Wichteln, Staubsaugerroboter und Geburtstagsdessert – Langlaufstar Nadine Fähndrich über Weihnachten in Eigenthal

Nadine Fähndrich (25) aus dem Eigental will sich diese Saison in der Langlauf-Weltspitze etablieren. Sie erzählt uns, wie sie Weihnachten feiert.

Turi Bucher
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Es weihnachtet sehr in Eigenthal. Es ist der Ort, wo die Langläuferin Nadine Fähndrich aufgewachsen ist. Fähndrich ist im vergangenen Nordisch-Jahr ganz nach vorne gelaufen und will sich in diesem Winter genau dort, in der Weltspitze nämlich, etablieren.

Aufhorchen liess die 24-Jährige, offiziell beim Skiclub Horw als Wintersportlerin registriert, als sie im Februar dieses Jahres im italienischen Cogne erstmals in ihrer Karriere als Langläuferin auf das Weltcup-Podest stieg. Sie belegte über die klassische 10-km-Distanz den 2. Rang. 32 Jahre war es her, als zuletzt eine Schweizerin (Evi Kratzer) in einem Distanzrennen (in Calgary) aufs Podest geklettert war. Zehn Tage nach dem Jubel in Cogne holte sich Fähndrich an der WM im österreichischen Seefeld den beeindruckenden 5. Platz. Am letzten Sonntag, vor zwei Tagen also, lief sie im heftigen Schneetreiben im slowenischen Planica-Tal beim Team-Sprint (mit Laurien van der Graaff) auf den grossartigen, ja sensationellen 3. Rang.

Nadine Fähndrich und Laurien van der Graff lächeln in Planica um die Wette.

Nadine Fähndrich und Laurien van der Graff lächeln in Planica um die Wette.

Federico Modica, NordicFocus

Zurück nach Eigenthal. Schnee liegt nicht wirklich, Grün dominiert. Aber das beliebte Naherholungsgebiet für Stadt- und auch andere Luzerner, gerne mit dem Postauto besucht – es ist und bleibt ein idyllisches Weihnachtsausflugsziel, es leistet die klassische Weihnachtskulisse. Es weihnachtet sehr.

Sagt man eigentlich «in Eigenthal» oder «im Eigenthal»? Man sagt: In Eigenthal und im Eigental. Das Eigental liegt überwiegend im Gebiet der Gemeinde Schwarzenberg im Kanton Luzern, ist aber ein Hochtal der Emmentaler Alpen auf zirka 1000 Metern über Meer am Nordfuss des Pilatus und erstreckt sich bis in den Kanton Nidwalden. Mit seinen naturbelassenen Wanderwegen und zauberhaften Langlaufloipen ist das Eigental ein landschaftliches Schmuckstück. Ja, hier ist Nadine Fähndrich schon im Alter von zwei Jahren auf Langlauflatten gestanden.

Die Wichtel sind am Start – wenn nötig, auch übers Internet

Und daheim, in Eigenthal, feiert Fähndrich Weihnachten. Mit ihren Eltern Kurt und Käthy, mit ihrem Bruder Cyril (20), mit ihrem Partner Elvis sowie den Spörings, den Nachbarn im Zweifamilienhaus. Der Christbaum wurde vergangene Woche aus dem Dorf geliefert, für Lametta und Baumschmuck des Weiteren ist Käthy, Mama Fähndrich, zuständig. Die Weihnachtsgeschenke sind jetzt natürlich besorgt, denn im Hause Fähndrich/Spöring herrscht an Heiligabend das Prinzip «Wichteln». «Viel Zeit für die Besorgungen hatte ich tatsächlich nicht», erzählt Nadine Fähndrich und argumentiert mit Training und Wettkämpfen. «Aber ich bin sowieso eine, welche die Geschenke vorbereitet und gezielt sucht, und nicht eine, die einfach mal losspaziert und sich unterwegs inspirieren lässt. Ausserdem geht es mittlerweile ja auch bequem übers Internet.»

Frau Spöring, diesen Abschnitt bitte nicht lesen

Achtung, aufgepasst, jetzt kommt der Abschnitt, den Frau Nachbarin Thérèse Spöring nicht lesen darf. Mit den Augen bitte zum nächsten Abschnitt hüpfen, Frau Spöring . . . Denn das seit einigen Jahren praktizierte weihnachtliche Wichtelspiel hat per Losentscheid ergeben, dass Nadine Fähndrich der Mutter der Nachbarsfamilie ein Präsent parat haben soll. Hier in diesem Abschnitt, ganz im Vertrauen und unter Ausschluss der gwundrigen Augen von Frau Spöring, sei es verraten: Nadine Fähndrich schenkt beziehungsweise wichtelt Tickets für eine Comedy-Show.

Die Eltern von Nadine Fähndrich – und ab hier dürfen wir auch Mutter Spöring wieder bei uns begrüssen – wollen eigentlich nichts, haben schon alles, wie Eltern eben so sind. Aber die Tochter hat natürlich trotzdem etwas Kleines, Feines besorgt.

Langläuferin Nadine Fähndrich aus Eigenthal feiert traditionell Weihnachten.

Langläuferin Nadine Fähndrich aus Eigenthal feiert traditionell Weihnachten.

Gian Ehrenzeller, KEYSTONE

Und was, bitteschön, möchte sie, die Schweizer Langlauf-Leaderin, denn eigentlich selber geschenkt bekommen? Nun, da hat sie schon ganz mütterliche und väterliche Angewohnheiten angenommen. Sie sagt: «Eigentlich habe ich alles, was ich brauche.» Vor ein paar Monaten noch hätte sie gute Kopfhörer gewünscht. Doch was ist passiert? Im Oktober, an ihrem Geburtstag, steht Partner Elvis plötzlich mit eben diesen Kopfhörern da. Das Geburtstagsgeschenk dient ihr jetzt auf den sportlichen Reisen, Lieblingsmusik zu hören und favorisierte Spielfilme zu schauen.

«Wir, Elvis und ich, bescheren uns diesmal mit einem gemeinsamen Weihnachtsgeschenk», sagt Fähndrich. Und verrät: «Es ist . . . ein Staubsaugerroboter.» Der saust und braust dann allerdings nicht im elterlichen Heim durch die Zimmer, sondern im baslerischen Allschwil, wo Nadine mit Elvis auch eigene gemeinsame vier und mehr Wände haben. Ein Staubsaugerroboter! Damit der Langlaufstar nicht mehr putzend durch die Wohnung laufen muss, skatend oder im klassischen Stil.

Früher, als Nadine und ihr Bruder Cyril noch im Kindesalter waren, wurden die beiden am Weihnachtsnachmittag jeweils zum TV-Schauen in den Fernsehraum gelockt. «Denn das Christkindli musste ja irgendwie die Geschenkpäckli unter den Weihnachtsbaum platzieren», wie die Fähndrich-Geschwister heute besser informiert zu berichten wissen.

Fondue chinoise und ein Geburtstagsdessert

Es weihnachtet schon sehr in Eigenthal. Fondue Chinoise gibt’s an Heiligabend, so zirka um 18.30 Uhr, das traditionelle Silvesteressen im Hause Fähndrich/Spöring hat vor einiger Zeit den Sprung auf Heiligabend geschafft. Danach wuseln die Wichtel hyperaktiv, werden die Geschenke dargereicht und vor allem ausgepackt. Und das Dessert? «Weil die Tochter unserer Nachbarsfamilie am 24. Dezember Geburtstag hat, ist auch immer ein Kuchen mit dabei. Das ist dann zugleich das Weihnachtsdessert», erzählt Nadine Fähndrich. Klingt richtig fein, tönt deliziös. Aber, so viel sei hier auch noch verraten: Geburtstagskind Céline, heute stolze 20 Jahre alt, hat sich diesmal Meringues mit Schlagrahm gewünscht.

Wobei, nur so zur Erinnerung, das Wort «Staubsaugerroboter» darf man sich ruhig auch nochmals auf der Zunge zergehen lassen. Weil, den 25. Dezember verbringen Nadine und Elvis dann in Allschwil . . . mal auspacken und den neuen Mitbewohner einsatzbereit machen, schauen, ob Mr. Roboter wie gewünscht funktioniert.

Nach Weihnachten Lenzerheide, Silvester in den Dolomiten

Es weihnachtet sehr. Bei all den kulinarischen Leckereien muss Fähndrich sich nicht enthaltsam zeigen, darf auch von den Meringues naschen, denn täglich trainiert wird sowieso, auch während den festlichen Tagen. Sei es auf der Loipe, mit Jogging oder im kleinen Kraftraum im Elternhaus. Aber Weihnachten ist dann auch schnell wieder vorüber für Nadine Fähndrich. Im Rahmen der Tour-de-Ski-Wettkämpfe ist die Eigenthalerin ab dem 26. Dezember auf der Lenzerheide. Silvesterparty? Am 31. Dezember startet Fähndrich, so ist das Leben eines Profisportlers halt, in den italienischen Dolomiten, in Toblach genau, zur nächsten Etappe der Tour de Ski.

Ihr Fanclub ist dort sicher auch wieder lautstark dabei:

Aber jetzt weihnachtet es sehr. Allüberall. Am Nachmittag, wenn es draussen eindunkelt und die Lichterkränze Wärme senden, wird drinnen bei den Fähndrichs und den Nachbarn gemeinsam gemütlich, besinnlich und herzlich gefeiert. Oh ja, es weihnachtet wirklich sehr im Eigental und in Eigenthal.