Wettbewerb
Er investierte 580 Stunden Arbeit in einen Bürotisch: Das ist der beste Luzerner Nachwuchsschreiner

In Hohenrain sind derzeit 48 Möbelstücke ausgestellt, die Lehrlinge im Rahmen des Wettbewerbs «Art in Wood» erstellt haben. Wir stellen die Gewinnerinnen und Gewinner vor.

Julian Spörri
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Wer dieser Tage in das Foyer des Berufsausbildungszentrums Natur und Ernährung in Hohenrain tritt, erblickt Holzkreationen aller Art: Die Ausstellung reicht von Bürotischen über Kommoden bis hin zu einem Nistkasten für Vögel und einem Mühlebrett. Es handelt sich um die Werke von 48 Luzerner Schreiner-Lehrlingen, die beim jährlich stattfindenden Wettbewerb «Art in Wood» des Verbands Luzerner Schreiner teilgenommen haben.

Arian Stalder überzeugte mit seinem LED-beleuchteten Schreibtisch die Jury.

Arian Stalder überzeugte mit seinem LED-beleuchteten Schreibtisch die Jury.

Bild: Nadia Schärli (Hohenrain, 24. April 2021)

Dieses Jahr lautete die Vorgabe für die Teilnehmenden, Möbelstücke zum Thema «Inspiration Natur» herzustellen. Arian Stalder aus Entlebuch hat deshalb seinen Schreibtisch in einem würfelförmigen Design erstellt, das einem Kristall nachempfunden ist. Seine Arbeit wurde von der 16-köpfigen Expertenjury zur Besten auserkoren. «Ich habe nicht mit dem Sieg gerechnet, darum ist die Freude umso grösser», sagt der 18-Jährige. Er arbeitete über ein Jahr lang an seinem Projekt. Für die Produktion des Tischs habe er 286 Stunden aufgewendet. Hinzu kämen rund 300 Stunden für die Planung. Dieser grosse Aufwand hat sich in den Augen von Stalder aber gelohnt:

«Es war extrem spannend, einen Auftrag von A bis Z durchführen zu können. Im Tagesgeschäft im Betrieb ist man oft nur mit einzelnen Arbeitsschritten eines Projektes beschäftigt.»

Organisator lobt die vielfältigen Arbeiten

Beim Wettbewerb auf dem zweiten Platz landete Tim Christen, der seine Lehre wie Arian Stalder bei der Vogel Design AG in Ruswil absolviert. Dritter wurde der Buttisholzer Thomas Künzli. Die Rangierung erfolgte basierend auf acht Kriterien. «Die Jury bewertete unter anderem den Schwierigkeitsgrad, die Qualität und die Kreativität der Arbeit», erklärt Hermann Niederberger, der den Wettbewerb bereits zum vierten Mal in Folge organisierte. Er ist beeindruckt, welchen Aufwand die Jugendlichen in ihre Projekte investierten – notabene in der Freizeit. «Im Vergleich zu anderen Jahren sticht heuer besonders der Variantenreichtum der Arbeiten hervor», zieht Niederberger ein positives Fazit.

Schön und praktikabel zugleich: Mit diesem Möbelstück wird das Anstossen leicht gemacht.
6 Bilder
Eine Kommode mit dem Symbol eines Baumes.
Wettbewerbsobmann Hermann Niederberger (links) begutachtet die Werke der Jugendlichen.
Ein weiteres Ausstellungsobjekt.
Gewinner Arian Stalder (links) präsentiert seinen Bürotisch.
Auch die Kollektionen von neun angehenden Bekleidungsgestalterinnen aus der Zentralschweiz sind in der Anstellung in Hohenrain zu sehen.

Schön und praktikabel zugleich: Mit diesem Möbelstück wird das Anstossen leicht gemacht.

Bild: Nadia Schärli (Hohenrain, 24. April 2021)

Nebst dem eigentlichen Schreinerpreis wurden im Rahmen des Wettbewerbs auch Sonderpreise in den Kategorien «Gestalter und Erfinder» sowie «Ächt schwiizerisch» vergeben (alle Resultate sind in der Rangliste aufgeführt). Die Berücksichtigung einheimischer Materialien und Leistungen wurde dieses Jahr erstmals mit einem Preis honoriert. Niederberger führt aus:

«Wir wollen die jungen Schreinerinnen und Schreiner dafür sensibilisieren, dass sie lokales Holz verwenden, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt.»
Der höhenverstellbare Bürotisch von Tim Christen räumte gleich zwei Preise ab.

Der höhenverstellbare Bürotisch von Tim Christen räumte gleich zwei Preise ab.

Bild: Nadia Schärli (Hohenrain, 24. April 2021)

Diesem Aufruf ist Tim Christen gefolgt. Er habe für seinen höhenverstellbaren Arbeitstisch Schweizer Massivholz verwendet und auch sonstiges Material von hiesigen Firmen bezogen, so der 19-Jährige aus Sempach. Ebenfalls mit dem Sonderpreis «Ächt schwiizerisch» ausgezeichnet wurde Bérénice Buschauer. Ihre angefertigten Beistelltischchen aus Schweizer Eichenholz weisen eine Besonderheit aus: Die Tischoberfläche lässt sich wahlweise mit Stein- oder Holzplatten bestücken. «Weil es im Bereich der Innenraumgestaltung immer wieder neue Trends gibt, habe ich darauf geachtet, dass meine Tischchen verwandelbar sind», erklärt Buschauer. «So kann man das Design ändern, ohne ein neues Produkt kaufen zu müssen.» Für ihr Projekt hat die 29-jährige Luzernerin Arbeiten erledigt, die über das Schreiner-Handwerk hinausgehen. Buschauer goss, schliff und färbte die Steinplatten und erledigte auch die Drechslerarbeiten.

Bérénice Buschauer präsentiert ihre Beistelltischchen.

Bérénice Buschauer präsentiert ihre Beistelltischchen.

Bild: Nadia Schärli (Hohenrain, 24. April 2021)

Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind gut

Die in Hohenrain ausgestellten Holzmöbel stammen allesamt von Lernenden aus dem vierten Lehrjahr, die diesen Sommer ihren Abschluss machen werden. Beat Bucheli, Präsident des Verbands Luzerner Schreiner, stuft die Situation für die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger als gut ein. «Da wir derzeit eher einen Fachkräftemangel haben, dürfte es für die Jugendlichen kein grosses Problem sein, im eigenen Betrieb zu bleiben oder andernorts eine Anstellung zu finden.» Die Branche sei von der Coronapandemie nicht allzu stark betroffen. «Zwar mussten und müssen wir uns beim Arbeiten an Auflagen halten, doch konnten wir unserem Beruf ohne Unterbrüche nachgehen», so Bucheli.

Bei der Besetzung der neuen Lehrstellen ist die Branche auf einem guten Weg: «Die Lehrlingszahlen bewegen sich stabil auf dem Niveau der Vorjahre», sagt Bucheli. Das hänge auch damit zusammen, dass der Schreiner-Verband viele Anstrengungen unternehme, um junge Erwachsene für den Beruf zu begeistern. Bucheli erwähnt die Präsenz an Bildungsmessen wie der Zebi, die Infotage im Ausbildungszentrum in Rothenburg oder den Tag der offenen Tür in den Betrieben. Er betont denn auch:

«Wir müssen beim Nachwuchs dranbleiben und dort viel Energie investieren.»

Hinweis: Die Ausstellung ist täglich bis am Sonntag, 2. Mai, geöffnet. Weitere Informationen: www.luzerner-schreiner.ch