Wie der Papst von Luzern den Umgang mit Kondomen lernte

Zum 39. Mal gibt Silvio Panizza den Rüüdigen Fasnachtsfüerer heraus. Seine begehrteste Urkunde erhält die katholische Kirche.

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Silvio Panizza überreicht Alois Metz und Burghard Förster (von links) die «Goldig Gyge»-Urkunde. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Silvio Panizza überreicht Alois Metz und Burghard Förster (von links) die «Goldig Gyge»-Urkunde. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Die Aktion hat ihre Wellen bis nach Washington geschlagen. Vertreter der katholischen Kirche verteilten auf einem öffentlichen Platz in der Stadt Luzern Kondome. So geschehen im letzten Oktober auf dem Europaplatz. «Was man mit so einem kleinen Ding erreichen kann! Wir wurden weltweit bekannt», sagte gestern Abend Florian Flohr von der Katholischen Kirche der Stadt Luzern. Zusammen mit Gemeindeleiter Alois Metz und Diakon Burghard Förster durfte Flohr die «Goldig Gyge 2010» entgegennehmen.

Verliehen wurde diese Auszeichnung von Silvio Panizza, dem Oberehrenbock der Künstlervereinigung zum Bockstall und Herausgeber des Rüüdigen Fasnachtsfüerers. «Luzern ist schneller als der Vatikan und da sind wir alle stolz darauf», würdigte Panizza in seinen bekannt markigen Worten und erinnerte daran, dass mittlerweile selbst für Papst Benedikt XVI. die Benützung eines Kondoms nicht mehr tabu ist. Was Alois Metz zur Aussage inspirierte: «Der Papst hat eben von uns Luzernern gelernt.» Die Kirchenmänner hatten im Übrigen allesamt ein Kondom mit dabei, und auch Silvio Panizza zog schwupps! einen Pariser aus der Hosentasche.

2000 Jahre alte Zunft

Über die Ehrung zeigten sich die Vertreter der katholischen Kirche erfreut. «Religion und Fasnacht gehören zusammen», stellte Florian Flohr fest, und Diakon Burghard Förster meinte: «Nur ist unsere Zunft im Gegensatz zu den Luzerner Zünften schon 2000 Jahre alt.» Der zweite und der dritte Rang der «Goldig Gyge» ging an die Wey-Zunft aus Luzern und die Rotsee-Zunft aus Ebikon. Die «Roschtigen Guuggi» für die grössten Ärgernisse gingen an die Projektgruppe Salle Modulable (Panizza: «Auf den Bermudas hat es noch mehr Sand als in Luzern, da versinkt die Salle Blamable vollends ...») und an Regierungspräsident Anton Schwingruber für die Neugestaltung der Sempacher Schlachtjahrzeit (Panizza: «Der Bückling der Regierung ist Winkelrieds Tat unwürdig»).

Infos für 600 Fasnachtsanlässe

Nebst diesen Auszeichnungen enthält der Fasnachtsfüerer auch dieses Jahr wieder lesenswerte Artikel, etwa zur Geschichte des Urknalls oder zu den Schwyzer Fasnachtsfiguren, die 2011 am Luzerner Umzug eine Plattform erhalten. Zudem sind 600 Fasnachtsdaten, darunter rund 300 Bälle, aus der ganzen Zentralschweiz aufgelistet.

Christian Bertschi/Neue LZ

HINWEIS

«De rüüdig Fasnachtsfüerer» ist an Kiosken für 5 Franken erhältlich. Infos: http://www.fasinet.ch/