Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Der Luzerner Grosse Rat: Wer und was das Kantonsparlament damals prägte

Historikerin Margrit Steinhauser zeichnet die bewegte Geschichte des Luzerner Grossen Rats nach. Das Werk der ehemaligen SP-Parlamentarierin ermöglicht überraschende Einblicke in das Leben und Wirken der Volksvertreter.
Lukas Nussbaumer
Brigitte Mürner (CVP, links) wurde am 26. November 1985 zur ersten Luzerner Grossratspräsidentin gewählt, zwei Jahre später schaffte sie es als ebenfalls erste Luzerner Frau in die Regierung. Rechts gratuliert Josi Meier. (Bild: PD)

Brigitte Mürner (CVP, links) wurde am 26. November 1985 zur ersten Luzerner Grossratspräsidentin gewählt, zwei Jahre später schaffte sie es als ebenfalls erste Luzerner Frau in die Regierung. Rechts gratuliert Josi Meier. (Bild: PD)

204 Jahre, 2582 Grossräte. Das ist der Rahmen des Buchs, in dem Margrit Steinhauser die Geschichte des Luzerner Grossen Rats von seiner Entstehung 1803 bis zur 2007 beschlossenen Namensänderung in «Kantonsrat» erzählt. Die Historikerin war selber Volksvertreterin – für die SP, zwischen 2000 und 2011, zuerst als Gross-, dann als Kantonsrätin. Auftraggeberin der nüchtern konzipierten Publikation ist die Luzerner Regierung, Herausgeber das Staatsarchiv. Die Auflage beträgt 400 Exemplare. Am Dienstagabend wurde das Werk im Kantonsratssaal präsentiert.

Margrit Steinhauser.

Margrit Steinhauser.

Steinhauser blickt auf die Anfänge des Grossen Rats mit seinen damals 60 Mitgliedern zurück und beschreibt in der Folge einschneidende Entwicklungen. Dazu gehören die Machtwechsel von den Liberalen zu den Konservativen und umgekehrt im 19. Jahrhundert genauso wie die Einführung des Proporzwahlsystems 1911 und des Frauenstimmrechts 60 Jahre später.

Die Autorin sagt, sie sei während der neun Jahre dauernden Recherchen immer wieder überrascht worden. So dadurch, dass die Wahl in den Grossen Rat in seiner Entstehungszeit an die Steuerkraft der Interessenten gebunden war. Steinhauser:

«Beeindruckt hat mich zudem, wie viel die Grossräte geleistet haben und wie vielen Tätigkeiten sie gleichzeitig nachgegangen sind.»

Erste Sitzung mit Frauen 1971 nicht fotografiert

Politisch und historisch interessierte Leser erfahren im 216 Seiten starken Band einiges. Etwa über das Jahr 1971, in dem erstmals acht Frauen in den Grossen Rat gewählt wurden. Bilddokumente von der konstituierenden Sitzung vom 15. Juni 1971 gibt es jedoch nicht – im heutigen Selfie-Zeitalter unvorstellbar. Auf die acht Pionierinnen – unter ihnen die späteren CVP-Nationalrätinnen Judith Stamm und Josi Meier – sollten bis zum Ende des zuletzt 170 Mitglieder zählenden Kantonsparlaments weitere 155 Frauen folgen. All ihre Kurzbiografien sind im Buch aufgelistet.

Auch jene von Brigitte Mürner. Sie wurde am 26. November 1985 zur ersten Frau Grossratspräsidentin, also zur höchsten Luzernerin, gekürt. Bis heute schafften es weitere neun Frauen an die Spitze des Gross- oder Kantonsrates. 1987 wurde die CVP-Vertreterin Mürner gar zur ersten von bisher drei Luzerner Regierungsrätinnen gewählt.

Geht's ums Geld, geben sich die Parlamentarier zurückhaltend

In diesen Abschnitten lebt das Buch am stärksten. Ebenso später, wo die Autorin bei der Beschreibung der Berufe der Grossräte aus heutiger Sicht Erstaunliches in die mit vielen Zahlen durchsetzten Kapitel einwebt. Ärzte etwa versuchten Mitte des 19. Jahrhunderts ihr bescheidenes Einkommen mit Ämtern wie jenem des Grossrats aufzubessern. Oder sie betätigten sich als Richter und Wirte.

Selbst heute, wo ein Kantonsratsmandat zwischen 15 und 25 Prozent eines Vollpensums ausmacht, verdienen Luzerner Volksvertreter mit durchschnittlich etwa 12'000 Franken pro Jahr im Vergleich mit anderen Kantonen eher wenig. Und jedes Mal, wenn es um höhere Entschädigungen geht, geben sich die Parlamentarier sehr zurückhaltend. Letztes Beispiel ist das wuchtige Nein vor knapp vier Monaten zu einer IT-Entschädigung von 250 Franken pro Kantonsrat und Jahr.

Weitere Müsterchen gibt es zuhauf. 1871 beispielsweise reduzierte der Grosse Rat das 1863 auf 6 Franken festgelegte Taggeld aus wahltaktischen Gründen auf 4 Franken. Diese Entschädigung hatte bis 1928 Bestand.

Autorin selbst von Sparmassnahmen betroffen

Erfahrungen mit Sparmassnahmen machte während der Entstehungszeit des Buchs auch Margrit Steinhauser selber. Als Autorin genauso wie als Gross- und Kantonsrätin. 2010 wurde die frühere Lehrerin und Geschäftsführerin der Luzerner SP von der Regierung beauftragt, die Geschichte des Grossen Rats aufzuarbeiten und in eine Datenbank zu übertragen. Steinhauser nahm diese Aufgaben während fünf Jahren in einem 40-Prozent-Pensum wahr. Dann strich die Regierung den Auftrag aus Spargründen. Die Historikerin machte in ihrer Freizeit weiter - und begründet dies so:

«Die Vorarbeiten waren sehr aufwendig. Ich wollte das Projekt nicht sterben lassen.»

Die Finanzen hätten auch ihre Zeit im Kantonsparlament dominiert, blickt die 65-Jährige auf ihre politische Tätigkeit zurück. «Ein Sparpaket nach dem anderen hat die Agenda bestimmt. Das war früher anders.» Margrit Steinhauser weiss, was früher heisst.

«Der Luzerner Grosse Rat 1803-2007» ist im Buchhandel für 48 Franken erhältlich. ISBN 978-3-0340-1507-3.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.