WERTHENSTEIN: Arbeiter am Seil: Jetzt wird das Kloster gesichert

Der Fels unter der Klosteranlage bereitet schon seit Jahren Sorgen. Bei den soeben begonnenen Sicherheitsarbeiten donnert auch schon mal Gestein in die darunter liegende Kleine Emme.

Matthias Stadler
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Die Klosteranlage steht unmittelbar am Abgrund des instabilen Felsens, der nun gesichert wird. (Bild: Pius Amrein)

Die Klosteranlage steht unmittelbar am Abgrund des instabilen Felsens, der nun gesichert wird. (Bild: Pius Amrein)

Schon seit Jahrhunderten bewegt der eingangs Werthenstein stehende Fels die Gemüter. So sucht ein Niederländer um das Jahr 1500 Gold am Emmenknie. Aus der Höhe vernimmt er in einer Nacht Gesänge. Die Stelle wird daraufhin zu einem Pilgerort, vor 400 Jahren entsteht die Wallfahrtskirche Werthenstein. Später folgt rund um die Kirche der Bau des Klosters. Und heute ist die ganze Anlage in Gefahr, weil der Fels darunter seit Jahren erodiert. Immer wieder kommt es zu Felsabbrüchen, so etwa 2014, als 800 Kubikmeter in die Kleine Emme donnerten.

Um die Klosteranlage längerfristig zu schützen, muss der Fels gesichert werden. Und das wird nun gemacht. Seit kurzem sind die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen. Jetzt geht es dem Felsen ans Eingemachte, die Sicherungsarbeiten haben begonnen, wie gestern auf einer Baustellenführung erklärt wurde. Zuständig ist die Dienststelle Immobilien des Kantons Luzern, da dieser das unter Denkmalschutz stehende Kloster besitzt.

Bauarbeiter hängen am Abgrund

Bis zu 20 Bauarbeiter werken am 60 Meter hohen Fels, teilweise mit Seilen gesichert und am Abgrund hängend. Wo früher Bäume und Sträucher standen, ist der Fels nun nackt. Zurzeit werden Anker für die Felsstabilisierung und die Netzabdeckungen versetzt. Dieses Netz soll dann wie ein Vorhang über den Fels gelegt werden. Bei den Arbeiten kommt es schon mal vor, dass ein grösserer Felsbrocken in die Kleine Emme stürzt, von den Zuschauern mit einer Mischung aus Schreck und Interesse verfolgt. Momentan wird zudem die Klostermauer mit einem Riegel aus Beton verstärkt. Laut Bauingenieur Alois Käslin werden unter anderem 7 Kilometer Nägel und 600 Kubikmeter Beton verbaut. Dabei werden aber auch etwa 1100 Kubikmeter Fels abgebaut. «Es herrscht Handlungsbedarf», sagt Käslin. Ziel ist unter anderem, die Erosion des Felsens zu verlangsamen. Bei Messungen stellten Experten nämlich fest, dass sich die Felsmitte beim Mergelband teilweise bis zu 10 Zentimeter pro Jahr bewegte.

Die Bauarbeiten werden im Winter durchgeführt, weil die Kleine Emme zu dieser Jahreszeit weniger Wasser führt. Da das Kloster Werthenstein unter Denkmalschutz steht, beteiligt sich auch der Bund an den Kosten der Arbeiten. Etwa 4,9 Millionen Franken sollen diese kosten, der Bund bezahlt davon 2 Millionen. Für den Rest kommt der Kanton Luzern als Eigentümer der Anlage auf. Es ist vorgesehen, dass die Arbeiten gegen Anfang April fertiggestellt werden. In fünf Jahren wird von den Arbeiten laut Alois Käslin nichts mehr zu sehen, die Vegetation also wieder hergestellt sein. Mit den Massnahmen soll die Felswand laut der Dienststelle Immobilien für die nächsten zwei Generationen – also etwa 50 Jahre – gesichert sein.

www. Mehr Bilder finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/bilder

Matthias Stadler