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WERTHENSTEIN: Gemeindeschreiber Buchers letzter Tag im Nachbarshaus

Der Gemeindeschreiber Erwin Bucher (64) verabschiedet sich nach 40 Jahren aus der Verwaltung. Schon als Kleinkind fühlte er sich vom Gemeindehaus angezogen, wenn auch auf schmerzhafte Weise.
Stephan Santschi
40 Jahre im Dienst der Gemeinde: Erwin Bucher zwischen seiner Wohnung und dem Gemeindehaus. (Bild: Nadia Schärli (Werthenstein, 23. Juni 2017))

40 Jahre im Dienst der Gemeinde: Erwin Bucher zwischen seiner Wohnung und dem Gemeindehaus. (Bild: Nadia Schärli (Werthenstein, 23. Juni 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

«Wenn es regnet, brauche ich auf dem Weg ins Büro keinen Regenschirm. Und ich stehe nie im Stau.» Erwin Bucher (64) sitzt in seinem Büro und lacht. Sein Wohnsitz befindet sich unmittelbar neben dem Werthensteiner Gemeindehaus, sein Arbeitsweg beträgt lediglich ein paar Sekunden. Heute nimmt er ihn ein letztes Mal unter die Füsse, Bucher tritt Ende Juni in den Ruhestand – nach insgesamt 40 Jahren in der Verwaltung, davon die letzten 32 als Gemeindeschreiber. Parallel dazu arbeitete er selbstständig erwerbend als Notar. «Meinen Beruf habe ich immer sehr gerne ausgeübt, es war nie ein Müssen.» Gefehlt wegen Krankheit oder Unfall habe er nur selten. Das verdanke er seiner stabilen Gesundheit, sagt Erwin Bucher. Und Ehefrau Rosmarie, die immer wieder ein Mittelchen fand, um ihn auf die Beine zu bringen. Eine «echte Entlastung» sei sie trotzdem, die Pension. «Im Alter wird man halt etwas langsamer.»

Die Pendenzen musste Bucher vor seiner Derniere abarbeiten. Der Grund: Die treue Seele wird heute gebührend verabschiedet. Zunächst frühstückt er in seinem Büro mit den jetzigen Mitarbeitern, dann geht es mit aktuellen und ehemaligen Gemeinderäten zum Lunch ins Werthen­steiner Kloster, ehe auch ehemalige Mitarbeiter und Lehrlinge dazustossen und die Festgesellschaft vor dem Gemeindehaus komplettieren. «Wir erwarten rund 80 Personen. Von mir aus wäre es auch in einem einfacheren Rahmen möglich gewesen, natürlich fühle ich mich aber sehr geehrt», sagt der Vater von zwei Söhnen.

Erst Vierter im Amt seit 1889

Erwin Bucher ist nicht der einzige Gemeindeschreiber, der Werthenstein während vieler Jahre diente. Seit 1889, seit die Gemeinde in der heutigen Grösse besteht, bekleideten nur vier Personen dieses Amt. «Eine Besonderheit im Kanton Luzern» sei das, versichert Bucher, ohne genau zu wissen, woran das liegt. In seinem Fall sei schon früh eine gewisse Anziehungskraft zu diesem Job spürbar gewesen. So fiel er als Kleinkind beim Bau des Gemeindehauses in die Baugrube, später fragte ihn sein Vorgänger Richard Steiner spontan, ob er nicht Lust habe, bei ihm die Verwaltungslehre zu absolvieren. Und nachdem Bucher am Ende eines achtjährigen Gastspiels in Luzern (Staatsbuchhaltung) und Neuenkirch (Gemeindebuchhalter und Stellvertreter des Gemeindeschreibers) in die Heimat zurückgekehrt war, übernahm er im Jahr 1985 die Nachfolge seines im Amt verstorbenen Lehrmeisters. «Ich schätze die überschaubare Grösse Werthensteins und den direkten Kontakt zu den Leuten», erklärt er. Deshalb schlug er die Möglichkeit eines Wechsels zu einer öffentlichen Verwaltung einer grösseren Ortschaft aus.

Verändert hat sich vieles in all den Jahren, der Computer ersetzte die mechanische Schreibmaschine, das EDV-System machte die Heimbesuche und die Stippvisiten auf den Bauernhöfen zur Volks- und Viehzählung überflüssig. Die Industrie und das Gewerbe wuchsen beträchtlich, lediglich die Einwohnerzahl stieg kaum an, hat bis heute die 2000er-Marke nur knapp überschritten. Der Zusammenschluss mit Wolhusen war dabei eines der ersten kantonalen Fusionsprojekte. Nicht zuletzt wegen der speziellen Geografie Werthen­steins kam es aber nie zum Vollzug. «Die Ortsteile Werthenstein und Wolhusen-Markt tendierten zu Wolhusen, derweil sich Schachen lieber Malters angeschlossen hätte.»

Ab Juli wird der Buttisholzer Peter Helfenstein die Leitung der Werthensteiner Gemeindeverwaltung übernehmen, er selber könne fortan ja von nebenan ein Auge auf seine alte Wirkungsstätte werfen, sagt Erwin Bucher mit einem Augenzwinkern, um sogleich abzuwiegeln: «Ich werde meinem Nachfolger sicher nicht dreinreden.» Nun freut er sich auf mehr Zeit fürs Reisen, möglicherweise auf Besuche in Japan, wo sein Bruder lebt. Oder in Griechenland bei der Familie der Lebenspartnerin seines Sohnes.

In der alten Sattlerei seines Vaters, die Teil seines Hauses ist, wird er derweil ein Heimbüro einrichten, um Beratungen bei Alltagsfragen und Dienstleistungen im Ehe-, Erwachsenenschutz-, Erb- und Sachenrecht auszuführen. «Auch beim Ausfüllen von Steuererklärungen möchte ich dem bisherigen Kundenstamm weiterhin behilflich sein.» Entlastung wird sie also mit sich bringen, die Pension als Gemeindeschreiber, die Nähe zum Volk wird sich Erwin Bucher aber nicht nehmen lassen.

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