Demo gegen Spange Nord: Wie das Projekt spaltet – und wie es vereint

Es ist das kontroverseste Strassenprojekt der Zentralschweiz: Der geplante Autobahnzubringer namens Spange Nord ist längst zum kantonalen Politikum avanciert. Am Samstag meldeten sich die Direktbetroffenen wieder zu Wort.

Ismail Osman
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Das Transparent der Gegenbewegung ist mittlerweile in der ganzen Stadt Luzern bekannt.
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Auch diese drei Knirpse trotzten dem Wetter um bei der Demo dabei zu sein.
Der Protestmarsch führe durch die Luzerner Altstadt.
Vor rund einem Jahr formierten sich die Anwohner gegen das Projekt.
Zahlreiche Personen schlossen sich spontan dem Protestzug an.
Das Wetter machte derweil nur bedingt mit.
Davon liesen sich die Teilnehmer jedoch nicht beeindrucken.
Was als Stadtzentrum definiert wird, ist einer von vielen Disskussionpunkten um die Spange Nord.
Ist das Projekt tatsächlich schon gestorben?
Der Protestmarsch führte zum Nationalquai.
Dort sprach auch Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch (Grüne) zu den Teilnehmern.
Neben Korintha Bärtsch gehörte auch der SP-Kantonsrat Marcel Budmiger zu den Sprechern.
Die Meinung der Gegner ist klar.
...Und er machte auch noch seine Aufwartung.

Das Transparent der Gegenbewegung ist mittlerweile in der ganzen Stadt Luzern bekannt.

Anwohner gegen Strassenplaner, Stadt gegen Land, Kanton gegen Bund, Stadtrat gegen Regierungsrat, Linke gegen Bürgerliche, ÖV gegen motorisierten Privatverkehr, Varianten gegen Verzicht: Das Projekt Spange Nord reisst gleich an einer Vielzahl von Fronten tiefe Meinungsgräben auf. Die haben sich im Verlauf des letzten Jahres eher noch vertieft.

An diesem Samstag riefen die Anwohner der betroffen Quartiere Maihof und Fluhmatt, die sich vor rund einem Jahr erstmals im organisierten Kollektiv zu Wort meldeten, zum Protestmarsch durch die Luzerner Altstadt auf. Was der Marsch, inklusive einer kurzen Kundgebung aufzeigte: Die Spange Nord hat – zumindest in der Stadt – auch die Kraft zu vereinen. Gemäss Luzerner Polizei trotzen mindestens 1000 Personen dem garstigen Wetter und nahmen am Protestmarsch teil.

Markige Worte an der Kundgebung

Mit Titeln wie «Die Schneise durch Luzern» oder «Ein Strassenprojekt spaltet den Kanton Luzern», hat das 200-Millionen-Projekt Spange Nord längst schon für nationale Schlagzeilen gesorgt. Die Botschaft der gestrigen Kundgebung war den auch klar: Die Luzerner Regierung kann noch so lange verschiedene Ausbauvarianten abwägen (die definitive Variante soll bis im Herbst feststehen), ausser der Variante des kompletten Verzichts, wird keine davon Zustimmung erhalten. Dies unterstrich man am Samstag mit teils markigen Worten: Felix Kaufmann vom «Verein Gegenbewegung Spange Nord» wünschte sich etwa, dass der abtretende Baudirektor Robert Küng die Spange-Nord-Pläne gleich mit in die Pension nimmt.

Das definierte Ziel der Spange Nord ist es, den Verkehr im Zentrum zu entlasten. Dass die Betroffenen Quartiere demnach abseits des Zentrums liegen, lassen die Gegner nicht gelten: «Für den Regierungsrat scheint das Zentrum der Stadt Luzern lediglich aus der Seebrücke und dem Schwanenplatz zu bestehen. Das Stadtzentrum ist aber mehr als nur jener Teil, der für die Uhrenläden und den Tourismus wichtig ist», sprach Kaufmann während der Kundgebung beim Nationalquai. Dort trat – unter grossem Beifall – auch die grüne Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch vor die Anwesenden. Bärtsch ist schon lange Gegnerin der Spange Nord und hat diese auch in ihrem Wahlkampf immer wieder thematisiert. «Man muss nicht Maihöflerin sein, um bei diesen Plänen den Kopf zu schütteln.» Diese stammten direkt aus den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Eine «Hochleistungsstrasse», wie es der geplante Autobahnzubringer wäre, sei «Gift für die Quartierentwicklung», so Bärtsch. Und weiter sagt Bärtsch:

«Luzern braucht nicht mehr Strassen, Luzern braucht Investitionen in den öffentlichen Verkehr und Investitionen in sichere und attraktive Velowege.»

Ebenfalls zur Menge sprach Marcel Budmiger. Der SP-Kantonsrat ist Mitglied der Kommission Verkehr und Bau (VBK). Er rief unter anderem in Erinnerung, dass man schon seit rund 50 Jahren über ein solches Projekt streitet – früher noch unter dem Projektnamen Nordtangente. «Solche Pläne gehören nicht mehr zurück in die Schublade, sondern endgültig ins Altpapier», so Budmiger.

Die Organisatoren schworen die Anwesenden derweil nochmals darauf ein, sich für einen langen Kampf zu rüsten. Mit Freude stelle man hingegen fest, dass die Bewegung innerhalb eines Jahres in der gesamten Stadt «enorm gewachsen» sei.