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Wie ein Schuh-Fanatiker aus Basel in Luzern seinen Lebenstraum verwirklichte

Ueli Riesen (65) träumte schon als Kind davon, Schuhhändler zu werden. Nach 26 Jahren schliesst er nun seine letzte Filiale in Luzern. Er hofft immer noch, dass die Leute irgendwann genug haben von billigen Online-Schuhen.
Nathalie Ehrenzweig
Ueli Riesen in seinem Schuhladen an der Ledergasse in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher, 24. Oktober 2018)

Ueli Riesen in seinem Schuhladen an der Ledergasse in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher, 24. Oktober 2018)

Während andere Kinder Lokführer werden wollten, war für Ueli Riesen bereits als kleiner Junge klar: Ich will Schuhhändler werden. «Schon meine Eltern haben mir immer tolle Schuhe gekauft. Und ich war immer der Meinung: Ein Fuss muss in einen schönen Schuh verpackt werden», gerät Ueli Riesen ins Schwärmen.

Zielstrebig wie nur wenige in seinem Alter hat der achtjährige Ueli bereits Päckli gemacht in einem Schuhladen, als Teenager machte er dann eine Schuhverkäuferlehre in Basel, die er sehr gut abschliesst. Doch Ueli Riesen will mehr. Er möchte Schuhhändler werden: «Deshalb ging ich nach Deutschland in die Schuhfachschule und bekam schon bald einen Praktikumsplatz bei einem sehr bekannten Schuhhaus, das es heute leider nicht mehr gibt».

Das Geld für den Laden verdiente er mit einem Club

Inzwischen ist Ueli Riesen 65-jährig; mit zeitweise bis zu drei Schuhläden hat er den Luzerner Detailhandel in den letzten 26 Jahren stark mitgeprägt. Doch im Dezember wird er seinen letzten Laden in der Ledergasse schliessen. Entsprechend leer sind die Regale. «Meine letzten Schuhe verkaufe ich zu einem sehr guten Preis, aber verschleudern werde ich sie nicht. Qualität hat ihren Preis», stellt er klar. Riesens Laden blieb schon in letzter Zeit immer wieder mal geschlossen. «Ich habe inzwischen keine Angestellten mehr, bin allein im Laden. Wenn ich einen Termin habe, ist halt der Laden zu», erklärt er. Das habe ihn in der letzten Zeit auch müde gemacht.

«Die Luzerner haben mich irritiert angeschaut. Doch ich bemerkte: Das lag nicht an meiner Frisur, sondern an meinen roten Schuhen.»

Müde ist er vielleicht auch, weil er all die Jahre immer Vollgas-Unternehmer war, stets sein Ziel vor Augen, einen eigenen Schuhladen zu besitzen. «Um einen Schuhladen zu eröffnen, braucht es eine Stange Geld.» Deshalb habe er damals in Basel einen Club eröffnet und zwölf Jahre lang geführt. «Der Club war ein wahnsinniger Erfolg. So konnte ich für meinen Laden sparen und gleichzeitig immer unter jungen Leuten sein, so dass ich stets Einblick in die aktuelle Mode hatte», erinnert sich der Schuhhändler.

«Damals waren die Luzerner konservativer als die Basler»

Nach vier Jahren war es soweit, sein Lebenstraum vom Schuhladen ging in Erfüllung. Dass es ihn nach Luzern verschlagen sollte, hätte er nicht gedacht. «Ich wäre am liebsten nach Lausanne oder Genf. Aber mein Partner, mit dem ich seit 30 Jahren zusammen bin, kommt aus Hamburg. Da lag Französisch nicht auf der Hand», erzählt er lächelnd.

Ueli Riesen hatte aber bereits damals Freunde in Luzern. So sei er wochenlang nach Luzern gefahren und habe sich Schuhläden und Luzerner angeschaut. «Damals waren die Luzerner noch etwas konservativer als etwa die Basler. Ich hatte blonde lange Haare. Die Leute haben mich irritiert angeschaut. Doch ich bemerkte: Das lag nicht an meiner Frisur, sondern an meinen roten Schuhen», erinnert er sich.

Ueli Riesen: «Der Online-Handel nimmt uns die Kundschaft weg.» (Bild: Eveline Beerkircher, 24. Oktober 2018)

Ueli Riesen: «Der Online-Handel nimmt uns die Kundschaft weg.» (Bild: Eveline Beerkircher, 24. Oktober 2018)

Das erste Geschäft lag an der Pilatusstrasse, nach fünf Jahren eröffnete Ueli Riesen den zweiten Laden an der Ledergasse. «Es lief super, wir hatten schnell den Ruf, dass es bei uns schöne, bequeme Schuhe im mittleren Preissegment gibt». Später gab es einen dritten Laden im Shopping-Center Schönbühl, der 2015 schloss.

«Ich habe Kunden in Zürich angerufen und gefragt, wieso sie nicht mehr einkaufen kommen. Die Antwort war, weil sie keine Parkplätze mehr fänden.»

«Letztes Jahr habe ich mich entschieden, aufzuhören. Einen Nachfolger zu finden, ist schwierig. Das Business ist auch schwierig geworden. Der Online-Handel nimmt uns die Kundschaft weg.» Am Anfang habe er noch seine Preise mit denjenigen im Internet angeglichen. «Das mache ich nicht mehr. Schliesslich bieten wir ja auch eine Dienstleistung», betont er.

Schmerzende Füsse wegen Schuhen aus dem Internet?

Er wolle sich jetzt ausruhen, sich mit seinen zwanzig Papageien beschäftigen, Golf spielen und im Garten seines grossen Hauses arbeiten. Die Branchenentwicklung wird er aber weiterhin mitverfolgen. «Ich hoffe, dass die Konsumenten bald wieder verstehen, dass es wichtig ist, den privaten Fachhandel zu unterstützen, wo gute Beratung zu haben ist.» All jene, die jetzt online schlechte, billige Schuhe kaufen, würden früher oder später schmerzende Füsse haben, prophezeit Ueli Riesen.

Die persönliche Beziehung zu seiner Kundschaft war Ueli Riesen immer wichtig: «So habe ich Kunden in Zürich angerufen und gefragt, wieso sie nicht mehr einkaufen kommen. Die Antwort war, weil sie keine Parkplätze mehr fänden.» Er habe den Kunden auch Kunden immer ehrlich gesagt, wenn ein Schuh nicht zu ihnen passte. «Dafür waren sie dankbar. Der Kunde steht im Mittelpunkt.»

Nachmieter für Schuhhaus noch offen

Was nach dem Schuhhaus Riesen in die Lokalität in der Luzerner Altstadt zieht, ist noch nicht bestimmt, wie die Eigentümerin, die Falck Unternehmensgruppe, auf Anfrage sagt. Auf das Inserat für die knapp 300 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Etagen haben sich gut zwei Dutzend Interessenten gemeldet, teilt die Falck mit. Aktuell laufen diverse Abklärungen. Einen Neustart in der Lokalität an der Ledergasse wird es in diesem Jahr aber sicher noch nicht geben. (sam)

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