Kommentar

Die Entwicklung bei den Stipendien ist ein Widerspruch zum Studier-Boom

Die Regierung muss bei der Familienfreundlichkeit über die Bücher. Denn wie schon bei der Prämienverbilligung haben mittelständische Familien auch bei den Stipendien gegenüber anderen Kantonen das Nachsehen.

Roseline Troxler
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Unis, Fachhochschulen und höhere Fachschulen ziehen immer mehr Lernwillige an. Innert fünf Jahren hat sich die Zahl der Luzerner Studenten von 8700 auf 9400 erhöht. Studieren boomt. Diese Entwicklung ist in einer Wissensgesellschaft essenziell.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Zahl der Stipendienbezüger im gleichen Zeitraum deutlich reduziert hat – von knapp 1950 auf 1040. Ein Grund ist die Revision des Stipendiengesetzes, wodurch der Schwerpunkt auf die am stärksten bedürftigen Personen gelegt wurde. Doch es gibt eine weitere Ursache: die kantonalen Sparmassnahmen. Das Stipendienvolumen ist in den letzten fünf Jahren von 10,1 auf 8,4 Millionen gesunken. Der tiefste Wert lag 2017 gar bei nur 7,8 Millionen.

Diese Entwicklung ist problematisch. Das Versprechen gegenüber den Stimmbürgern bei der Abstimmung über das neue Gesetz wurde gebrochen. In der Botschaft schrieb die Regierung, dass die Beiträge auf dem damaligen Stand belassen werden. Das Sparen bei den Stipendien belastet einmal mehr die Budgets mittelständischer Familien. Diese sind gegenüber anderen Kantonen bereits bei der Prämienverbilligung im Nachteil. Dort hat Luzern ebenfalls den Sparhebel angesetzt.

Die Regierung tut gut daran, bei der Familienfreundlichkeit nun über die Bücher zu gehen. Nicht zuletzt, weil die Studenten von heute die benötigten Fachkräfte von morgen sind.

Der Kanton Luzern ist bei den Stipendien im Hintertreffen

Bei den Stipendien leuchtet die Ampel im Kanton Luzern rot. Grund: Im Schnitt erhalten Studenten hier viel weniger Geld als in anderen Kantonen, wie eine Analyse jüngst zeigte. Die Situation hat sich gar noch verschärft.
Roseline Troxler