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Kolumne

«Mein Bild»: Erlebnisse aus der Touristenstadt Luzern – wenn die Chinesin drückt

Unser Autor Hans Graber sinniert über Begegnungen mit Chinesen in der Stadt Luzern – zum Beispiel in der Bäckerei Bachmann am Schwanenplatz. Wenn Graber sonntags ein Brot braucht, dann geht er nämlich am liebsten in diese Höhle des Löwen bzw. chinesischen Drachens.
Hans Graber
Confiserie Bachmann am Schwanenplatz in Luzern - für einmal in einer ruhigen Phase und noch ohne Drücken. (Bild: Philipp Schmidli, 7. August 2015))

Confiserie Bachmann am Schwanenplatz in Luzern - für einmal in einer ruhigen Phase und noch ohne Drücken. (Bild: Philipp Schmidli, 7. August 2015))

Einerseits erfüllt es einen ja durchaus mit etwas Stolz, in einer vergleichsweise kleinen und mittelprächtigen Stadt zu leben, die millionen-, gefühlt sogar milliardenfach von Touristen heimgesucht wird. Andererseits wird es bisweilen dann doch zu viel des Guten, insbesondere, wenn diese Asiaten und speziell diese Chineserer in breiter Front heranwalzen und in der Hertensteinstrasse ein Durchkommen praktisch verunmöglichen.

An Tagen, da sonst im Leben einiges schief- oder gar nicht läuft – also recht häufig –, habe ich bei mir schon eindeutig fremdenfeindliche Tendenzen ausgemacht. Mehr als einmal habe ich einen Gast aus Fernost auf offener Strasse heftig angeschnauzt. Man steht aber auch nicht mitten auf dem Velostreifen, um ein blödes Selfie mit Hintergrund Wasserturm zu machen. Ist doch wahr, hueresiechnomol.

Meist aber kann ich mich zusammenreissen. Man soll ja nicht so sein. Wenn sie nicht mehr kommen würden, wäre es auch wieder nicht recht. Überhaupt, auch wenn sie in geballter Formation auftreten, sind Touris ja keineswegs die Unerträglichsten in der Stadt und im Kanton erst recht nicht. Am besten sieht man also grosszügig darüber hinweg, wenn sie unter Gruppendruck bei Rot über den Zebrastreifen watscheln. Ebenso, wenn sie – mit Mundschutz ausgerüstet – den Eindruck von nahem Atomkrieg oder jedenfalls Schweinegrippe verbreiten, oder wenn sie am Wochenmarkt sich vordrängeln und auch noch den hinterletzten Blumenkohl ausgiebig betatschen oder die kleine Nase an der prallen Birne reiben (ohne Mundschutz).

Diesbezüglich eine mir neue Dimension erlebt habe ich beim Bachmann am Schwanenplatz. Wenn ich sonntags ein Brot brauche, gehe ich am liebsten in diese Höhle des Löwen bzw. chinesischen Drachens. Zu besten Zeiten kann man da innert Minuten mehr erleben als wenn man stundenlang in den Bergen herumkraxelt oder sich sonst wie einen abstrampelt. Ein Instant-Stahlbad für Körper und Geist. Wer da heil durch ist, dem kann die neue Woche nicht mehr viel anhaben. Wo waren wir? Genau, bei der neuen Dimension. Also, ich habe ein Brot gekauft, Paillasse dunkel. Ich hielt es bereits eingepackt in der Hand, als die Chinesen-Frau herantrat und unvermittelt an meinem Brotsack herumdrückte. Sekundenlang. Dann schaute sie mir wortlos in die Augen, drückte nochmals das Brot, zuckte leicht mit den Schultern und ging weiter zur Schoggiabteilung.

Ich war etwas perplex. Mimik und Gesten der Asiaten sind schwer zu deuten. Scheint’s ist es immer ungefähr das Gegenteil von dem, was man meint. Aber ich wusste nicht mal, was ich meinen soll. Hatte die Chinesin selber einen Paillasse-Kauf in Erwägung gezogen, sich dann aber nach dem Befingern anders entschieden? Wollte sie fürsorglich prüfen, ob das Brot weich genug ist, damit es einer wie ich mit seinen sicherlich morschen Zähnchen noch gefahrlos beissen kann? Oder war es eine etwas spezielle, nur in den Provinzen Guangdong und Shangdong gepflegte Form des Anbändelns? Knusper, knupser, knäuschen? Ich will es in diesem Fall nicht unbedingt hoffen. Aber vielleicht kaufe ich mir jetzt vorsichtshalber doch auch einen Mundschutz. Man kann ihn ja immer noch abstreifen, wenn das Brotdrücken ausufern und einem mal eine passende Nase an die Schrumpelbirne gepresst werden sollte.

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