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«Wenn der Mensch dir beim Frisieren sein Herz ausschüttet»

Andrea Bättig (24) ist in Wauwil aufgewachsen und hat nach der Berufsmatura das Eidgenössische Fachzeugnis als Coiffeuse erworben. Sie wohnt und arbeitet in Luzern und hat zwei bis drei Mal pro Woche ganz besondere Einsätze.
Interview: Turi Bucher
Coiffeuse Andrea Bättig frisiert Tele-1-Moderatorin Fabienne Bamert auf der Redaktion im LZ-Medienhaus. (Bild: Dominik Wunderli (8. März 2018))

Coiffeuse Andrea Bättig frisiert Tele-1-Moderatorin Fabienne Bamert auf der Redaktion im LZ-Medienhaus. (Bild: Dominik Wunderli (8. März 2018))

Andrea Bättig, Sie arbeiten in Luzern für das Fuchs Hair- team, welches seinerseits ein Mandat fürs Frisieren beim Zentralschweizer TV-Sender Tele 1 hat. Auch Sie machen ab und zu vor den Tele-1-Sendungen diesen Job. Gerade eben haben Sie bei Tele-1- Reporterin Fabienne Bamert Hand angelegt. Wie war’s?

Fabienne ist unkompliziert, ich kenne sie schon eine Weile. Sie ist, was Make-up und Frisur betrifft, begeisterungsfähig. Das heisst, ich darf bei ihr auch mal was ausprobieren. Diesmal habe ich ihr die Haare gestreckt. Frisur und Make-up – das hat rund 45 Minuten gedauert.

Wie erleben Sie Ihre Einsätze fürs Tele 1?

Ich frisiere in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche für Tele 1, dabei sitzen Moderatoren und auch Gäste bei mir auf dem Stuhl. Einmal war’s zum Beispiel der ehemalige Fussball-Nationalspieler Alain Sutter. Oder der frühere FCL-Spieler Alain Wiss.

Wie war’s mit den beiden Alains?

Alain Sutter war sehr sympathisch und höflich. Ein ganz normaler Mensch wie du und ich. Er hat den Moderatorinnen auch Autogramme gegeben. Bei Alain Wiss erinnere ich mich, dass ich seinen Haarschnitt ein wenig kritisiert hatte. So wurde er nachher sogar Kunde bei uns im Coiffeurgeschäft. Leider habe ich Bastian Baker verpasst, Gölä und die Musiker von Boss Hoss ebenso.

Was machen Sie genau?

Die Gäste werden gepudert. Das Gesicht darf im Kamerabild bei all der Wärme und dem Licht nicht glänzen. Die Herren kommen oft schon gestylt. Die Frauen sind vielleicht bereits geschminkt oder lassen dann grad alles machen: die Haare und das Make-up. Aber ganz alles können wir dann auch nicht, auch wir haben unsere Grenzen. Ein Beispiel: Fieberblattern sind sehr schwierig perfekt abzudecken.

Sind die Leute heikel, wenn es um ihr Aussehen geht?

Ich bin nun schon eine Weile dabei. Bei neuen Personen ist es zu Beginn schwieriger, man muss sie zuerst kennen lernen. Nach einer Weile werden die Leute offener, dann weiss ich beispielsweise, wie viel Spielraum ich im Bereich Make-up bei den Moderatorinnen habe.

Wer ist schwieriger zu frisieren – Mann oder Frau?

Die Frau. Der Mann kann sich morgens, wenn die Zeit drängt, manchmal mit einem Handgriff frisieren. Frauen haben manchmal Wünsche, die schlicht nicht zu erfüllen sind. Viele Frauen – beim Coiffeur, nicht beim Tele 1 – kommen mit einem Heftli vorbei und wollen die Frisur irgendeiner berühmten Schauspielerin. Da sorgt man halt schon für Enttäuschungen, wenn man klarstellen muss, dass dies nicht zu realisieren ist wegen der Haarstruktur, der Haarmenge oder der Proportionen.

Stimmt es, dass die Menschen beim Coiffeur sogar die privatesten Dinge erzählen?

Es gibt die, die ein Heftli nehmen und beim Klatsch und Tratsch im Magazin verweilen. Und es gibt durchaus die, die aus ihrem Leben erzählen. Da darfst du tatsächlich manchmal die Sozialarbeiterin oder die Psychologin spielen. Wenn ein Mensch dir beim Frisieren sein Herz ausschüttet – wie soll ich da reagieren, was soll ich da sagen? Da bin ich auch mal überfordert. Gleichzeitig ist es auch schön, wenn dir jemand derart Vertrauen schenkt.

Ihr peinlichstes Erlebnis?

Nun, ich war einmal ein bisschen im Verzug und wollte die Zeit aufholen. Leider schnitt ich mir dabei so stark in den Finger, dass ich mehrmals von der Kundin weg musste, weil ich die Blutung nicht richtig stoppen konnte. Naja, man lernt daraus, und ich glaube, jede Coiffeuse und jeder Coiffeur kennt das. Einer Kollegin ist auch schon mal der Lockenstab von den Haaren ins Gesicht einer Kundin abgerutscht. Bei 180 Grad brennt das dann schon ein bisschen. Die Stelle hat sie dann elegant mit Make-up abgedeckt.

Jetzt noch ganz spontan, was würden Sie an meinem Haarschnitt ändern?

Ehrlich gesagt, würde ich Ihre Backenbärte ziemlich kürzen.

Und noch was: Kennen Sie einen guten Coiffeurwitz?

Jetzt gerade nicht.

Gut, dann hab’ ich einen parat: Der Coiffeur sagt zu seinem Kunden: «Ihre Haare sind schon ziemlich grau.» Der Kunde antwortet: «Kein Wunder, bei Ihrem Tempo.»

Den find’ ich nicht schlecht. Zum Glück entsprechen die Witze ja jeweils nicht der Realität ...

www.

Frühere Beiträge dieser Serie finden Sie unter:

luzernerzeitung.ch/dossier

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