Wer die Quarantäne missachtet, wird gebüsst – alles wichtige zur Pressekonferenz von Gesundheitsdirektor Guido Graf

Der Kanton Luzern informierte am Freitag über das Contact-Tracing. Und er hat beschlossen, das Medical Center in Nottwil vorerst zu schliessen.

Dominik Weingartner und Fabienne Mühlemann
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Zum Schluss der Pressekonferenz wandte sich Gesundheitsdirektor Guido Graf an die Senioren. «Gehen Sie nach draussen, halten Sie sich an die Hygiene- und Distanzregeln und vermeiden Sie Gruppen von mehr als fünf Personen, aber leben Sie Ihr Leben!», ermunterte der CVP-Politiker die älteren Mitbürger. «Wir werden noch relativ lange mit dem Coronavirus leben müssen. Es wäre schade, wenn wir jetzt nur noch zu Hause bleiben würden», so Graf.

Zuvor informierte der Gesundheitsdirektor zusammen mit Kantonsarzt Roger Harstall über die neusten Entwicklungen der Coronapandemie in seinem Zuständigkeitsbereich. Das sind die wichtigsten Punkte:

Contact-Tracing

Der Kanton Luzern hat das Contact-Tracing bereits am 4. Mai wieder aufgenommen, wie Harstall am Freitag erläuterte. Ziel sei es, «Personen zu identifizieren, die direkten oder indirekten Kontakt zu einer erkrankten Person» hatten. Die Verfolgung von solchen Einzelfällen ist nur möglich, wenn die Fallzahl gering ist. Harstall sagte, in den vergangenen zwei Tagen habe es keine neuen Coronafälle gegeben. Wie in anderen Kantonen kommt in Luzern die in Deutschland entwickelte Software Sormas zum Einsatz. Das Contact-Tracing wird von der Lungenliga Zentralschweiz in Zusammenarbeit mit der kantonalen Dienststelle Gesundheit und Sport durchgeführt. Wird eine Person positiv auf Corona getestet, nimmt die Lungenliga Kontakt mit ihr auf. Sie ermittelt auch die engen Kontaktpersonen. Die erkrankte Person muss in Isolation, die Kontaktpersonen in Quarantäne. Das dauere in der Regel zehn Tage. «Die Anordnung der Isolation beziehungsweise Quarantäne ist rechtlich verbindlich», sagte Harstall. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Anzeige und einer Busse rechnen. Zurzeit befinden sich im Kanton Luzern acht Personen in Isolation und 29 in Quarantäne.

Medical Center Nottwil

Auf dem Gelände des Schweizerischen Paraplegiker-Zentrums (SPZ) in Nottwil wurde Ende März das Medical Center – ein Notspital mit mindestens 200 Betten – errichtet. Gestern sagte Graf dazu: «Zum Glück haben wir das Medical Center nicht gebraucht.» Er habe deshalb entschieden, dieses bis Ende Mai zurückzubauen. «Wenn ich schaue, wie viele Betten im Luzerner Kantonsspital, im St.Anna und im SPZ frei sind, dann zeigt mir dies, dass wir genügend Kapazitäten haben», so Graf. Bei Bedarf kann das Medical Center innert drei Wochen wiederaufgebaut werden. Auch das Personal – Angehörige von Zivilschutz und Armee sowie freiwillige Helfer – steht auf Abruf bereit. Das notwendige Material wird eingelagert. Insgesamt kostete das Medical Center den Kanton zwischen 200000 und 250000 Franken.

Das Medical Center in Nottwil wird abgebaut.

Das Medical Center in Nottwil wird abgebaut.

Urs Flüeler/Keystone

Leitfaden

Die Luzerner Spitäler haben unter der Leitung des Gesundheitsdepartements einen Leitfaden erstellt, wie mit der Pandemie umzugehen ist. Dieser ist in drei Phasen eingeteilt. «Momentan befinden wir uns in Phase A», so Graf. Das bedeutet, es stünden viele nicht belegte Akutbetten bereit. Wenn diese knapp werden, tritt Phase B ein. «Dann werden am SPZ Beatmungsplätze auf der Intensivstation erstellt.» In der nächsten Phase C werden am Kantonsspital und im St.Anna nicht dringliche Eingriffe verschoben, wie dies bereits bis Ende April der Fall war. In dieser Phase könnte optional auch das Medical Center in Nottwil wieder aufgebaut und in Betrieb genommen werden. «Wir sind überzeugt, auf diese Art und Weise unserer Bevölkerung eine gute medizinische Versorgung bieten zu können, ohne unnötige Vorhalteleistungen machen zu müssen», sagte Graf.

Testzentren

Das Drive-in-Testzentrum in Luzern wird von der Messe Luzern auf das Gelände des Armeeausbildungszentrums verlegt. Dort können ärztlich überwiesene Verdachtsfälle mit dem Auto vorfahren und sich auf das Coronavirus testen lassen. Man wolle die «geschäftlichen Aktivitäten der Messe Luzern» nicht beeinträchtigen, begründete Graf die Verlegung. Am Montagnachmittag nimmt das Zentrum am neuen Standort den Betrieb auf. Zurzeit würden rund zehn Tests pro Tag durchgeführt. Auch das Testzentrum in Willisau wird weitergeführt. Dort wurden seit der Eröffnung am 1. April rund 70 Abstriche abgenommen. «Das ist weniger als erwartet», sagte Manfred Wicki, Ärzteobmann der Region.

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