Vor 25 Jahren schaffte es das «Internet» zum ersten Mal in unsere Zeitung

Vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert schrieb die «Luzerner Zeitung» erstmals über das Internet. Seither hat sie es über 16 000 Mal getan. Was mit einer unbedeutenden Kurzmeldung begann, sollte bekanntlich nicht nur das Mediensystem auf den Kopf stellen.

Robert Knobel
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Drei Internetnutzer im Café Parterre der späten Neunzigerjahre. Kleine Details: Während sich die Computer deutlich verändert haben, ist die Jeans-Mode ähnlich geblieben. (Bild: Peter Fischli (Luzern, 7. August 1999))

Drei Internetnutzer im Café Parterre der späten Neunzigerjahre. Kleine Details: Während sich die Computer deutlich verändert haben, ist die Jeans-Mode ähnlich geblieben. (Bild: Peter Fischli (Luzern, 7. August 1999))

Eine kleine Randnotiz auf Seite 25 läutete das digitale Zeitalter ein: Am 7. Februar 1994 vermeldete die «Luzerner Zeitung», dass «Piraten» das «Internet» geknackt hätten. Nun müssten 20 Millionen Nutzer neue Passwörter suchen. Internet? Genau – das ist dieses weltweite Netz, «das von Universitäten, Regierungsabteilungen, Unternehmen und Privatleuten genutzt wird», wie es in der Meldung erklärend heisst.

Viele hatten damals wohl schon davon gehört, doch im Februar 1994 schaffte es der Begriff «Internet» (damals noch in Anführungszeichen) erstmals in unsere Zeitung. Diese befand sich dabei in bester Gesellschaft. Obwohl das World Wide Web bereits 1993 für Privatanwender in Griffweite gerückt war, erhielt es erst mit dieser kurzen Agenturmeldung über den Passwort-Klau schweizweite Aufmerksamkeit in den Medien.

Meldung vom Februar 1994. (Bild: Archiv)

Meldung vom Februar 1994. (Bild: Archiv)

So sah die gesamte Seite vom 7. Februar 1994 aus: Internet 1994.pdf

Seither sind 25 Jahre vergangen, in denen das Internet unsere Zeitung immer intensiver beschäftigte. Über 16 000 Mal haben wir bisher darüber geschrieben, aber bereits am 1. Dezember 1995 nahmen wir mit dem Titel «Droht der Kahlschlag im Blätterwald?» die Umwälzungen in der Medienbranche vorweg:

Kahlschlag.pdf

Übrigens: Die E-Mail, diese «elektronische Postkutsche», musste ein paar Monate länger auf ihre Erwähnung warten. Erst am 3. August 1994 warnte die Internationale Arbeitsorganisation über die immer stärker grassierende Überwachung von Mitarbeitern durch ihre Chefs. Die E-Mail wurde dabei als eines der Übel dargestellt.

Meldung vom August 1994. (Bild: Archiv LZ)

Meldung vom August 1994. (Bild: Archiv LZ)

Das war die Zeitungsseite vom 3. August 1994: Email.pdf

Ein Internet-Café öffnete im «Schwanen»

Im Dezember 1995 wurde das Internet in Luzern erstmals für jedermann zugänglich: Im Hotel Schwanen eröffnete ein Internet-Café, was unsere Zeitung selbstverständlich vermeldete. Bald kamen mehrere ähnliche Angebote hinzu – etwa im Café Parterre. Es sollte ein vorübergehendes Phänomen bleiben. Denn schnell eroberte das Internet die eigenen vier Wände: Schon 1997 hatten immerhin sieben Prozent der Schweizer zuhause Zugang dazu.

Seither hat sich bekanntlich nicht nur unsere Gesellschaft gründlich verändert, auch unser Sprachgebrauch wurde vom Internet beeinflusst. Zwar hat es der Netz-Jargon mit seinen Abkürzungen und Versimpelungen völlig zu Recht bisher kaum in die Zeitung geschafft. Einzelnen Wortkreationen wie «downloaden» («etwas aus dem Internet abrufen», 19. September 1998) konnten aber auch wir uns nicht ganz verschliessen.

Auch die Beschreibung von bis anhin unbekannten Verhaltensweisen kann bisweilen auf erstaunliche Karrieren zurückblicken. So tauchte das «Selfie» am 30. September 2013 erstmals in unserer Zeitung auf – um bereits ab 2014 einen wahren Boom zu erleben, an dessen Entstehung ein Aargauer namens Geri Müller nichts ganz unschuldig war.

Heute wird bekanntlich die unglaubliche Macht der «Big Five», der fünf Internetgiganten, beklagt. Diese hat sich allerdings schon früh abgezeichnet. Am 21. August 2000 taucht Google erstmals in unserer Zeitung auf – verbunden mit dem Hinweis, dass dies eine der wenigen Suchmaschinen sei, die wirklich etwas taugen:

Google.pdf

Kein Wunder, «googeln» schon vier Jahre später 80 Prozent der Internet-Nutzer, wenn sie etwas suchen. Womit auch gleich die Verbform des Riesen aus Kalifornien Eingang in unser Zeitungsarchiv gefunden hat.

Konkurrent Facebook musste da etwas länger warten. Erst im November 2006 widmete sich unser damaliges Jugendmagazin «Montag» dem Phänomen Social Media und wusste gleich, dass «Milliarden im Spiel» seien:

Facebook.pdf

Der «Follower» taucht am 17. Januar 2010 erstmals in einer Anleitung zum Twittern auf. Damals nutzten allerdings bereits 60 Millionen Menschen den Dienst.

Das «Darknet» und die «Influencer»

Dass das Internet nicht nur dem Guten dient, wurde im Laufe der Jahre klar. Am 28. Mai 2014 erwähnten wir erstmals die Existenz des «Darknets» im Zusammenhang mit einem Bericht des Fedpol.

Es gehört andererseits auch zum Wesen des Internets, dass gewisse Phänomene masslos überschätzt werden. Die «Influencer», die angeblich alles und jeden beeinflussen, finden bei uns erst am 24. Juli 2017 Erwähnung, im Bericht über eine bloggende Mutter. Die grössten Beeinflusser sitzen ohnehin nicht Kaffee schlürfend am Laptop. Wussten Sie zum Beispiel, wer den Begriff «Flaniermeile» – heute ein Lieblingswort von Politikern und Verwaltungen – in Luzern salonfähig gemacht hat? Es war Bruno Peter, der damalige Gemeindeammann von Kriens, der am 17. März 1998 seine Visionen fürs Krienser Zentrum darlegte.