WERTHENSTEIN: Zugang zum Ufer ist gesperrt

Mehrere Zentimeter hat sich ein Fels unter der Klosteranlage Werthenstein in den letzten Monaten bewegt. Der Kanton hat neue Messungen in Auftrag gegeben.

Cyril Aregger
Drucken
Teilen
Ein Teil des Felsens unterhalb des Klosters Werthenstein ist abbruchgefährdet. Seit wenigen Tagen ist deshalb das Ufer gesperrt. (Bild Pius Amrein)

Ein Teil des Felsens unterhalb des Klosters Werthenstein ist abbruchgefährdet. Seit wenigen Tagen ist deshalb das Ufer gesperrt. (Bild Pius Amrein)

Ein rot-weisses Absperrband an der Kleinen Emme unterhalb der Klosteranlage Werthenstein verhindert derzeit den Zugang zum Flussraum. Grund für die gut 200 Meter lange Sperrung ist die seit über 100 Jahren instabile Felspartie an der Ostseite des Klosterhügels (siehe Ausgaben vom 10. und 16. Januar). Wie Messungen zwischen Mitte Januar und Mitte März ergeben haben, hat sich in diesem Zeitraum ein rund 2000 Kubikmeter grosses Felspaket unten am Klosterhügel um mehrere Zentimeter bewegt. Vor rund zehn Tagen habe man deshalb beschlossen, Sofortmassnahmen zu ergreifen, sagt Albin Schmidhauser, Leiter Naturgefahren bei der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur: «Da sich im gefährdeten Gebiet öfters Fischer aufhalten und gelegentlich auch Kanuten den Flussabschnitt befahren, haben die beiden betroffenen Gemeinden Ruswil und Werthenstein den Zugang zur Kleinen Emme gesperrt.» Das Zutrittsverbot am Ufer bleibe so lange bestehen, bis sich der Fels beruhigt hat – oder in die kleine Emme abgerutscht ist.

Neue Messstellen installiert

Der Fels steht weiter unter Beobachtung. Am vorletzten Wochenende wurden im gefährdeten Teil drei neue Messstellen angebracht. Um die Messwerte zu erhalten, müssen sich die vom Kanton beauftragten Geologen zum Felsen abseilen. «Wir hoffen, dass wir mit neuen Messungen den Zeitraum des Felsabbruchs eingrenzen können», erklärt Schmidhauser. Derzeit sei völlig unklar, ob es Tage, Wochen oder Monate dauern wird, bis es zum Abbruch kommt. «Zudem erhoffen wir uns genauere Erkenntnisse, wie der Fels abbrechen wird.» Eine Gefahr für die Strasse oder gar die dahinterliegende Bahnlinie bestehe nicht.

Liegenschaftsbesitzer informiert

Laut Bruno Unternährer, Leiter Bau und Infrastruktur bei der Gemeinde Ruswil, wurden auch die Besitzer der beiden direkt betroffenen Liegenschaften am linken Ufer der Kleinen Emme über die Situation informiert. «Die Liegenschaften sind nicht unmittelbar bedroht», betont Unternährer. Auch Albin Schmidhauser erklärt, dass der Fels höchstwahrscheinlich in die Kleine Emme abrutschen werde. «Dann muss einfach der Flusslauf geräumt werden, damit es bei Hochwasser keine Stauungen geben kann.» Einzig wenn das instabile Felsstück als Ganzes nach vorne kippen würde, könnten die Liegenschaften durch herumfliegende Steine gefährdet werden. «Auch um dieses Risiko einzuschätzen, führen wir die neuen Messungen durch», so Schmidhauser. Im allerschlimmsten Fall sei eine kurze Evakuierung eines Wohnhauses notwendig. Sicherungsarbeiten an der betroffenen Felspartie seien momentan keine geplant.

Der restliche Fels ist stabil

Entdeckt wurde der abbruchgefährdete Teil des Felsens bei der Bestandesaufnahme des Felsens über der Kleinen Emme. «Neben der neuen Abbruchstelle hat sich der Fels nirgends bewegt. Auch nicht im oberen Bereich beim Kloster», sagt Franz Müller, Leiter Baumanagement der Dienststelle Immobilien. Eine akute Bedrohung für die denkmalgeschützte Klosteranlage, die im 17. Jahrhundert gebaut wurde und heute dem Kanton gehört, bestehe deshalb nicht.

«Aber natürlich nagt die Erosion am Gestein», so Franz Müller. «Zusammen mit der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur und den betroffenen Gemeinden werden wir nun überlegen müssen, wie wir damit umgehen sollen.» Klar sei, dass eine mögliche Sanierung des Klosterfelsens nicht auf die lange Bank geschoben werden soll. Franz Müller rechnet damit, dass in einem bis zwei Jahren ein Sanierungsprojekt erarbeitet sein wird. «Den notwendigen Wissensstand dazu haben wir nun – es sind einzelne Schichten, die Probleme bereiten. Aber zuerst muss sich auch die Situation an der neuen Abbruchstelle beruhigen.»