Wer zu wenig stiehlt, wird geschlagen

Familien von Roma-Kindern im Elsass zwingen ihren Nachwuchs zum Stehlen. Wer nicht reüssiert, muss mit drakonischen Strafen rechnen.

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«Die Kinder sind eigentlich mehr Opfer als Täter», sagt der französische Polizist Patrick Gauthier. (Bild: pd)

«Die Kinder sind eigentlich mehr Opfer als Täter», sagt der französische Polizist Patrick Gauthier. (Bild: pd)

Letzte Woche berichtete unsere Zeitung vom Schicksal einer 14-jährigen Diebin, die im September bei einer Einbruchstour in St. Niklausen verunfallte und seither querschnittgelähmt ist. Wie so viele andere kam auch dieses Kind nicht freiwillig zum Stehlen in die Schweiz.

Der französische Polizist Patrick Gauthier kennt die Strukturen der Roma-Clans im Elsass aus dem Effeff. Er weiss, dass Kinder aus diesem Milieu von den Erwachsenen systematisch auf Diebestour geschickt werden. Er sagt: «Diese Kinder sind eigentlich mehr Opfer als Täter.» Denn versagt der Nachwuchs bei seinen Beutezügen, werden die Kinder zum Teil hart bestraft. Das können Schläge sein, aber auch Essensentzug oder das Aussetzen in Wäldern. Bestraft werden die Mädchen und Knaben nicht nur von ihren leiblichen Eltern. Denn zu den Clans gehören auch Tanten, Onkel und andere Verwandte. Wenn die Kinder stehlen, lassen sie vor allem Ware wie Schmuck und Uhren mitlaufen. Dinge, die via Hehler leicht zu verhökern sind.

Thomas Heer

Wer bleibt auf der Rechnung sitzen?

Noch immer liegt die 14-jährige Patientin querschnittgelähmt im Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ in Nottwil. Wer dereinst den Pflegeaufwand von deutlich über 100 000 Franken tragen wird, ist weiterhin offen. Denn die Verunfallte verfügt über keinen Versicherungsschutz.

Zwecks Kostengutsprache ist das SPZ bei der Gemeinde Horw schon einmal vorstellig geworden. Aus der Horwer Gemeindekasse ist bis heute aber noch kein Franken geflossen. Vertreter vom Kanton, dem SPZ und Horw sind vor Wochen bereits einmal zusammengekommen und haben sich über die finanziellen Konsequenzen des Falles ausgetauscht.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Sonntag in der Zentralschweiz am Sonntag.