Wer übernachtet während der Coronakrise noch im Hotel? Eine Umfrage bei Luzerner Hoteliers

Einige Hotels in Luzern empfangen noch immer Gäste: Nicht nur gestrandete Reisende nutzen das reduzierte Angebot.

Julian Spörri
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Gastgeber Marco Waltert bereitet die Betten des Hotels feRUS, das trotz Corona Gäste empfängt.

Gastgeber Marco Waltert bereitet die Betten des Hotels feRUS, das trotz Corona Gäste empfängt.

Bild: Boris Bürgisser (Emmen, 14. April 2020)

In vielen Hotels bleiben derzeit die Betten leer. Zwar dürften sie trotz Coronakrise weiter geöffnet haben – doch das Geschäft ist oftmals nicht rentabel. «Sehr viele Betriebe sind vorübergehend geschlossen, da die Gäste ausbleiben», sagt Conrad Meier, Präsident von Luzern Hotels. Die Branche habe zwar schon verschiedene Herausforderungen wie das Sars-Virus oder die Bankenkrise erlebt. «Die aktuelle Zeit ist aber ausserordentlich schwierig, weil niemand mit solchen unmittelbaren und flächendeckenden Auswirkungen auf den Tourismus Erfahrung hat.»

Doch es gibt sie: Die Hotels, die weiterhin Kundschaft empfangen. Laut einem Online-Verzeichnis des Verbands Hotelleriesuisse haben vierzehn Betriebe in der Stadt Luzern geöffnet, darunter das «Ibis Styles Luzern City». Gemäss Hoteldirektor Samil Benli sind derzeit rund 10 von 115 Zimmern besetzt. «Wir beherbergen vor allem Firmenangestellte und Reisende aus dem Ausland, die nicht mehr heimfliegen können. Wir hatten aber auch Gäste, die wegen eines Wasserschadens zu Hause in unserem Hotel übernachtet haben», so Benli.

«Mit dem Angebot können wir zwar keinen Gewinn machen, aber den Schaden zumindest etwas kompensieren.»

Gewisse Fixkosten laufen nämlich weiter – unabhängig davon, ob das Hotel offen ist oder nicht.

Hotels versuchen Gäste mit Alternativangeboten anzulocken 

Ebenfalls normal geöffnet ist das direkt beim Bahnhof gelegene Hotel Monopol - als einziges Viersternhotel in der Stadt, wie es auf der Homepage heisst. Die Nachfrage nach Zimmern sei aber eingebrochen, insbesondere weil keine ausländischen Gäste mehr kommen könnten, sagt Hoteldirektorin Brigitte Heller, die die aktuelle Situation als «verheerend» bezeichnet. Im Durchschnitt seien nur drei bis vier Zimmer besetzt – meist von Geschäftskunden. Für die ebenfalls im Angebot stehenden Homeoffice-Zimmer habe das Hotel bislang keine einzige Anfrage erhalten.

Nur unter Minimalbetrieb läuft derweil das Stadtluzerner Hotel Continental Park weiter, wie es auf Anfrage heisst. Ab dem 20. April wird der Betrieb wieder komplett hochgefahren. Derzeit werden Zimmer wochenweise als Arbeitsplatz zu Bürozeiten vermietet. Seit der Lancierung des Angebots vor rund zwei Wochen habe man indes noch keine Anfragen für eine einwöchige Miete erhalten, so das Hotel Continental Park weiter. Im Unterschied zu anderen Hotels verzichtet das Ibis Styles Luzern City auf solche Alternativangebote. Für Homeoffice-Zimmer fehle schlichtweg die Nachfrage, begründet Samil Benli. «Quarantäne-Zimmer für private Corona-Patienten will ich zum Schutz meiner eigenen Mitarbeiter nicht einrichten.»

Marco Waltert im Hotel feRUS.

Marco Waltert im Hotel feRUS.

Bild: Boris Bürgisser (Emmen, 14. April 2020)

Anders sieht man dies im Hotel Alpenblick in Weggis, das Teil der «Sinnvoll Gastro Gruppe» ist und Quarantäne-Zimmer anbietet. Beim Arbeiten würden Handschuhe und Mundschutz getragen, betont Gastgeberin Sarah Schindler. Und für die Zimmerreinigung gebe es einen Schutzanzug, damit sich die Mitarbeitenden nicht anstecken. Bisher sei aber die Nachfrage für die Quarantäne-Zimmer, ebenso jene für Homeoffice, «nicht vorhanden bis gering» gewesen. Abgesehen von diesen beiden Angeboten ist das Hotel Alpenblick geschlossen. «Den Betrieb mit Küche und allen Mitarbeitenden aufrecht zu erhalten, wäre in keinem Verhältnis zum Ertrag gestanden», erklärt Sarah Schindler. Für die Angestellten wurde Kurzarbeit angemeldet.

Einnahmen reichen nicht aus, um die Miete zu decken

Aber auch die Sinnvoll Gastro Gruppe hat noch einen komplett offenen Hotelbetrieb. Laut Sarah Schindler sind im Hotel feRUS unter der Woche bis zu zwölf von 22 Zimmern besetzt. Auch das Frühstücksbuffet wird weiterhin angeboten. «Bei den Gästen handelt es sich um Angestellte von Firmen oder Arbeiter, beispielsweise aus der Baubranche.» Ebenfalls werde schon seit Wochen ein italienischer Gast beherbergt, der zwar heimreisen könnte, dann jedoch nicht wieder zurück in die Schweiz zum Arbeiten dürfte. «Wir halten weiter offen, weil wir unsere Gäste und Firmenkunden nicht im Stich lassen wollen», so Sarah Schindler.

«Auch finanziell wirft der Weiterbetrieb etwas ab. Dies reicht aber nicht einmal aus, um die Miete zu decken.»

Meist leer bleiben derzeit die acht Zimmer des Gasthof und Hotels Rössli in Adligenswil. Nur am Osterwochenende sei ein Wanderer, der die Schweiz durchquere, für eine Nacht geblieben, heisst es auf Anfrage. Trotzdem wird das Angebot aufrecht erhalten. Gastgeberin Susy Sager erklärt: «Wenn Gäste kommen, dann ist es eine Kostenminderung. Wir haben jedoch keinen zusätzlichen Aufwand, wenn wir die Buchungsmöglichkeit offen lassen und sie nicht benutzt wird.» Auf seiner Homepage bewirbt das Hotel explizit auch Zimmer für Homeoffice. Susy Sager sagt dazu: «Ich könnte mir vorstellen, dass diesbezüglich die Nachfrage steigt, weil viele Leute genug vom Arbeiten Zuhause haben werden.»

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