Wie weiter mit der Bildung im Kanton Luzern? Die Regierung begrüsst einen Planungsbericht

Die Hochschulen und die höhere Berufsbildung haben im Kanton Luzern in den letzten zwei Jahrzehnten stark an Bedeutung gewonnen. Nun fordert SP-Kantonsrätin Helene Meyer-Jenni eine Strategie für die Zukunft. Die Regierung spricht sich für das Anliegen aus.

Roseline Troxler
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Vorlesung an der Universität Luzern.

Vorlesung an der Universität Luzern.

Roger Grütter

Die Zahlen sind eindrücklich: Hatten im Jahr 2000 erst 1767 Studentinnen und Studenten ihren Studienort im Kanton Luzern, waren es im vergangenen Jahr 12'035. Das sind fast sieben Mal so viele Personen wie vor zwei Jahrzehnten. Die Regierung führt dies in ihrer Stellungnahme zu einer Motion von SP-Kantonsrätin Helene Meyer-Jenni (Kriens) darauf zurück, dass «die drei Luzerner Hochschulen ihr Studienangebot in dieser Zeit deutlich ausgebaut haben».

Die Zahlen beziehen sich laut Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, auf die Universität Luzern, die Hochschule Luzern (HSLU) und die Pädagogische Hochschule Luzern. Nicht enthalten sind Doktorierende, der Bereich Weiterbildung sowie der Standort Rotkreuz der HSLU.

Weniger starke Zunahme bei der höheren Berufsbildung

Zugenommen hat in den letzten Jahren auch die Zahl der Studentinnen und Studenten der höheren Berufsbildung – von rund 5030 auf 7078. Die Zahlen beziehen sich allerdings auf den Zeitraum zwischen 2010 und 2019. Auch bei der höheren Berufsbildung wird der Anstieg vor allem auf neue Bildungsgänge zurückgeführt. In zehn Jahren nahm die Zahl der Bildungsgänge von 38 auf 48 zu.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Bildungslandschaft im Kanton Luzern also stark entwickelt. Aus diesem Grund fordert Helene Meyer-Jenni in ihrer Motion die Ausarbeitung eines Planungsberichts. Dieser soll aufzeigen, «wie die tertiäre Bildung im Kanton Luzern weiterentwickelt und gestärkt werden kann». Die Regierung soll Entwicklungsschwerpunkte herausarbeiten, Kooperations- und Steuerungsformen aufzeigen und die finanziellen Rahmenbedingungen klären.

Motion von Politikern aller Parteien unterzeichnet

Die Motion ist breit abgestützt, wurde sie doch von Politikern aller Parteien unterzeichnet. Auch bei der bürgerlichen Regierung stösst das Anliegen auf offene Ohren. Sie beantragt, die Motion erheblich zu erklären. In der Stellungnahme schreibt die Regierung: «Dieses Anliegen unterstützt unser Rat im Sinne einer aktualisierten Darstellung unserer strategischen Position in der tertiären Bildung.» Der geforderte Planungsbericht soll laut Regierung auf den bisherigen strategischen Unterlagen aufbauen, eine Standortbestimmung sein und die Entwicklung für die nächsten Jahre aufzeigen.

Helene Meyer-Jenni freut sich, «dass die Regierung die Notwendigkeit für einen Planungsbericht sieht». Die breite Abstützung im Parlament zeigt für die SP-Politikerin:

«Ich habe einen Nerv getroffen. Politikerinnen und Politiker von links bis rechts sehen in der tertiären Bildung grosse Wichtigkeit und wollen nicht einfach vor Tatsachen gestellt werden, sondern von Anfang an mitdiskutieren.»

Man sei sich einig, dass es nun Grundlagen für die Zukunft brauche. «Bei den Schlussfolgerungen werden die Ansichten im Parlament dann wohl weit auseinandergehen.»

Meyer-Jenni erwartet vom Bericht eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die nächsten Jahre, in welcher die einzelnen Institutionen nicht isoliert betrachtet werden. Nur so könnten Synergien gezielt angegangen werden. Sie habe in den letzten Jahren bei vielen Entscheiden den Blick aufs Ganze vermisst. «Als zentral erachte ich, dass auch die höhere Berufsbildung in den Strategieprozess miteinbezogen wird.»

Sie erwarte dabei nicht den Fokus auf die Vergangenheit, sondern den Blick nach vorne. Dies sei umso wichtiger, weil der Bildungsbereich eine unglaubliche Dynamik aufweise. Helene Meyer-Jenni erhofft sich, dass in den Prozess alle relevanten Akteure miteinbezogen werden. «Dazu gehören nicht nur die Bildungsinstitutionen, sondern auch externe Organisationen und Beteiligte.»

Ziele bei der höheren Berufsbildung wurden 2020 aktualisiert

Die Regierung verweist in ihrer Antwort im Bereich der Hochschulen auf den Planungsbericht über die Hochschulentwicklung von Anfang 2012. Gemäss der darin festgehaltenen Hochschulstrategie verfolgt sie das Ziel, «den Hochschulplatz Luzern weiterzuentwickeln und zu stärken». Sie betont aber, dass die Luzerner Hochschulen weitgehend autonom seien und über eigene strategische Organe verfügen würden.

Bei der höheren Berufsbildung liegt im Gegensatz zu den Hochschulen kein Planungsbericht vor. Die Strategie für diesen Bereich wurde 2012 von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung festgelegt, wie es in der Stellungnahme der Regierung heisst. Dieses Jahr seien die Ziele aktualisiert worden. Nebst der Förderung der Bekanntheit der höheren Fachschulen soll unter anderem die Vernetzung zwischen den Schulen gestärkt und die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen intensiviert werden.

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