Wer nicht reagiert, zahlt automatisch mehr

Kunden des Energiedienstleisters Energie Wasser Luzern (EWL) können ab sofort wählen, welchen Strom sie wünschen. Pikant: Wer nicht reagiert, erhält ab 1. Januar 2013 automatisch den teureren Strom.

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Stephan Marty, Vorsitzender der Geschäftsleitung, vor der Werbekampagne. (Bild: PD)

Stephan Marty, Vorsitzender der Geschäftsleitung, vor der Werbekampagne. (Bild: PD)

EWL-Kunden in der Stadt Luzern erhalten in diesen Tagen ein Schreiben mit dem Titel «Welchen Strom hätten Sie gerne?». Hintergrund: Kunden sollen entscheiden, ob sie ab dem 1. Januar 2013 mit Naturstrom (aus erneuerbarer Energie aus der Schweiz), mit Wasserstrom, mit Solarstrom (beide aus der Region) oder mit Graustrom (grösstenteils aus Kernenergie) beliefert werden möchten.

Aufhorchen lässt: Wer das ausgefüllte Schreiben nicht retourniert, erhält fortan automatisch Naturstrom - dies «im Sinne einer ökologischen Ausrichtung» von EWL, wie es in einer verschickten Medienmitteilung zum Thema heisst. Wichtig zu wissen: Natur- kostet mehr als Graustrom, rund 1 Rappen mehr pro Kilowattstunde. Laut Mitteilung der EWL führe dies zu geringen Mehrkosten. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt betragen die monatlichen Mehrkosten rund vier Franken.

Petra Zimmermann, Leiterin Marketing bei EWL: «Jeder Kunde soll selbstverständlich selber wählen, wo er seinen Schwerpunkt setzt.» Sie betont: «Falls jemand unbeabsichtigt nicht antwortet und fortan ohne es zu wollen mit Naturstrom beliefert wird, kann mit einmonatiger Kündigungsfrist wieder auf ein anderes Produkt gewechselt werden.».

Hinter diese Vorgehensweise stellt die nationale Stiftung für Konsumentenschutz ein grosses Fragezeichen. André Bähler führt auf Anfrage aus: «Wer etwas nicht will, muss sich abmelden: Diese Praxis ist kundenunfreundlich und führt erfahrungsgemäss zu zahlreichen Beschwerden von Kunden, die das Informationsschreiben nicht oder zu wenig genau gelesen haben.» Aus rechtlicher Sicht sei die Praxis von EWL indes nicht zu beanstanden.

rem/scd