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Interview

Mundart-Profi aus dem Entlebuch: «Wichtig isch, dass mer d Wörter versteit»

Josef Ehrler (83) aus Marbach schreibt Geschichten in der Entlebucher Mundart, bald erscheint sein drittes Buch «D Ruth». Der pensionierte Lehrer sagt, er sei mit den Dialekten ziemlich bewandert. Wir wollen es genau wissen und wagen einen Versuch.
Roger Rüegger
Schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Josef Ehrler, Buchautor aus Marbach. (Bild: Pius Amrein, 9. Oktober 2018)

Schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Josef Ehrler, Buchautor aus Marbach. (Bild: Pius Amrein, 9. Oktober 2018)

Josef Ehrler, anere Gschicht vome Pinguin hani de Titu «Greng ufe o schwömme» ggäh. Si händ mer gschrebe: «Mit dem Titel haben Sie den Vogel totgeschossen. Haben Sie vergessen, dass Ihre Leser in der Innerschweiz beheimatet sind? Es müsste heissen: Grind ufe und schwümme.» Was hani fausch gmacht?

Wichtig isch, dass mer d Wörter versteit, was bi Öjem Titu für vüu Läser chuum z schaffe isch.

Vöu Lüt schriibe of Dialäkt. I ha vonere junge Frou das Sms becho: «Es ish am afang guet glofe, de gäge shluss ishs mega shwär wurde.» Das verstoht me ämu scho?

Di junge Lüt schriibe ihri Nachrichte ohni Regle. Ich as Lehrer bi mi vom Ufsatz-Korrigiere här gwanet, ou fausch gschribni Wörter richtig z verstah.

Ehr sind offebar e Purischt. Git’s öberhoupt e Rächtschriibig för d Mundart?

E Purischt isch eine, wo keni frömde Iiflüss laht la gäute. So eine bin i nid. Aber ich ha mier gwüssni Prinzipie aageignet. Ou dass mer gliichligi Wörter immer gliich schriibt. Mi Art z schriibe deckt sich zimlech genau mit de Schriibwiis vom Josef Röösli i sim Buech «Wi mer so redt». Allgemein güutigi Regle für d Rächtschriibig git’s nid.

Lit Öich vöu am Erhaut vo de Mundart?

Ja, sehr. Drum han i ou Fröid, dass i es paarmau i de Sändig «Schnabelweid» ha dörfe lääse. No zum Wort «Mondart»: E normale Mönsch verbindet das Wort mit Mond, nid mit Mund. I de Phonetik tönt e gschlossne «o» gliich wi e offne «u». Wärum auso «o» schriibe? Wär versteit de Satz «Nid jede Schöpfer heisst Schöpfer»? Wenn ich aber schriibe «Nid jede Schüpfer heisst Schöpfer», de weiss mer, dass nid jede, wo z Schüpfe (Schüpfheim) wohnt, Schöpfer heisst.

Träge die jonge Lüt öbbis zum Erhalt vom Dialäkt bi?

Nid unbedingt. Wemmer a die vile Mundart-Variante dänkt, wo ufenand träffe, mues mer a dere Feschtstöuig zwiifle.

Chönnt me s Buech vom Röösli bruuche, demet d Mundart vo jonge Lüt erhaute bliibt?

Das trifft höchschtens uf ds Äntlibuech zue, aber nid uf anderi Regione. Di junge Lüt wei änand eifach verstah, und das funktioniert ja so, wi si’s mache.

Ehr säget’s. Änand verstah. Es get Lüt, wo ned uf Mundart-Mails reagiere. Chönd Ehr das begriiffe?

Es Stück wit scho. Es git es Dürenand. Ich dänke da a Sache, wo i verschidene Regione ganz e andere Name hei. Wenn öpper «Härdöpfu» oder «Häppere» bstöut, wo z Schwyz «Gumel» heisse, de chönnt’s si, das dä, wo ds Mail list, ds Wort «Kartoffeln» würd verstah, aber vo dene drüi Wörter kes einzigs könnt.

Nomou zum Pinguin. Was esch lätz? Ich schriibe so, wieni rede. Ehr verstönd mi ämu?

Ds «Schwömme» statt «Schwimme» wär jo no ggange, aber de «Grend» isch scho schwiriger z verstah. Ganz schlimm isch’s, wenn i de Ziitig «die Grende» imene schriftdütsche Satz steit. Todesazeige im Dialäkt si ou so öppis: «Mer vermesse di», heisst’s doch mängisch. Tuet mer da öpper «vermässe» und nid «vermisse»? Vermisse isch unmissverständlich. Drum ou ned «Grend» sondern «Grind». Mängisch mues mer haut zugunschte vo de Verständlichkeit e Kompromiss iigah.

Be so vöune Dialäkte esches verzweckt. Gets ei Mundart, wo aui verstöhnd?

Da wett mi nid uf d Escht use laa. Es git es paar, wo für vili schwär verständlech si. D Dialäkte, wo mer im Oberwallis, im Bärner Oberland oder z Innerrhode redt.

Ehr schriibet Gschichte ide Äntlibuecher Mundart vo Sache, wo Ehr erläbt händ?

Und söttig, wo mer verzöut worde si. Genau so isch es.

I de «Schnabelweid» händ Ehr vo de Poscht-Pöile glääse. E schöni Gschecht. Di Pöile esch Öichi Frou worde.

Das stimmt. I ha verzöut, wi ich sä übercho ha. Si isch es rassigs Meitschi gsi. Jede Tag het si d Poscht zum Poschtouto bbrunge. I ha mängisch hinderem Vorhang vüre güggslet, wenn si mitem Poschtchare be mier däheime verbi glüffe isch.

Wie händer ds Härz eroberet?

Wüu i guet ha chönne singe, het mi de Komponischt vomene Musical für di männlech Hauptroue wöue engaschiere. I ha gseit: «Nume wenn d Poscht-Pöile di wiiblech Houptroue überchunnt». I däm Theater-Stück isch si mi Schatz gsi, und das isch si nachhär ds Läbe lang bblube.

Händ Öji Schüeler ou i Mundart gschribe?

Zum Teil. Mier hei i Gruppe mängs Chaschperlistück gschribe und ufgfüehrt. So han ich ou ds Ghöör für d Äntlibuecher Mundart chönne schuele. Aber grundsätzlech hei mer i de Schueu natürlech Hochtüütsch gredt.

Öjes dritte Buech handlet vonere Ruth. Om was gohts?

D Ruth isch z Marbach ufgwachse. Mi Frou isch d Schwöschter vo ihrere Mueter gsi, drum isch d Ruth mängisch zu üs uf Bsuech cho. Bi dene Glägeheite het si aube verzöut, was si so aues erläbt und gleischtet het. Mit de Zit han i gmerkt, dass die Gschichte e richtigi Biographie ergäi, und ha sä imene Büechli feschtghaute.

Ei Gschicht heisst: D Ruth – e Gängschterbrut. Isch si eini?

Nei, natürlech nid! Es het e schlimmi Verwächslig ggäh. Die Gschicht isch passiert, wo si im Hergiswaud obe Serviertochter gsi isch. Überhoupt isch d Ruth immer wider vor ungloublechi Situatione gstöut worde, wo si mängisch nume mit vüu Glück überläbt het. Mini Gschichte biete Spannig und meischtens ou en Überraschig, wo mer würklech gar nid het chönne erwarte. Dier gloubit’s nid? De läsit ds Büechli «D Ruth... es Läbe i Gschichte».

Hinweis: Josef Ehrler stellt sein Buch «Ruth» am 23. November in der Druckerei Schüpfheim vor, wo es auch verkauft wird. Die Lesung beginnt um 16 Uhr. Das Buch kostet 22 Franken, ISBN 978-3-906832-08-1.

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