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WETTER: So trotzen die Luzerner der Kälte

Vom Bauarbeiter bis zum Gepard im Toni's Zoo: Die aktuellen Temperaturen lassen buchstäblich niemanden kalt. Doch die Luzerner reagieren flexibel auf die Kältewelle – mit Gratis-Suppe oder kurzfristigen freien Tagen.
Kilian Küttel und Raphael Zemp
Die schönen Seiten der Kälte: Eiszapfen am Ufer des Sempachersees in Nottwil. (Bild: Pius Amrein (26. Februar 2018))

Die schönen Seiten der Kälte: Eiszapfen am Ufer des Sempachersees in Nottwil. (Bild: Pius Amrein (26. Februar 2018))

Kilian Küttel und Raphael Zemp

kanton@luzernerzeitung.ch

Das Grau hat den Pilatus verschluckt. Statt der Felszacken wölben sich verschneite Tannenhügel am Horizont, werden nur hier und da von dürren Baukränen überragt, die surrend Schalungselemente durch die Luft schweben lassen. Es bläst ein eisiger Wind an der Arsenalstrasse 28 in Kriens, wo am Montagmorgen trotz Kälte an der neuen Musikhochschule gebaut wird. Einsame Hammerschläge hallen von den rohen Betonwänden wider, bis schliesslich ein Kompressor ratternd einstimmt, gefolgt vom hohen Sirren einer Kreissäge. Ein ganz normaler Morgen auf der Baustelle? Nein. «Viele Arbeiten wie Betonieren oder Mauern können wir derzeit nicht durchführen. Dafür sind Temperaturen von unter minus fünf Grad schlicht zu tief», erklärt Bauführer Marcel Sumi von der Firma Anliker. Deshalb können die rund dreissig Bauarbeiter derzeit bloss «Trockenarbeit» verrichten: bereits gegossene Betonelemente ausschalen, neue Schalungen anbringen, Stützen versetzen. «Wichtige Vorbereitungsarbeiten, damit wir bei höheren Temperaturen sofort wieder loslegen können», ergänzt Polier Andreas Bucher.

Wetter ist selbst für Vorarbeiter aus den Bergen «sehr rau»

Arbeiten, die alles andere als angenehm sind. Die Männer auf der Baustelle wehren sich denn auch nach Kräften gegen die Kälte, haben sich eingehüllt in Thermowäsche und dicke Jacken, Mützen und Kapuzen tief ins Gesicht geschoben, nicht selten die Schultern verkrampft angezogen. «Es ist ganz schön hart bei diesen Temperaturen», gibt Vorarbeiter Livio Zemp unumwunden zu und erntet damit die Unterstützung des Urner Kollegen Heiri Gisler. Als Bergler sei er sich ja so Einiges gewohnt, «zum Arbeiten ist aber selbst für mich das Wetter sehr rau». Da helfen auch die verlängerten Pausen, die Kaffeemaschine und das geheizte WC wenig. «Richtig auftauen werde ich erst zu Hause», so Gisler.

Nicht nur Menschen frieren, auch den Tieren macht die Kälte zu schaffen. Besonders jenen, die sich von Natur aus wärmere Bedingungen gewöhnt sind und wie es sie in «Toni’s Zoo» in Rothenburg zu bestaunen gibt. «Wir geben den Tieren dieser Tage das, was sie wollen», sagt Inhaber Toni Röösli. Heisst: Die Stallungen sind stärker geheizt als normalerweise. Doch deswegen bleiben die Zoobewohner nicht im Warmen eingesperrt: «Die Tiere können immer nach draussen, wenn sie das möchten», so Röösli. Und von diesem Angebot machen sie auch Gebrauch. So suchten der Gepard und der Leopard immer wieder das Aussengehege auf. Allerdings weniger lange, als üblich: «Das ist gleich wie beim Menschen – auch dieser bewegt sich gerne, muss sich zwischendurch aber auch aufwärmen.» Gut eine Stunde würden es die Zoobewohner an der Kälte aushalten. Kurzarbeit in Rothenburg also.

Dafür hatte die Belegschaft der Gärtnerei Schwitter in Inwil letzte Woche alle Hände voll zu tun. «Wir haben etliche Massnahmen ergriffen, um unsere Pflanzen vor der Kälte zu schützen», erklärt Geschäftsführer und Inhaber Roman Schwitter. Seine Mitarbeiter brachten empfindliche Pflanzen im Gewächshaus unter und packten die anderen in eine schützende Schicht aus Flies. Zwar liegen auch im Gewächshaus die Temperaturen unter null Grad, dafür kann hier der Wind keinen Schaden anrichten. «Dieser macht den Gewächsen weit mehr zu schaffen als nur die Kälte», so Schwitter. Denn durch die Bise würden diese mehr Wasser verlieren und trocknen dadurch schneller aus. Nichtsdestotrotz schätzt Schwitter die Situation als wenig dramatisch ein: «Einerseits dauert die Kälteperiode ja nur wenige Tage. Andererseits gab es im Januar genug Niederschlag, sodass die Böden genügend gesättigt sind.»

Ob Bauarbeiter oder Gepard – die Nacht verbringen beide in der warmen Wohnung oder im geheizten Stall. Doch es gib auch jene, die nicht in den eigenen vier Wänden Schutz vor der Witterung suchen können. Wider Erwarten verzeichnet die Luzerner Notschlafstelle dieser Tage aber keinen verstärkten Zulauf. Wie Leiter Urs Schwab erklärt, seien im Moment zwölf der 15 Schlafplätze belegt. Weshalb? «Möglich ist, dass einige bei Freunden oder Familienmitgliedern eine Bleibe gefunden haben», so Schwab. Ähnliches ist auch von der Gassenküche Luzern zu vernehmen. Laut Betriebsleiterin Franziska Reist kommen nicht mehr Personen als an normalen Tagen. «Aber wir stellen fest, dass sich die Leute eher in den Innenräumen aufhalten als sonst.» Zudem werden mehr Menüs gegessen und mehr Tee ausgeschenkt. Heute und morgen schenkt die Gassenküche jeweils mittags gratis Suppe aus. Damit auch diejenigen etwas Warmes in den Magen bekommen, die sich die fünf Franken pro Essen nicht leisten wollen oder können. Eine wärmende Nachricht hat dafür den Feierabend der Vorarbeiter Zemp und Gisler versüsst: Ihre Chefs haben entschieden, die Bautätigkeit heute einzustellen.

Hinweis:

Bild: Grafik: LZ

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