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Wie Kriens zu seinem Dorfbrunnen kam

Vor 100 Jahren wurde auf dem Krienser Dorfplatz ein mit den Antlitzen berühmter Krienser dekorierter Brunnen eingeweiht. Er wies diverse Besonderheiten auf – und steht heute an einem ganz anderen Ort.
Hugo Bischof
Dorfplatz Kriens um 1930. In der Bildmitte das «Schnäggehuus», links daneben die Drogerie Saxer, beide inzwischen abgerissen. Der Dorfbrunnen musste 1964 einer Strassenverbreitung weichen. Hinten die Galluskirche (vor dem Umbau 1937/38), ganz hinten der Pilatus. Bild: Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege

Dorfplatz Kriens um 1930. In der Bildmitte das «Schnäggehuus», links daneben die Drogerie Saxer, beide inzwischen abgerissen. Der Dorfbrunnen musste 1964 einer Strassenverbreitung weichen. Hinten die Galluskirche (vor dem Umbau 1937/38), ganz hinten der Pilatus. Bild: Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege

Der Dorfplatz Kriens ist längst nicht mehr Mittelpunkt des Dorfes, das nun zur Stadt wird. Dass im Kreuzungspunkt Luzernerstrasse/Kirchrainweg/Gallusstrasse bis in die 1960er Jahre ein Brunnen stand, daran erinnern sich ältere Krienser aber noch gut. Sie wiesen uns darauf hin, dass seine Geschichte verblüffende Parallelen zu jener des Fritschibrunnens in Luzern hat (Artikel vom 24. November).

Der Fritschibrunnen wurde Mitte Oktober 1918 eingeweiht, der Krienser Dorfbrunnen an Weihnachten 1918. Beide wurden zu «Friedensbrunnen» deklariert – symbolisch zum Ende des Ersten Weltkriegs. Noch eine Gemeinsamkeit: Zu keinem der beiden Brunnen gab's heuer eine offizielle Gedenkfeier – zum Bedauern vieler.

«Nicht gerade mehr ein Schmuck der Umgebung»

Die Geschichte des Krienser Dorfplatzes ist in einer 1918 zur Brunnen-Einweihung erschienenen Broschüre schön beschrieben. Einst «ein kleiner Wiesengrund südlich des Gasthauses zur Linde und nördlich des Kirchenhügels», war er demnach lange «der ideale Ausstellplatz aller wandernden Händler und Handwerke, der Kesselflicker, Geschirrverkäufer, der Zigeunerwagen und später auch der Rösslispiele». Gemäss Festschrift-Autor J. Schnyder stand hier «über Menschengedenken hinaus» ein hölzerner Brunnen. In den 1830er Jahren wurde er durch einen neuen Brunnen von «hartem Rengglochstein» ersetzt.

1917 wurde die Strasse von der «Linde» gegen das südöstliche Viertel des Dorfes neu erstellt und erhielt ein Trottoir. Der Dorfplatz wurde dadurch kleiner und «lief Gefahr, wieder zur herrenlosen Wildnis zu werden», schrieb J. Schnyder. Auch der alte Brunnen mit dem verwitterten Kopfe eines langen Troges sei «nicht gerade mehr ein Schmuck der Umgebung» gewesen. «Diese Umstände», so Schnyder, «weckten den Gedanken, das Plätzchen in eine ansprechende Gestalt zu bringen und als Standort eines neuen, künstlerischen oder monumentalen Brunnens dem ganzen Dorfe zur Zierde zu machen.»

Geschenk an die Gemeinde als Friedensbrunnen

Er sollte der Gemeinde geschenkt werden – als Friedensbrunnen «zur Feier des Friedensschlusses nach dem langen Weltkrieg». Als historische Mahnstätte hatte der Krienser Dorfplatz Tradition. 1798, beim Einfall der Franzosen, und 1847, als nach der Niederlage des Sonderbunds die eidgenössischen Truppen einrückten, war hier ein Freiheitsbaum aufgestellt worden.

Der Krienser Dorfbrunnen auf dem Dorfplatz, kurz nach der Inbetriebnahme 1918. Hinten das Pfisterhaus, ehemals Bäckerei Fischer. Bild: Privatarchiv

Der Krienser Dorfbrunnen auf dem Dorfplatz, kurz nach der Inbetriebnahme 1918. Hinten das Pfisterhaus, ehemals Bäckerei Fischer. Bild: Privatarchiv

Angeregt wurde der Bau des Brunnens von Grossrat Theodor Bell von der Bell-Maschinenfabrik-Dynastie. Der Fortschrittsverein (heute Verkehrsverein Kriens) übernahm die Ausführung. Dessen Präsident war der «kunstsinnige Handelsmann» Ferdinand Wenger. Als Berater wirkte Architekt Cattani, Präsident der Kunstgesellschaft Luzern, mit. Für den Bau verantwortlich war Luzerns Stadtbaumeister Karl Mossdorf-Robbiani, Vater des als Vertreter des Neuen Bauens später berühmt gewordenen Carl Mossdorf (1901-1969). Mitte September 1918 war der Brunnen fertiggestellt. An Weihnachten 1918 wurde er der Gemeinde Kriens übergeben.

Das achteckige Becken besteht aus grauem Gotthardgranit, die Säule aus grünlichem Granit von Andeer. Die Brunnensäule ist rundum geschmückt mit vier Bronze-Medaillons, die der Luzerner Bildhauer Hugo Siegwart schuf. Sie zeigen die Köpfe von vier Männern, die «der Gemeinde Kriens zu grossem Nutzen oder zur Ehre gewirkt oder gelebt hatten»: Melchior Schnyder (1774-1858), Gründer der Krienser Volksschule, Grossrat und Chronist; Johann Georg Krauer (1792-1845), Dichter des Rütlilieds; August Bell (1814-1870), Gründer der Maschinenfabrik Bell; Friedrich Degen (1848-1913), Gemeindepräsident von 1879-1899 und Nationalrat.

Heute steht der Brunnen vor dem Bellpark

Der Bau kostete 14'000 Franken. Krienser Geschäfte, auch die Maschinenfabrik und die Seidenspinnerei, leisteten Beiträge. Das Material für die Medaillons und die Brunnenröhren gewann man aus der ersten Bell-Fabrikglocke. Damit das Brunnenbild «auf wirkungsvolle Höhe über Boden gehoben werden konnte» (Zitat Einweihungsschrift), erlaubte die Stadt Luzern für den Zierbrunnen oben die Zufuhr von Wasser aus ihren Quellen am Pilatus. In den kleinen Nutzbrunnen unten floss nicht etwa das Abwasser des Zierbrunnens, sondern normales Krienser Brunnenwasser. Ein aus zwei verschiedenen Quellen gespiesener Brunnen – das war eine Rarität.

Der Krienser Dorfbrunnen am heutigen Standort vor dem Bellpark, wohin er 1972 verlegt worden war. Bild: Manuela Jans-Koch (Kriens, 29. November 2018)

Der Krienser Dorfbrunnen am heutigen Standort vor dem Bellpark, wohin er 1972 verlegt worden war. Bild: Manuela Jans-Koch (Kriens, 29. November 2018)

Der Dorfplatz wurde später radikal verändert. 1961 wurde das Krämerhaus abgerissen, 1969 die «Linde». 1964 gings dem Dorfbrunnen und dem Garten daneben an den Kragen: Sie mussten einer Strassenverbreiterung und einem Parkplatz weichen. Eine Zeit lang lagerte die Gemeinde den Dorfbrunnen danach ein. 1972 wurde er wieder aufgestellt – 200 Meter dorfabwärts vor dem Bellpark, wo er noch heute steht.

Der Fasnachtsbrauch mit dem Dorfbrunnen

Gemäss Michael Schärli, Mitglied der Krienser Galli-Zunft, ist der Dorfbrunnen auch eine Art Fasnachtsbrunnen: «Es ist ein alter Brauch, dass der harte Kern der Zünftler am Aschermittwoch nach dem Besuch einer Beiz ihre Portemonnaies im Dorfbrunnen wäscht.» Mit den an eine Wäscheleine gehängten Geldbeuteln kehren die Zünftler, angeführt von einem Handörgeler, zurück in die Beiz – früher die «Linde», heute die «Hofmatt». Dort hängen sie ihre Geldbeutel zum Trocknen auf, und jeder muss raten, wie viel Geld im Sammelwagen der Fasnacht gelandet ist. Die Differenz zum richtigen Ergebnis wird zur Bezahlung des gemeinsamen Nachtessens verwendet. Der Brauch heisst «Gäldseckel-Wösch».

Schärli erzählt eine weitere Anekdote: «Junge Burschen machten sich beim Brunnen auf dem Dorfplatz einen Spass daraus, in eine der Brunnenröhren zu blasen, worauf das Wasser auf der anderen Seite über den Brunnenrand spritzte und ahnungslose Passanten traf.» Es funktioniere auch am neuen Standort Bellpark, verrät Schärli.

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