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Wer darf alles auf den Pausenplatz? Stadt Luzern will Klarheit schaffen

Schulareale sind öffentliche Treffpunkte. Das bringt auch Probleme. Die Stadt Luzern verschärft nun die Regeln.
Larissa Haas
Ein Verbotsschild beim Schulhaus Säli neben dem Pilatusplatz in der Stadt Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch, 27. Oktober 2019)

Ein Verbotsschild beim Schulhaus Säli neben dem Pilatusplatz in der Stadt Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch, 27. Oktober 2019)

Zigarettenstummel, zerdrückte Getränkedosen, Fast-Food-Kartons, kaputte Infrastruktur: Solche Bilder sehen Schulhaus­abwarte manchmal, wenn sie morgens als Erste den Pausenplatz betreten. Denn Schulhausplätze sind grundsätzlich öffentliche Areale: Kinder spielen dort am Mittwochnachmittag, Anwohner picknicken am Sonntag oder verabreden sich zum Ping-pong-Match nach Feierabend. Manchmal herrscht auch nachts Hochbetrieb auf den Schulhausplätzen, etwa wenn sich jugendliche Cliquen treffen. Und weil sich nicht immer alle anständig benehmen, kommt es manchmal zu den oben beschriebenen, unschönen Bildern.

Die Stadt Luzern will künftig einfacher gegen Littering und Ruhestörung vorgehen können. Deshalb werden auf den Schulhausplätzen Tafeln montiert, welche «allen Unberechtigten» das Betreten des Areals vor Schul­beginn und ab 22 Uhr verbieten. Im Prinzip hat die Stadt Luzern schon vor über 20 Jahren Regeln für die Benutzung von Schulhausplätzen definiert. Doch diese waren wenig bekannt, kaum jemand wusste, was wirklich gilt.

Deshalb sollen die Regeln jetzt klarer und verbindlicher kommuniziert werden – für die Schulanlagen Hubelmatt und Littau Matt wurden kürzlich gerichtliche Verbote im Kantonsblatt publiziert. Dabei geht es allerdings nicht nur um Betretungsverbote. Auch Aktivitäten, die mit ausgelassenen Festivitäten in Verbindung gebracht werden, sind fortan untersagt: keine Musik aus Boxen, kein Konsum von Alkohol und Zigaretten, kein Abstellen von Motorfahrzeugen ausser auf Parkplätzen. Auch Tiere sind auf dem Pausenplatz nicht mehr erlaubt. Mit dem Hund die Kinder von der Schule abzuholen, geht also nicht mehr.

2000 Franken Busse für Regelverstösse

Wer sich nicht an die Regeln hält, kann künftig mit einer Geldstrafe von bis zu 2000 Franken gebüsst werden. Die städtische Bildungsdirektion begründet diese Praxis auf Anfrage so:

«Es gilt, die allgemeine Ordnung und Sicherheit auf dem Schulhausareal sicherzustellen und den störungsfreien Volksschulunterricht zu gewährleisten.»

Gregor Gyr, Schulleiter im Schulhaus Hubelmatt, kennt die Probleme von Littering und Vandalismus. Er sagt, dass vor allem nach den Wochenenden auf dem Schulhausareal «Sachen wie Bierdosen und Flaschen» herumliegen. Dennoch plädiert er für Augenmass im Umgang mit diesen Phänomenen. «Unser Schulhausareal ist ein belebter Ort, der die Infrastruktur bietet, um sich auch ausserhalb der Schulzeit darauf aufzuhalten.» So sei etwa der Verkehrsgarten auf dem Schulhausplatz bei Familien sehr beliebt, auch Sportgruppen treffen sich hier mehrmals wöchentlich zum Training.

Judith Dörflinger ist Schulleiterin in den Schulhäusern Steinhof und Säli. Sie sieht die Sache ähnlich wie Gregor Gyr. Auch sie treffe nach den Wochenenden insbesondere auf dem Säli-­Areal auf «Spuren von Partys» und der Pausenplatz müsse jeden Morgen gründlich geputzt werden. Trotzdem würden die Vorteile, die ein Schulhausplatz als Begegnungsort bietet, überwiegen. Das Schulareal sei «ein toller Ort», um sich aufzuhalten, zu spielen und sich zu treffen, sagt Judith Dörflinger. Es solle auch in Zukunft noch möglich sein, dass dieser von der Bevölkerung genutzt werden könne:

«Ich finde es extrem wichtig, dass unsere Stadt genügend Begegnungsplätze für Menschen, speziell für Kinder und Jugendliche, anbietet.»

Hauswart putzt anderthalb Stunden den Platz

Etwas kritischer sieht dies Thomas Nübling. Er ist seit drei Jahren Hauswart im Schulhaus Säli. Die negativen Seiten, die ein öffentliches Schulareal mit sich bringt, erlebt er unmittelbar. Nübling sagt, dass «nicht willkommene Gäste täglich ihre Spuren auf dem Pausenplatz hinterlassen». Dies betreffe etwa die öffentlichen Toiletten oder die Infrastruktur auf dem Pausenplatz, die bekritzelt oder mit Spraydosen bemalt werde.

Einmal habe jemand sogar versucht, unter einem Tisch ein Feuer zu machen. Ein weiteres Problem sei der Abfall, der jeden Morgen auf dem Platz herumliege, so Nübling. Er betont, dass er täglich um 6.30 Uhr auf dem Areal stehe, um dann rund eineinhalb Stunden den Platz zu reinigen und sämtliche Abfallkübel zu leeren. «Zu Spitzenzeiten sind es sogar zweieinhalb bis drei Stunden.» Ihm sei es wichtig, dass sich die Kinder jeden Morgen auf dem Platz willkommen fühlen, deswegen investiere er in das «Fötzelen und Reinigen» viel Zeit. Das Schulhaus soll zu Schulbeginn «einladend» aussehen, damit der Schulbetrieb täglich «geregelt» weitergehen könne. «Schliesslich müssen wir für unsere Kinder ein Vorbild sein und den Eltern zeigen, dass ihre Kinder hier gut aufgehoben sind.»

Längst hat Nübling seine Methoden gefunden, mit «nicht willkommenen» Gästen umzugehen. Er sagt, er mache jene Leute, die sich nicht an die Regeln halten, auf die Schulordnung aufmerksam und suche das Gespräch. «Mit dem nötigen Respekt dem anderen gegenüber lässt sich meist vieles klären», sagt er, um zugleich anzumerken, dass er in Extremfällen die Polizei auf den Platz delegiere.

«Wir haben Regeln und wenn diese nicht eingehalten werden, muss man reagieren.»

Bei harten Drogen gibt’s kein Pardon

Nübling schildert folgende Situation: «Einmal habe ich beobachtet, wie jemand härtere Drogen zu sich genommen hat. Da kenne ich kein Pardon, schliesslich geht es um die Sicherheit der Kinder.» Nübling würde es begrüssen, wenn das nächtliche Betretungsverbot mit härteren Massnahmen durchgesetzt würde.

Damit weist der Hauswart auf ein Problem hin, das im Alltag immer wieder zu Missverständnissen führt: In der Praxis sei nicht eindeutig, wer eigentlich für die Kontrolle des Schulhausareals zuständig sei. Ist es die Schule und der Hauswart? Oder die Polizei? Eine klarere Regelung liesse sich als ein «Zeichen der Unterstützung» gegenüber allen Hauswarten interpretieren, sagt Nübling und betont:

«Ich könnte dann meine Zeit in sinnvollere Arbeiten investieren.»

Das Schulhaus Säli neben dem Pilatusplatz dürfte in dieser Hinsicht ein extremes Beispiel sein. Dies bestätigt auch Judith Dörflinger, die neben dem Säli auch das Schulhaus Steinhof im viel ruhigeren Untergütschquartier leitet. Sie weiss aus Erfahrung, dass der Standort des Schulhauses ein entscheidendes Kriterium für das Ausmass von nächtlichen Aktivitäten ist.

Es dürfte also weitgehend von der Perspektive abhängen, ob das nächtliche Treiben auf Schulhausplätzen als unangenehmes Phänomen oder ernstzunehmende Problematik eingestuft wird. Viele Schulleiterinnen und Schulleiter sind sich einig: Die Vorteile, die ein Schulhausplatz als Interaktionsraum bietet, überwiegen.

Stadt will öffentliche Schulhausplätze

Ähnlicher Meinung ist auch die Bildungsdirektion, die trotz dem Anziehen der Schrauben eine öffentliche Nutzung von Schulhausplätzen grundsätzlich befürwortet. «Sie sind Teil von Quartieren und neben ihrer Hauptfunktion als Lehranstalt dienen sie auch als frei zugängliche Begegnungs- und Freizeitorte», heisst es in der Antwort der Bildungsdirektion weiter.

Gregor Gyr vom Schulhaus Hubelmatt fügt hinzu: «Wir reden hier von einem komplexen Problem, wofür es nur komplexe Lösungen gibt.» Statt sämtliche Besucher vom Schulhaus fernzuhalten, sei es sinnvoller, gezielt bestimmte Personengruppen auf das Areal zu locken – Sportvereine oder Familien zum Beispiel. Für ihn steht fest, dass mit einem generellen Betretungsverbot die Problematik nicht behoben, sondern nur verlagert wäre: «Die Menschen würden sich dann halt einfach an einem anderen Ort in der Stadt treffen, das ist ja auch nicht Sinn und Zweck der Sache», sagt Gyr.

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