WEY-TAGWACHE: Auf fliegende Orangen folgt die grosse Show

Die offiziellen Anlässe geben der Luzerner Fasnacht ihren würdigen Rahmen – der dann lustvoll gesprengt wird.

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Die Nager der Müsali-Musig Lozärn. (Bilder Pius Amrein)

Die Nager der Müsali-Musig Lozärn. (Bilder Pius Amrein)

Rund 4000 Fasnachtsbegeisterte waren dabei, als gestern Punkt 6 Uhr auf dem Kapellplatz Luzerns Fasnacht in ihre zweite Hälfte startete. Die Tagwache der Wey-Zunft ist traditionell kleiner und familiärer als die Fritschi-Tagwache am Donnerstag, wo heuer 14 000 Personen den Startschuss der Zunft zu Safran in Luzerns rüüdig verreckte Tage miterlebten (Ausgabe vom 5. Februar).

Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ)
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Die Lozärner Kracher. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Guuggemusig Rüüssfrösch Lozärn. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Lozärner Kracher sorgen für Stimmung beim Zmorgenessen. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Traditionell ist der Güdismontag der grosse Tag des Wey-Zunft. Die Wey-Tagwache findet um 6 Uhr auf dem Kapellplatz mit dem Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus und Gefolge und Monsterkonzert der Guuggenmusigen statt. Auf dem Bild: Auftritt der Tropeblocher Lozärn auf dem Kornmarkt (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus aus Rotkreuz (mitte) mit Weibel Michael Riedweg (35, rechts) aus Rothenburg, auf dem Kapellplatz. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Wey-Zunft marschiert durch die Luzerner Gassen. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
«Es hat so viele Fasnächtler wie seit vier Jahren nicht mehr», sagt Remo Bucher vom OK-Güdismäntig der Wey-Zunft und Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees. 18 Guuggenmusigen hätten sich für das morgendliche Monster-Konzert der Guuggenmusigen auf dem Kapellplatz angemeldet. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Die Wey-Zunft samt Frosch zieht jetzt vom Kapellplatz zum Hotel Schweizerhof, im Gefolge die Guuggenmusigen Alti Garde Lozärn und die Lozärner Kracher. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Die Guuggenmusig Hügü Schränzer Luzern. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ)

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Immerhin: Während an der Fritschi-Tagwache dieses Jahr 4000 Fasnächtler weniger als im Vorjahr erschienen, waren es gestern bei der Wey-Tagwache 1000 mehr als im Vorjahr. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren, denn das Wetter war beide Male gut. Haben diesmal am Donnerstag mehr Fasnächtler als üblich verschlafen? Oder sparen mehr ihre Kräfte für den Abend und die Nacht? Ist Letzteres auch der Grund für den noch immer relativ kleinen Andrang an der montäglichen Wey-Tagwache?

Der Begeisterung tuts keinen Abbruch. Im Gegenteil: Als Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus gestern mit seiner Ehefrau Lisa, seinen Töchtern und dem Zunftgefolge die Fasnächtler zum «Brüele» aufforderte, war das Echo laut. Und beim anschliessenden Orangenauswerfen kam sicher niemand zu kurz.

«All The Leaves Are Brown»

Speziell gelungen und mitreissend war der Grossaufmarsch der Guuggenmusigen. Den Auftakt machten die Lozärner Kracher. Hinter ihnen wurde der Wey-Frosch von einer prächtigen Loki auf den Kapellplatz gezogen. Es folgte die Chatze-Musig, die schaurig schön «Hau i de Chatz de Schwanz ab» schränzte. Dahinter passend die – gluschtigen – Nager der Müsali-Musig. Dann weitere Hochkaräter, etwa die Bohème-Musig und die Alti Garde.

Die Musik: hinreissend schön. Spätestens bei «All The Leaves Are Brown» von «The Mammas & the Papas», das irgendwo herauszuhören war, musste man hin und her wippen. Auch Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus gefiels sichtlich. «Fantastisch, rüüdig verreckt, friedlich», war seine erste spontane Reaktion. «Ein toller Start in den Tag», sagte später Bruno Spörri, Mediensprecher des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK).

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Die Lozärner Kracher. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Guuggemusig Rüüssfrösch Lozärn. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Lozärner Kracher sorgen für Stimmung beim Zmorgenessen. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Traditionell ist der Güdismontag der grosse Tag des Wey-Zunft. Die Wey-Tagwache findet um 6 Uhr auf dem Kapellplatz mit dem Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus und Gefolge und Monsterkonzert der Guuggenmusigen statt. Auf dem Bild: Auftritt der Tropeblocher Lozärn auf dem Kornmarkt (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus aus Rotkreuz (mitte) mit Weibel Michael Riedweg (35, rechts) aus Rothenburg, auf dem Kapellplatz. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Wey-Zunft marschiert durch die Luzerner Gassen. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
«Es hat so viele Fasnächtler wie seit vier Jahren nicht mehr», sagt Remo Bucher vom OK-Güdismäntig der Wey-Zunft und Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees. 18 Guuggenmusigen hätten sich für das morgendliche Monster-Konzert der Guuggenmusigen auf dem Kapellplatz angemeldet. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Die Wey-Zunft samt Frosch zieht jetzt vom Kapellplatz zum Hotel Schweizerhof, im Gefolge die Guuggenmusigen Alti Garde Lozärn und die Lozärner Kracher. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
Die Guuggenmusig Hügü Schränzer Luzern. (Bild: Sara Häusermann / Neue LZ)
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Giraffe Matahari, Kamel Suleika

Die offiziellen Anlässe der Zünfte (Tagwachen, Umzüge, Bescherungsfahrten) sind wichtige, unverzichtbare Klammern des Luzerner Fasnachtsgeschehens. Es ist ein würdiger, mit viel Enthusiasmus gelebter Rahmen, der von der ehrenamtlichen Arbeit und dem Engagement vieler lebt. Ein Rahmen aber auch, der dann von den Guuggenmusigen, den wilden Gruppen und vielen Einzelmasken immer wieder wunderbar-kreativ gesprengt wird.

Das ist auch gestern wieder passiert. Irgendwo in der Altstadt haben wir den Zug mit dem Wey-Frosch aus den Augen verloren. Und dann war sie da, die Luzerner Fasnacht mit all ihren faszinierenden Facetten, mit all ihren immer wieder neuen Ideen und Figuren. In der Schlossergasse trafen wir die Zäche Choge mit ihrer unvergleichlich schönen Braut-und-Bräutigam-Nummer. Dann in der Weggisgasse die Saunafäger mit ihrem Circus Schweitz – unter anderen mit der Giraffe Matahari und dem Kamel Suleika. So umwerfend witzig, dass es einem kalt den Rücken runterläuft.

Flucht vor der Realität

Dann kurz vor 8 Uhr Frühstückspause in einem Café in der Altstadt. Vom Zeitungsständer dort stechen uns die anderen Schlagzeilen des Tages ins Auge. Eine frierende Flüchtlingsmutter aus Syrien mit ihrem Kleinkind in den Armen. Das ist eine harte Realität – vor der wir uns oft flüchten, für ein paar Tage zumindest. Auch dafür ist die Fasnacht vielleicht da – um uns mit ihren farbigen, fröhlichen, ab und zu auch Furcht einflössenden Bildern und Szenen abzulenken vom Schrecken und dem Horror der Welt. Also stürzen wir uns nochmals ins Getümmel – heute, am letzten Tag der Luzerner Fasnacht 2016.
 

Hugo Bischof

 

Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus beschenkt die rund 4000 Fasnächtler auf dem Luzerner Kapellplatz mit Orangen. (Bild: Pius Amrein /  Neue LZ)

Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus beschenkt die rund 4000 Fasnächtler auf dem Luzerner Kapellplatz mit Orangen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Warten auf den Start in die zweite Fasnachtshälfte kurz vor dem Orangenauswerfen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Warten auf den Start in die zweite Fasnachtshälfte kurz vor dem Orangenauswerfen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)