WEY-ZUNFT: Er ist auch privat «ganz schön schräg»

Der Montag ist der grosse Tag von Wey-Zunftmeister René Najer. Sein Motto prägt nicht nur den Güdismontag, sondern Najers ganzes Leben.

Yvonne Imbach
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Wey-Zunftmeister René Najer (Mitte) mit dem Weibelpaar Claudia und Stefan Imwinkelried beim Racletteplausch in seiner Wohnung.

Wey-Zunftmeister René Najer (Mitte) mit dem Weibelpaar Claudia und Stefan Imwinkelried beim Racletteplausch in seiner Wohnung.

Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch

 

René Najer kann auf eine beachtliche Fasnachtskarriere zurückblicken. 2004 trat er der Wey-Zunft bei, 2008 wurde er Mitglied des Zunftrates. Von 2010 bis 2014 amtete er als Zunftpräsident. Najer startete seine aktive Fasnachtszeit bei der Luzerner Guuggenmusig Noggeler und schlug die Pauke. «Ich war aber rhythmisch derart unbegabt, dass die Noggeler froh waren, wenn ich an einem Auftritt fehlte. Als ich Vater wurde, fehlte mir dann die Zeit dazu, und ich trat aus.»

Aufgewachsen ist Najer in Luzern, heute lebt er in Horw. Der 53-Jährige ist Leiter des Service-Centers Zürich-Oerlikon und Mitglied des Managements Unternehmensversicherungen bei den Groupe-Mutuel-Versicherungen. Ein frisch inthronisierter Wey-Zunftmeister stellt seine Fasnacht traditionell unter ein Motto. Bei Najer lautet dieses «Ganz schön schräg». Ein paar Tage vor seinem grossen Tag, dem Güdismontag, erklärt er, dass sich dieses Motto für ihn wie ein roter ­Faden durchs Leben ziehe. «Ich bin einfach ein bisschen schräg. Deshalb bedeutet, ‹ganz schön schräg› die Fasnacht zu gestalten, eigentlich nur, so zu bleiben, wie ich eben bin.»

Raclette ist sein Hobby

Und wie ist er, der schon früh Witwer gewordene, alleinerziehende Vater von Jan (20), der zusammen mit seinem Sohn in einem reinen, sehr schicken Männerhaushalt lebt? Auf die Interviewanfrage unserer Zeitung reagierte er bemerkenswert offen – und lud gar zum Abendessen ein. Da Najer nebst Biken, Kochen und Reisen in wärmere Regionen explizit «Raclette essen» zu seinen Hobbys zählt, gabs an diesem Abend ein Raclette, das von seinem Weibelpaar Stefan und Claudia Imwinkelried organisiert und aufgetischt wurde.

Den Weibel mit am Tisch zu haben, hat den Vorteil, auch ihm ein bisschen auf den Zahn fühlen zu können, wie dieser neue Wey-Zunftmeister einzuordnen ist. Stefan Imwinkelried brachte es auf den Punkt: «René hat zwei Seiten: Als Geschäftsmann wirkt er eher kühl und unnahbar. Privat kennen wir ihn als sehr zugänglichen, geselligen und herzlichen Geniesser.»

Den privaten René Najer erlebten in den Wochen vor der Fasnacht die Menschen in den Altersheimen, wo die zahlreichen Bescherungsfahrten des Wey-Zunftmeisters samt Gefolge hinführten. Die Begegnungen mit den Bewohnern, dem Pflegepersonal und den Stiftungsräten seien eindrücklich gewesen: «Ich erlebte jeweils einen fantastischen Austausch bei einem gemütlichen Mittag- oder Nachtessen. Das herzhafte Lachen und die Freude sowie Dankbarkeit der Menschen waren sehr bewegend und werden mir besonders in Erinnerung bleiben.»

Auf die Frage, ob er damit gerechnet habe, eines Tages das höchste Amt der Wey-Zunft zu bekleiden, sagt Najer: «Aufgrund meiner bisherigen Ämter war es absehbar. Nachdem ich formell meinen Arbeitgeber gefragt hatte und ich grünes Licht bekam, sagte ich diskussionslos Ja. In der Nacht darauf schlief ich allerdings schon schlecht, es wurde mir erst langsam bewusst: Du bist höchster Würdenträger! Es begann eine grosse innere Freude in mir aufzusteigen.»

Mama fährt in der Kutsche mit

Trotz dieses prestigeträchtigen Amts – prominent sei er nicht, sagt Najer: «Natürlich ist es ungewohnt und speziell, wie viele Leute mir gratulieren und welche Zuwendung ich erfahren darf. Aber es geht ja nicht um meine private Person, ich stehe vielmehr ganz im Dienst der Zunft.» Und wie hält er sich fit für seinen grossen Tag am Montag? «Ich versuche, genügend Schlaf zu bekommen, geniesse ein heisses Bad oder gute Musik. Das habe ich in den strengen letzten Wochen aber maximal einmal wöchentlich geschafft.»

Nun steht der Höhepunkt der Wey-Zunft, der Güdismontag, vor der Türe. René Najer freut sich riesig darauf. Gefragt nach seinem persönlichen Highlight, will er sich nicht festlegen. «Der ganze Tag ist ein einziges Ereignis, von der Tagwache über den Umzug bis zu den frühen Morgenstunden des Dienstags, wo ich den Guuggenmusigen in den Gassen zuhöre.» Ein besonderer Gast wird übrigens mit ihm und dem Weibelpaar in der Wey-Kutsche sitzen und den Umzug anführen. Es ist seine Mutter Anni Najer, die es sich mit 79 Jahren nicht nehmen lässt, ihren Sohn zu begleiten. Und wie würde er die Fasnacht der nächsten Generation weitergeben? «Pflegt das Brauchtum, bastelt Grende, näht Kleider, seid anständig und habt einfach eine gute Zeit!»

 

Güdismontag: Tag des Wey-Zunftmeisters

Der Güdismontag, 27. Februar, ist der grosse Tag der Wey-Zunft. Dies sind die Höhepunkte:
6 Uhr:Tagwache auf dem Kapellplatz mit dem Wey-Zunftmeister. Orangenverteilen und Monsterkonzert der Guuggenmusigen.
14 Uhr:Grosser Fasnachtsumzug durch die Stadt.
15 bis 24 Uhr: Buobenmattbeiz mit Guuggerkonzerten in der Markthalle der Buobenmatt.