WERTHENSTEIN: Wallfahrtskirche steht auf unsicherem Boden

Die Mauer um die Klosteranlage hat Risse. Unklar ist, ob nur die Mauer oder der gesamte Felshang saniert werden muss.

Ismail Osman
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Nahe am Abgrund: Sakristan Urs Zurkirchen neben der Stützmauer, die saniert werden muss. Rechts der steile Abhang, bei dem es zu Felsabbrüchen kommt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Nahe am Abgrund: Sakristan Urs Zurkirchen neben der Stützmauer, die saniert werden muss. Rechts der steile Abhang, bei dem es zu Felsabbrüchen kommt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Hoch über der Kleinen Emme thront majestätisch die Wallfahrtskirche Werthenstein. Die exponierte Lage macht das ehemalige Kloster unübersehbar – sie birgt aber auch Nachteile. Seit geraumer Zeit macht sich der Felsen, auf dem das Kloster steht, bemerkbar: «Den Überlieferungen nach beobachtet man schon seit über 100 Jahren kleinere und grössere Veränderungen», sagt Sakristan Urs Zurkirchen. In der Vergangenheit mussten denn auch schon verschiedene Teile der Klosteranlage saniert werden.

2009 sollte ein Teil der Stützmauern des Klosters sanft saniert werden, da sich verschiedene Risse aufgetan hatten – vor allem bei der Wendelinskapelle. Dabei brach – zur Überraschung aller – das Mauerstück komplett ein. Das Teilstück wurde in der Folge ersetzt. Der Zustand des übrigen Mauerwerks löste zwar Bedenken aus, eine umfassende Abklärung der Umstände wurde damals zwar angedacht, aber noch nicht für dringlich befunden.

Grosser Felsabbruch

Hinzu kamen diverse kleinere und grössere Felsabbrüche. «Vergangenen Frühling brach ein rund 10 bis 20 Meter grosses Stück der Felswand ab und liegt nun in der Kleinen Emme», sagt Zurkirchen. «Dieses Ereignis gab den jetzt laufenden Abklärungen neuen Schwung.» Damit meint Zurkirchen die geologischen Abklärungen, die der Kanton in den letzten Wochen in Werthenstein getätigt hat.

Die Arbeiten am Fels bestätigt Franz Müller, Leiter Baumanagement der Dienststelle Immobilien. «Wir führen eine umfassende Bestandsaufnahme des Ist-Zustands des Felsens durch», erklärt Müller. So werden sowohl die Beschaffenheit der Oberfläche des Geländes als auch die Geologie und die Felsqualität geprüft. Im Sommer soll eine zweite solche Bestandsaufnahme durchgeführt werden, um die Befunde vergleichen und allfällige Entwicklungen ausmachen zu können. «Noch ist es zu früh, um abschliessend sagen zu können, ob wir es mit Felsbewegungen und Rutschungen, natürlicher Erosion, Unterspülung durch Wasser der Emme oder einer Kombination aus diesen Faktoren zu tun haben.» Einen konkreten Massnahmenplan wolle man erst nach Auswertung der Befunde ausarbeiten, sagt Müller. Dann könnten auch die Kosten abgeschätzt werden. Als Grundeigentümer müsste diese primär der Kanton tragen.

Historisches Gebäude

Fest steht aber, dass die Klostermauer dem Abgrund schon bedenklich nahe gekommen ist. Eine Sicherung des Felsens muss deshalb früher oder später wohl zwangsläufig in Betracht gezogen werden. Ebenfalls klar ist, dass eine Sanierung des Klostergeländes mit erheblichem Aufwand verbunden sein wird. Das Wallfahrtskloster ist ein historischer und damit auch denkmalgeschützter Gebäudekomplex (siehe Kasten). «Wir arbeiten mit mehreren Experten und Fachpersonen zusammen», sagt Franz Müller. «Da auch die Kleine Emme in die Abklärungen mit einbezogen werden muss, arbeiten wir beispielsweise auch mit der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, die für die Luzerner Gewässer zuständig ist, zusammen», sagt Müller ergänzend.

Risse treten im Frühling auf

Die Risse in der Stützmauer des Klosters würden vor allem im Tauwetter des Frühlings auftreten, sagt Urs Zurkirchen. In den wichtigen Räumlichkeiten des Klosters habe man derzeit keine ähnlichen Schäden zu beklagen, sagt Zurkirchen. «Doch wir sind natürlich sensibilisiert und beobachten die Lage genau – auch im kommenden Frühling.»