Wie sieht die Schweiz 2030 aus? Ein Bischof, eine Bundesrätin und eine Technologie-Expertin teilen ihre Wünsche mit

In Hochdorf haben darüber drei hochkarätige Referenten gesprochen – mit überraschenden Aussagen.

Niels Jost
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Bischof Felix Gmür mit Moderatorin Fabienne Bamert tanzen auf dem Podium Walzer. (Bild: Boris Bürgisser)

Bischof Felix Gmür mit Moderatorin Fabienne Bamert tanzen auf dem Podium Walzer. (Bild: Boris Bürgisser)

Unterschiedlicher könnten die Referenten kaum sein. Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Marianne Janik, Chefin von Microsoft Schweiz, sowie Bischof Felix Gmür haben am Donnerstagabend in der Braui in Hochdorf über «Unsere Schweiz 2030» diskutiert. Egal ob Politik, Kirche oder Technologie: Alle drei Bereiche stehen vor wegweisenden Herausforderungen in den kommenden zehn Jahren.

Dies wurde schon zu Beginn von «Luzern diskutiert» den 670 Zuhörern klar, als FDP-Ständerat Damian Müller die Referenten vorstellte. «Wir befinden uns mitten im Wandel, sind uns zuweilen aber uneinig, wohin der Weg führen soll.» Wie ein solches Ziel lauten könnte, zeigte Karin Keller-Sutter auf. Die Justizdirektorin erhoffe sich für 2030 weiterhin starke Beziehungen zur EU. Um das erreichen zu können, müsse das gegenseitige Verhältnis geschätzt werden. «Denn auch wir Schweizer sind ein wichtiger Partner.» Doch nicht nur die Politik beschäftigt die 55-Jährige. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei eine Herausforderung. Auf die Frage von Moderatorin Fabienne Bamert, ob sie eine Frauenquote befürworte, sagte die St.Gallerin: «Eine gesetzliche Verankerung erachte ich als nicht notwendig.» Vielmehr gebe es aktuell eine natürliche Entwicklung in der Gesellschaft, die automatisch zu einer Chancengleichheit führen werde.

Ständerat Damian Müller eröffnete die Diskussionsrunde. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
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Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Gespräch mit Moderatorin Fabienne Bamert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Gespräch mit Moderatorin Fabienne Bamert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bundesrätin Karin Keller-Sutter war zu Gast am Podium «Luzern diskutiert». (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Gespräch mit Moderatorin Fabienne Bamert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bischof Felix Gmür hat ebenfalls über die Schweiz 2030 philosophiert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bischof Felix Gmür im Gespräch mit Moderatorin Fabienne Bamert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Kleines Tänzchen gefällig? Bischof Felix Gmür tanzt Walzer mit Moderatorin Fabienne Bamert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bischof Felix Gmür tanzt Walzer mit Moderatorin Fabienne Bamert. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Bischof Felix Gmür auf dem Podium. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Microsoft Schweiz CEO Marianne Janik diskutiert mit Moderatorin Fabienne Bamert über Technologie. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)
Microsoft Schweiz CEO Marianne Janik auf der Bühne beim Podium «Luzern diskutiert». (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)

Ständerat Damian Müller eröffnete die Diskussionsrunde. (Bild: Boris Bürgisser, Braui Hochdorf, 21. November 2019)

Technologien lösen Unbehagen aus

Die gesellschaftlichen Herausforderungen standen auch im Referat von Marianne Janik im Fokus - allerdings mehr mit Blick auf die Digitalisierung: «Die Technologien drängen in alle Bereiche unseres Lebens. Das löst auch Unbehagen aus.» Und egal, ob bei der Entwicklung von Hologrammen, künstlicher Intelligenz oder «Smart Farming»: Die 54-jährige Juristin plädierte dafür, «nicht alles umzusetzen, was technisch machbar ist». Vielmehr sei es wichtig, in gute und zielgerichtete Weiterbildungen im Technologie-Bereich zu setzen. «Diese Chance müssen wir jetzt packen.»

Für die grösste Überraschung sorgte Bischof Felix Gmür. Weil nach seinem Referat klassische Musik abgespielt wurde, forderte er Moderatorin Fabienne Bamert zu einem Walzer-Tänzchen auf. Ohnehin sorgte der 53-jährige Luzerner für viele Schmunzler im Publikum. Ernster wurde er jedoch, als er über seine Sorgen über die Gesellschaft sinnierte. Gerade bei Jugendlichen stelle er Unsicherheit, Unzufriedenheit und auch Angst fest. «In solchen Situationen muss man sich an ­etwas festhalten können», so Gmür. Dies müsse nicht zwingend nur der Glaube sein, auch Menschen könnten anderen Halt geben. Damit hängt zugleich auch sein persönlicher Wunsch für die Schweiz im Jahr 2030 zusammen: «Mit einer positiven Auffassung durchs Leben zu gehen, ist häufig schon viel Wert.»