird.» Ein Gast öffnet die Tür von innen, 32 befinden sich im Raucherlokal, das bekannt für seine Cocktails ist. Äussern über die Restriktionen des Bundes mochte sich vom Personal niemand.

Ausbleibende Laufkundschaft

Also schneller Tapetenwechsel in die Baselstrasse. Seit vier Monaten gibt es dort die Brooklyn Bar mit Bier aus dem gleichnamigen Stadtteil von New York.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 14. März 2020

Für Inhaber Martin Krasniqi ist der Zeitpunkt dieser Pandemie ärgerlich. «Wir leben auch von der Laufkundschaft. Von Gruppen, die an der Baselstrasse ihre Beizentour machen. Auch kommen am Samstag Leute ab 17 Uhr vorbei, die hier ihr Feierabend-Bier trinken kommen. Das war diesmal nicht der Fall. Jetzt, wo dieses Lokal langsam bekannt wird, passiert so etwas.» Sechs Gäste sind um 20 Uhr zugegen, doch das Nachtleben beginnt in dieser Gegend sowieso erst ab 22 Uhr. Krasniqi kann mit der Massnahme der Behörden wenig anfangen:

«Ob das Lokal klein oder grösser ist: Wenn einer rein kommt, der das Virus hat, wird es für jeden Gast gefährlich.» 

14-köpfige Gruppe strandet im Anfield Pub

Weiter geht es der Reuss entlang. Bei der Rathaus-Brauerei muss das Personal, das die Eingangskontrolle durchführt, rund ein Dutzend junge Leute, die Einlass begehren, abweisen. «Ausverkauft» ist auch «Bierliebe & Friends», wie auch das «Pick Wick». Draussen ist es aber unüblich ruhig, die sonst beliebten Sitze davor sind leergefegt. Keine Leute, die am Rand der Reuss angeregt plaudern. 

Wir versuchen unser Glück im Anfield Pub beim Schwanenplatz. 200  Quadratmeter gross, Fassungsvermögen 125 Gäste.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 14. März 2020

Das Sportspub ist ein beliebter Treffpunkt, auch für Fussball- und Eishockeyfans. Doch Fussball ist bis auf Weiteres unterbrochen, die Eishockey-Playoffs sind sogar abgesagt worden. Die Wochenend-Nachtschwärmer, die gerade den falschen Zeitpunkt erwischen, müssen am Eingang abgewiesen werden. Der Hintereingang bleibt derzeit geschlossen, damit das Personal jederzeit im Griff hat, wie viele Leute gerade im Lokal anwesend sind. Astrid Koller, Inhaberin des Anfield, sagt:

«Ich verstehe und unterstütze die Massnahmen des Bundesrats. Aber es tut schon weh, wenn ich langjährige Gäste abweisen oder auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten muss.»

Es läuft dezent laute Musik, die Stimmung ist fröhlich. Es sind exakt 47 Gäste zugegen, einer davon ist Marco Trüssel aus dem nidwaldnerischen Büren.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 14. März 2020

Mit 13 Kollegen ist er seit 15 Uhr in der Stadt unterwegs. «Wir versuchten es im ‹Pick Wick› und im ‹Shamrock›, hatten aber keine Chance reinzukommen, obwohl wir unüblich früh in die Stadt kamen.» Also harrt die Gruppe, die eigentlich eine Beizentour geplant hatte, seit 15.30 Uhr im «Anfield» aus.

Wir verlassen dieses, gehen über die Seebrücke. Dort, vor dem «Road House», wo sonst die Hölle los ist, herrscht gähnende Leere. Das bekannte Party-Nachtlokal ist auf der oberen Etage leer, trotzdem kommen wir nicht rein. Die Einlassberechtigten befinden sich im Untergrund, wir bleiben oben. Zu noch späterer Stunde ist zu beobachten, wie Polizisten durch die Strassen patrouillieren, durch die Scheiben der Lokale blicken und die Anzahl der Gäste einschätzen. Eingreifen müssen sie nicht.

Weitere Bilder von der Beizentour: 

Pickwick Pub.
10 Bilder
Brooklyn Bar.
Brooklyn Bar.
Martin Krasniqi und Nathielle von der Brooklyn Bar.
Anfield Pub
Marco Trüssel im Anfield Pub.
Anfield Pub
Anfield Pub.
«Madeleine».
«Madeleine».

Pickwick Pub.

Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 14. März 2020