Wie Baggerfahrer Stefan Bitterli den Mammut-Stosszahn in Eschenbach fand

Bei Arbeiten in Eschenbach wurde ein 80'000 Jahre alter Stosszahn freigelegt. So gelassen wie der Baggerfahrer reagierte, so erstaunt ist die Luzerner Kantonsarchäologie über den Fund.

Roman Bertschi
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Die Freude über den fünften Eschenbacher Mammutzahn ist gross. Ebbe Nielsen, Kantonsarchäologe (hinten) mit dem Finder Stefan Bitterli.

Die Freude über den fünften Eschenbacher Mammutzahn ist gross. Ebbe Nielsen, Kantonsarchäologe (hinten) mit dem Finder Stefan Bitterli.

Bild: Eveline Beerkircher, 28. November 2019

In der Kiesgrube in Eschenbach wurde am Montag ein 80'000 Jahre alter Mammutzahn gefunden. Es ist seit 2006 bereits der fünfte Mammutzahn, der zum Vorschein kommt. Nichts spezielles also? Im Gegenteil, Fachleute sprechen sogar von einer Sensation, wie Ebbe Nielsen, der stellvertretende Luzerner Kantonsarchäologe, gestern vor den Medien erklärte. Besonders sei, dass es einer der ältesten gefundenen Stosszähne in der Schweiz ist. Er sei auch am besten erhalten.

Der Zahn bietet einen imposanten Anblick und der Gedanke, dass dieser zu einem Tier gehörte, welches noch viel grössere Ausmasse aufwies, ist beeindruckend. Maschinist Stefan Bitterli entdeckte den Mammutzahn beim Abtragen der Kiesmassen. Der erste Arbeitstag in der Woche war für ihn kein alltäglicher. Seiner Routine ist es zu verdanken, dass der Zahn nicht unter der Baggerschaufel zerdrückt wurde.

Ursprünglich mehr als drei Meter lang

Bitterli erzählt gelassen vom Moment, als er den Zahn erblickte. Er sei vom Bagger gestiegen und ins Büro gegangen. Dort habe er die Behörden über den Fund informiert. Aufgeregt sei er nicht gewesen, sagt der Baggerfahrer. Erst der gestrige Medienrummel schien so etwas wie Nervosität aufkommen zu lassen.

Zum Scherzen aufgelegt war Ebbe Nielsen von der Kantonsarchäologie. Es werde «alle vier Jahre ein Mammutzahn und alle zwei Jahre ein Skelett» gefunden, bemerkte er. Die Masse des Zahnes sind beeindruckend. Er dürfte ursprünglich eine Länge von mehr als drei Metern aufgewiesen haben, bei einem Durchmesser von zwanzig Zentimetern. Interessant ist auch, wie der Zahn an den Fundort gelangte. Der Körper des Mammuts wurde laut den Archäologen weiter südlich der Fundstelle vom Schmelzwasserfluss mitgerissen und am Standort der heutigen Kiesgrube in Eschenbach angespült. Übrig geblieben sind nur die Backenzähne und die Stosszähne, da diese dem Wasser und dem Druck der Gesteinsschichten standhalten konnten.

Stosszahn wird konserviert

Die Datierung des Fundes war dank einer früheren Untersuchung der Gesteinsschicht, in der sich der Mammutzahn befand, durch die Universität Bern einfach. Als das Mammut vor 80'000 Jahren starb, lebten in der Schweiz die Neandertaler. Der Homo Sapiens betrat die Bühne erst vor 40'000 Jahren.

Der Zahn soll voraussichtlich kommende Woche geborgen werden. Danach wird er mit Gips stabilisiert und für Analysen in ein Speziallabor gebracht. Nach den Untersuchungen und Auswertungen wird der Zahn konserviert und vorläufig im Depot der Kantonsarchäologie aufbewahrt. Somit steht er in der Zukunft Museen und der Wissenschaft zur Verfügung. Diese Untersuchungen sollen wichtige Informationen zur damaligen Tierwelt liefern, die damit rekonstruiert werden kann.

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