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Wie die Brass Band Reiden mit Kunz das Internet begeistert

Um auch während der Pandemie zusammen Musizieren zu können, wurde die Brass Band Reiden erfinderisch. Entstanden ist ein Musikvideo, welches auf den sozialen Medien mit 19'000 Klicks gefeiert wird.

Elena Oberholzer
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In der Mitte des Videos steht Dirigent Roland Fröscher vor einem malerischen Abendhimmel und schwingt seinen Dirigierstab. Rundherum geben 34 Musikerinnen und Musiker der Brass Band Reiden das Stück «Chliini Händ» des Zentralschweizer Musikers Kunz zum Besten. Die einen spielen draussen vor dem Blumenbeet, andere im Wohnzimmer und dritte vor einem virtuellen Hintergrund.

Hier das Video:

Kurt Zurfluh, administrativer Leiter der Brass Band MG Reiden, erzählt im Telefongespräch, wie das Video entstanden ist. Zu verdanken hätten sie die Idee ja eigentlich Corona, witzelt er. Aufgrund der Pandemie wurden alle Konzerte, Proben und sogar das kantonale Musikfest abgesagt. Während dieser Zeit einfach nichts zu machen, sei jedoch nie eine Option gewesen. «Wir bildeten sofort eine Task Force, um Ideen zu sammeln, wie wir trotz Corona weiterspielen können.» Die Idee für das Musikvideo war geboren.

Schritt für Schritt gegen Corona

Dass man das berühmte Stück «Chliini Händ» von Kunz spielen wollte, war schnell entschieden. «Das Lied passt perfekt zur aktuellen Situation», so Zurfluh. «Schrett für Schrett, de Bärg doruf» singt Kunz im Original des Schweizer Mundarthits, welchen er für die Neuverfilmung von «Schellen Ursli» im Jahr 2015 geschrieben hat. Und «Schrett für Schritt, zeme werde mer das schaffe», sagt Kunz auch in seiner persönlichen Botschaft am Ende des Musikvideos der Brass Band Reiden (2:51). Im Video mitwirken konnte Kunz selbst nicht, da er momentan im Vaterschaftsurlaub ist.

34 Musikerinnen und Musiker plus Dirigent sind im Video zu sehen.

34 Musikerinnen und Musiker plus Dirigent sind im Video zu sehen.

Bildschirmaufnahme

Da die Noten für eine Brass Band noch gar nicht vorhanden waren, musste das Stück erst arrangiert werden. Diese Aufgabe übernahm Komponist Etienne Crausaz. Euphonist Thomas Rüedi, welcher an der Hochschule Luzern unterrichtet und Trompeter Giuliano Sommerhalder machten die Starbesetzung im Stück dann komplett, erzählt Zurfluh stolz.

37 Stunden Schnittarbeit

Im Internet und auf den sozialen Medien kursieren gerade einige solcher Musikvideos von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Schweiz. So hat beispielsweise die Zürcher Band Hecht vor einigen Wochen ein Stück mit dem Titel «Gsehnd üs im Sommer» veröffentlicht. Wer glaubt, die Bands spielen für diese Videos gemeinsam im Skypemeeting, liegt falsch. «Hinter unserem Musikvideo stecken 37 Stunden Schnittarbeit» erklärt Zurfluh. Die Musikerinnen und Musiker bekamen die Noten am Mittwoch zugeschickt, am darauffolgenden Sonntag mussten sie die Aufnahmen abgeben – es spielten also alle einzeln. Lukas Aecherli, ebenfalls Mitglied der Brass Band Reiden, habe sich dazu bereit erklärt, die einzelnen Handyvideos zusammenzuschneiden. Wie viel Aufwand dies tatsächlich bedeutet, habe niemand ahnen können. «Alle Aufnahmen mussten untereinander abgeglichen werden», so Zurfluh.

Gelohnt hat sich der ganze Aufwand allemal. Fast 20'000 Mal wurde das Musikvideo «Chlini Händ» angeklickt, es erreichte auf Facebook über 400 «Gefällt mir»-Reaktionen und wurde knapp 180 Mal geteilt (Stand: 29. April, 11 Uhr). «Wir sind ein kleiner Dorfverein, für uns ist das enorm.» Und wie geht es nach diesem Erfolgserlebnis weiter? Viel verraten wollte Kurt Zurfluh nicht, doch so viel sei gesagt: «Die Idee für ein zweites Stück steht im Raum».

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