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WEY-ZUNFTMEISTER BRUNO SPÖRRI: Die Lust auf Fasnacht kam erst spät

Wey-Zunftmeister Bruno Spörri (56) ist von der Luzerner Fasnacht angefressen. Doch das war nicht immer so.
Hier erholt sich der Zunftmeister von der anstrengenden Fasnachtszeit: Bruno Spörri und Lebensgefährtin Susan Maksymov zu Hause. (Bild Manuela Jans/Neue LZ)

Hier erholt sich der Zunftmeister von der anstrengenden Fasnachtszeit: Bruno Spörri und Lebensgefährtin Susan Maksymov zu Hause. (Bild Manuela Jans/Neue LZ)

Mit einem Guuggenmusig-Kostüm im Kofferraum sitzt Bruno Spörri in seinem Auto im Luzerner City-Parkhaus. Auf dem Beifahrersitz seine Partnerin Susan Maksymov, ebenfalls mit einem Kostüm vom Secondhand-Fasnachtsbazar ausgerüstet. Richtig Lust auf die Fasnacht verspürten sie aber irgendwie nicht. «Es war 4 Uhr morgens und wir überlegten hin und her, ob wir nun tatsächlich die Fasnachtsgewänder überziehen und an den Urknall gehen sollen.» Schliesslich taten sie es. Das war vor acht Jahren.

Mittlerweile fragt sich Spörri nicht mehr, ob er sich ins Fasnachtsgetümmel stürzen soll oder nicht. Als Wey-Zunftmeister 2010 ist der 56-Jährige eines der Aushängeschilder der Luzerner Fasnacht.

«Blasser Eindruck von Fasnacht»
Als gebürtiger Zürcher ist Spörri zur Luzerner Fasnacht gekommen «wie die Jungfrau zum Kind», sagt er wie aus der Pistole geschossen. «Bis zu meinem Umzug nach Luzern 2001 hatte ich nur einen blassen Eindruck von der Fasnacht aus Fernsehen und Zeitungen.» Kurz darauf machte der Vater von drei Kindern Bekanntschaft mit dem heutigen Präsidenten der City-Vereinigung, Franz Stalder. «Er meinte, dass ich doch noch einer wäre für die Wey-Zunft.» Stalder führte ihn als Berater während der zweijährigen «Bewährungszeit» in die Sitten und Gebräuche der Fasnachtszunft ein. Am Ende wurde Spörri aufgenommen.

Um Mitglied zu werden, verlangt die Wey-Zunft einiges von ihren Aspiranten. Sie müssen beim Bau des Sujetwagens anpacken, Inserenten für die Fasnachtszeitung «Knallfrosch» finden und im Pulverturm, dem Vereinslokal der Wey-Zunft, servieren.

Auf was er sich als Zunftmeister einlässt, hat Spörri, der als kaufmännischer Direktor der Luzerner Sprachschulen Sprachmax arbeitet, schon im Vorfeld gewusst: «Ich war vor fünf Jahren als Weibel die rechte Hand des Zunftmeisters. Ich habe aus nächster Nähe erfahren, was das Amt mit sich bringt. Nämlich viele Reden und noch mehr Auftritte.» Es brauche schon eine Menge Zeit, um das alles bewältigen zu können. Und Popularität, um überhaupt zum Zunftmeister erkürt zu werden? «Sie ist bestimmt nicht hinderlich», gibt sich Spörri diplomatisch.

Keine 20 Meter ohne Wortwechsel
Dass er momentan auf Schritt und Tritt erkannt wird, macht ihm nichts aus. «Im Gegenteil, ich geniesse das sehr», gibt er unverblümt zu. «Wenn ich unter der Egg entlanggehe, dann komme ich keine 20 Meter weit, ohne von Fasnächtlern angesprochen zu werden.» Bislang sei ihm das Ganze nicht zu viel geworden. Etwas seltsam fühle es sich aber schon an, von Unbekannten mit Namen begrüsst zu werden und Gratulationen entgegenzunehmen. Spörri, an dessen dunklem Revers die Fasnachtsplakette und ein Pin der Wey-Zunft befestigt sind, macht sich aber über das Haltbarkeitsdatums seiner Bekanntheit nichts vor: «Sobald die diesjährige Fasnacht vorüber und der Zunftmeister 2011 gefunden ist, pulverisiert sich meine Popularität schlagartig.» Dann wird er die fasnächtlichen Insignien Zepter, Ring, Kette und Turmschlüssel an den Nächsten weiterreichen.

Die Bescherungsfahrten
Eine Herzensangelegenheit sind für den gross gewachsenen Spörri die Bescherungsfahrten. Jedes Jahr besucht die Wey-Zunft samt Zunftmeister, Weibel und Jungzünftlern vier Betagtenzentren im Raum Luzern. «Wir tragen mit diesen Besuchen die Fasnacht nach aussen, das wird von den Betagten sehr geschätzt.» Ein Heimleiter habe ihm einmal anvertraut, dass die fasnächtliche Stippvisite für die Bewohner fast wichtiger sei als Weihnachten. «Die Fasnacht wird mit Ausgelassenheit verbunden, das Weihnachtsfest hingegen als eher bedrückend empfunden», sagt Spörri, der in Meggen wohnhaft ist. «Viele der Betagten würden wohl heute noch an die Fasnacht gehen, wenn sie dazu in der Lage wären.»

Und welchen Tipp hat der Zunftmeister für jene auf Lager, die zwar am närrischen Treiben teilnehmen könnten, aber wenig Lust darauf verspüren? «Ich empfehle, es gleich zu machen, wie ich es vor acht Jahren getan habe: Fasnachtsgewand auftreiben, nicht lange überlegen und einfach hingehen.»

Noémie Schafroth

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