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WETTER: Zentralschweiz rüstet sich für Unwetter

Die Behörden im Kanton Tessin warnen vor Starkregen. In der Innerschweiz ist die Situation noch nicht prekär. Dennoch treffen die Kantone Massnahmen.
Yasmin Kunz
René Bienz, Bademeister des Parkbades in Kriens, zeigt sich wasserfest. (Bild Eveline Beerkircher)

René Bienz, Bademeister des Parkbades in Kriens, zeigt sich wasserfest. (Bild Eveline Beerkircher)

Yasmin Kunz

Seit Wochen kennen Herr und Frau Schweizer nur ein Wetter: Regen. Wer Hoffnung auf baldige Besserung hat, wird enttäuscht. Denn die Prognosen für die kommenden Tage sehen nicht besser aus. Thomas Schlegel von Meteo Schweiz sagt dazu: «Auch in den nächsten Tagen fällt immer wieder Regen; heute früh sogar intensiver Regen. Ein beständiges Hoch mit einer längeren stabilen Wetterlage mit sonnigem Wetter ist zurzeit nicht in Sicht.»

Juni: Regen-Soll schon fast erfüllt

Schlegel sagt, dass bis gestern Morgen im Monat Juni in Luzern rund 133 Millimeter Regen fielen. Das entspreche etwa 85 Prozent des Juni-Solls von rund 154 Litern pro Quadratmeter. Der bisherige Juni-Rekord stammt aus dem Jahr 1979. Damals verzeichnete Meteo Schweiz eine Niederschlagsmenge von 267,5 Millimetern. Schlegel: «Es braucht also noch eine ordentliche Menge an Niederschlag, um diesen Rekord zu toppen.»

Auslöser für die vielen Niederschläge der vergangenen Wochen sei eine Tiefdruckrinne, welche von den Britischen Inseln bis nach Mitteleuropa reicht, erklärt der Experte. Schon der Monat Mai war äusserst regenreich. Dieser hat punkto Niederschlag im Kanton Luzern sogar einen Rekord verzeichnet: 270 Millimeter Regen wurden am Messstandort in Luzern gemessen – so viel wie noch nie seit Messbeginn 1864. Durchschnittlich beläuft sich die Niederschlagsmenge im Mai auf 128 Liter Wasser pro Quadratmeter (Ausgabe vom 1. Juni).

Kleine Emme: 10-mal mehr Wasser

Am stärksten von den Niederschlägen betroffen waren bisher der zentrale und der östliche Alpennordhang. Doch auch im Tessin und in der Surselva wird es heute noch viel Regen geben. Aufgrund der starken Niederschläge im Tessin warnen die Behörden die Bevölkerung vor Überschwemmungen und Hangrutschen. Man rechnet bis heute Mittag lokal mit Niederschlagsmengen von 100 bis 180 Litern pro Quadratmeter.

Während das Tessin vor starken Niederschlägen warnt, nimmt man den anhaltenden Regen in der Zentralschweiz bisher noch gelassen. Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Kanton Luzern, kann aktuell keine konkreten Vorhersagen abgeben, welches die hochwassergefährdeten Orte im Kanton Luzern sind. «Die Niederschlagsmenge kann lokal ganz unterschiedlich sein. Deshalb sind Prognosen schwierig.» Derzeit habe aber der Vierwaldstättersee wie auch die Reuss und die Kleine Emme ihre maximale Wasserkapazität noch nicht erreicht. Schmidhauser schätzt, dass der Pegel des Vierwaldstättersees in den kommenden 24 bis 48 Stunden zwischen 15 und 20 Zentimeter ansteigen könnte. Grund dafür ist der Urner Reusszulauf, der momentan viel Wasser führt.

Bei der Kleinen Emme dürfte die Wassermasse von 20 Kubikmetern um das Zehnfache auf 200 Kubikmeter ansteigen. «Ihre Gerinnekapazität ist auch mit 200 Kubik nur bis zur Hälfte ausgeschöpft», erklärt Schmidhauser. Beim Vierwaldstättersee hat man letzten Freitag das Wehr vollständig geöffnet. Damit hat man quasi die letzte Reguliermöglichkeit ergriffen. Schmidhauser sagt, dass die Wassermengen derzeit noch nicht problematisch seien. Von einem Hochwasser, wie es Luzern im Sommer 2005 erlebte, «sind wir noch weit entfernt».

Weniger Regen als vorausgesagt

Roland Christen, Leiter des Amts für Wald und Landwirtschaft des Kantons Obwalden, schätzt die jetzige Situation ebenfalls als wenig gefährlich ein. Er sagt: «Es hat bei uns weniger geregnet, als noch vor ein paar Tagen vorausgesagt war.» Die Böden seien zwar stark gesättigt, und wenn es weiter Niederschlag gäbe, käme es eventuell zu einzelnen Erdrutschen. Weiter erklärt Christen: «Der Sarner- und der Lungerersee sind zum momentanen Zeitpunkt ein gutes Stück davon entfernt, die Schadensgrenze zu erreichen.» Der Sarnersee, der an Pfingsten an gewissen Stellen über die Ufer getreten ist, stehe dabei unter besonderer Beobachtung. Zu den Hochwassermassnahmen sagt er: «Sind grosse Regenmengen zu erwarten, versuchen wir in Zusammenarbeit mit dem Elektrizitätswerk Obwalden, die Bewirtschaftung des Lungerersees aus Sicht Hochwasserschutz zu optimieren.»

«Die Böden sind gesättigt»

Im Kanton Nidwalden ist es bis dato nur zu einzelnen, kleineren Hangrutschen gekommen, wie Rudolf Günter, Oberförster des Kantons Nidwalden, auf Anfrage sagt. Er fügt allerdings an, dass die Böden derzeit gesättigt sind. «Es ist deshalb nicht auszuschliessen, dass es bei weiteren starken Niederschlägen lokal zu Hangrutschen kommen kann.»

Werner Fessler, Stellvertreter der Abteilung für Gefahrenmanagement im Kanton Nidwalden, ist derzeit «in der Beobachtungsphase», wie er sagt. «Bisher ist die Lage im Kanton Nidwalden betreffend Hochwasser noch nicht prekär. Wir sind mehrheitlich von langen und intensiven Regenfällen verschont geblieben.» Dennoch gibt er unter Berücksichtigung der Prognosen keine Entwarnung: «Die regenreichen Tage sind offenbar noch nicht vorüber.»

Draussen Flop, drinnen top

eme. Angesichts der schlechten Witterungsverhältnisse bleibt das Krienser Parkbad geschlossen», sagt Bademeister René Bienz und posiert für unsere Fotografin in Gummistiefeln und Regenschirm. Genau vor einem Jahr sonnten sich an gleicher Stelle Hunderte von Badehungrigen. Nun herrscht Dauerregen. Dabei sind Bäder wie in Kriens auf starke Juni-Zahlen angewiesen, denn während der traditionellen Ferienwochen im Juli und August verreisen viele. Profitieren von der misslichen Lage tun die Anbieter von Indoor-Aktivitäten. So verzeichnet man bei den Migros-Fitnessparks sowie den Sportparks Rontal und Pilatus mehr Frequenzen. «Wir spüren eine erhöhte Nachfrage bei der Miete von Tennisplätzen, Badminton und Squash», sagt Rahel Kissel, Leiterin Kommunikation Migros Luzern. Gleich tönt es beim Swiss Holiday Park in Morschach. «Wir liegen, was Eintritte angeht, über den Zahlen aus dem Vorjahr», sagt CEO Walter Trösch. Das breite Angebot an Indoor-Aktivitäten (Tennis, Kletterwand, Bowling etc.) sei sehr gefragt.

Sommer-Ausverkauf gestartet

Bei den Pilatus-Bahnen liegen die Zahlen hingegen unter dem Vorjahr. «Im Mai hatten wir 6 Prozent weniger Gäste am Berg», erklärt Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen. «Im Juni sieht es nicht sehr gut aus.» Aktuell rechnet er für das ganze Jahr mit 15 Prozent weniger Gäste als im sehr guten 2015, was in etwa dem Fünfjahresschnitt entspricht.

Auch beim Detailhandel sorgt das Wetter für klare Sieger und Verlierer. Der Modehändler C&A hat wegen der Flaute bereits den Sommer-Ausverkauf gestartet. Bei der Migros Luzern heisst es: «Der Verkauf von Wassersport-Artikeln ist unter den Erwartungen. Dafür läuft der Heimwerker-Bereich besser.»

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